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Ärzte: Optimale Behandlung vs. optimaler Verdienst

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Interessenkonflikt  

Optimale Behandlung vs. optimaler Verdienst - Dr. Dilemma

08.05.2015, 09:21 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Ärzte: Optimale Behandlung vs. optimaler Verdienst. Mediziner bei der Arbeit: Abwägen zwischen Verdienst und Versorgung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mediziner bei der Arbeit: Abwägen zwischen Verdienst und Versorgung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gesetzlich oder privat? Wie Patienten versichert sind, beeinflusst das Verhalten von Ärzten. Mediziner berichten, was für ein Spagat es ist, zwischen Verdienst und Versorgung abwägen zu müssen.

"Ich hatte beschlossen, dass ich das Geld brauchte, um das Haus zu renovieren, die Ausbildung der Kinder zu finanzieren und so weiter", schreibt Kardiologe John Dean im Fachblatt "British Medical Journal". Der britische Arzt hat eine Zeit lang nicht nur im Rahmen des öffentlich finanzierten Gesundheitssystems (National Health Service, kurz NHS) gearbeitet, sondern auch privat Versicherte betreut. Jetzt schreibt er, dass man Ärzten besser von vornherein verbieten solle, gleichzeitig für den NHS und Privatkliniken zu arbeiten.

Ein Konflikt: der Arzt als Unternehmer und als Mediziner

Zwar unterscheiden sich das britische und das deutsche Gesundheitssystem voneinander. Der grundlegende Konflikt, den Dean schildert, beschäftigt jedoch auch Ärzte hierzulande. "Die Privatmedizin verleitet Ärzte, Entscheidungen auf Basis des Profits anstatt der Notwendigkeit zu fällen", schreibt der Kardiologe. Der Arzt als Unternehmer und der Arzt als Mediziner stünden im Konflikt miteinander. Die Frage lautet: Wird die Arbeit so ausgeübt, dass der Profit optimal ist - oder die Behandlung? Das kann natürlich auch mal deckungsgleich sein, ist es aber nicht immer. Und es bedeutet im Umkehrschluss für die Patienten auch: Eine private Versicherung ist keineswegs eine Garantie für die bessere medizinische Versorgung.

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"Ich würde mich zum Beispiel nie von dem Arzt operieren lassen, der den Eingriff auch als notwendige Maßnahme empfohlen hat", sagt Jan Salzmann, der als Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapie und Notfallmedizin in einer Hausarztpraxis arbeitet und im Vorstand des pharmakritischen Ärztevereins Mezis sitzt. "Denn natürlich ist eine OP ein größerer finanzieller Anreiz für den Arzt als andere Behandlungen, und das ist ein Interessenkonflikt. Wenn der Patient da von vornherein die Luft rausnimmt und Beratung und Operateur voneinander entkoppelt, wird er im Zweifel ganz anders beraten." Das gelte insbesondere für Privatpatienten, aber auch für gesetzlich Versicherte, meint der Mediziner.

Dauerfrage für niedergelassene Ärzte

Er erzählt, die Frage, wie man mit Kassen- und Privatpatienten umgehe, stelle sich für niedergelassene Ärzte in Deutschland ständig. Privatpatienten könne man leicht Leistungen anbieten, die für den Arzt relativ wenig Aufwand bedeuten, aber sehr gut vergütet würden. "Im Extremfall können Ärzte zum Beispiel bei einem Privatpatienten mit einer einfachen Erkältung Untersuchungen durchführen, die sie für 500 Euro abrechnen. Es würde aber ausreichen, ein Beratungsgespräch zu führen, für das der Arzt 40 oder 50 Euro in Rechnung stellt", sagt Salzmann.

Der britische Kardiologe lässt kaum etwas Gutes am privaten Sektor, er bezeichnet ihn sogar als unmoralisch. Das Ganze sei größtenteils ein Schwindel, schreibt er. Es gebe nur einen einzigen echten Vorteil: dass man sich mit einer privaten Zusatzversicherung an der Schlange der NHS-Patienten vorbeidrängeln könne. Das wird ja in Deutschland oft als Vorteil genannt: schneller einen Termin zu bekommen und nicht so lange im Wartezimmer sitzen zu müssen. Ansonsten sei es aber wie bei einem Shampoo mit zugesetzten Vitaminen, meint Dean: Das Versprechen sei viel größer als der tatsächliche Nutzen.

Ist das jetzt scheinheilig?

Dean hat deshalb seine Arbeit auf dem privaten Sektor eingestellt. "Ist es scheinheilig von mir, jetzt auf dem verdienten Geld zu sitzen und so zu tun, als wäre ich moralisch überlegen?", fragt er. Vielleicht sei das so, aber er wünschte, er hätte sich nie auf diesen Bereich eingelassen. Und das wäre wohl leichter gewesen, wenn er das auch nie hätte tun dürfen.

Salzmann hat einen ähnlichen Ansatz: "Ich bin für eine Abschaffung der privaten Krankenkassen, aber das ist meine persönliche Meinung", sagt der Arzt. Zudem meint er, der Verkauf und das Ausüben der Medizin sollten voneinander getrennt sein. "Das ist insbesondere bei den Selbstzahlerleistungen für Kassenpatienten ('Igel') problematisch, wo Ärzte zu Verkäufern werden." Es sei sogar Teil von ärztlichen Fortbildungen zu lernen, wie man diese Methoden möglichst erfolgreich an den Patienten bringe.

Salzmann glaubt, dass der Grundkonflikt in unserem System nicht zu lösen ist. "Und für andere Modelle findet sich bestimmt keine Mehrheit. So hängt es weiterhin vom einzelnen Arzt ab, wie stark er nach Gewinn strebt und wie weit er da möglicherweise sein Gewissen ausschaltet."

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