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"Tatort"-Check: Wie realistisch ist der Mord per Narkosemittel?

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"Tatort"-Faktencheck  

Wie realistisch war der Mord per Narkosemittel?

18.05.2015, 16:00 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

"Tatort"-Check: Wie realistisch ist der Mord per Narkosemittel?. Geht das, ein Mord mit einer Narlosespritze? (Quelle: ARD)

Geht das, ein Mord mit einer Narlosespritze? (Quelle: ARD)

Erst spritzt er seiner Frau ein Medikament, das die Muskulatur lähmt, dann schubst er sie die Treppe hinunter: Im Frankfurter "Tatort" wird ein Arzt so zum Mörder. Aber funktioniert die Methode wirklich?

Einmal hat Silke Kern ihrem Mann schon ein Alibi verschafft. Doch nun ist wieder jemand ermordet worden. Und Martin war nicht bei ihr, wie sie der Polizei gegenüber behaupten soll. Als sie ihm sagt, dass sie nicht mehr für ihn lügt, bringt Martin sie um: Der Arzt spritzt seiner Frau ein Medikament in den Hals, das binnen Sekunden ihre Muskulatur vollständig erschlaffen lässt. Dann schubst er sie die Treppe hinunter. Den Sturz überlebt sie nicht. Silke Kern ist eines der Opfer im neuen Frankfurter "Tatort".

Die Kommissare Paul Brix und Anna Jannecke haben zwar sofort den Verdacht, dass der Arzt beim Tod seiner Frau nachgeholfen hat. Sie entdecken auch eine Einstichstelle an ihrem Hals. Doch die Polizisten wissen nicht, wie sie Martin Kern überführen sollen. Der Wirkstoff baut sich angeblich binnen Minuten im Körper ab und soll daher in der Rechtsmedizin nicht nachweisbar sein. Die Einstichstelle am Hals könnte als Insektenstich durchgehen. Was ist das dran an diesen Aussagen - und an dem schnell wirkenden, die Muskeln lähmenden Mittel?

Gibt es Medikamente, die so schnell die komplette Skelettmuskulatur lahmlegen?

Ja, es gibt so ein Muskelrelaxans, sagt Götz Geldner vom Klinikum Ludwigsburg. "Der Wirkstoff Succinylcholin wirkt innerhalb von 30 bis 60 Sekunden, wenn er in einer ausreichend hohen Dosis in die Blutbahn gespritzt wird", sagt Geldner, der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten ist.

Das Mittel wird im Rahmen einer Narkose, zusammen mit Schlaf- und Schmerzmitteln, verabreicht. Succinylcholin wird aber laut Geldner nur noch selten verwendet, da inzwischen Wirkstoffe mit geringeren Nebenwirkungen vorhanden sind.

Ist ein Treppensturz immer tödlich, wenn die Muskelspannung fehlt?

Es ist jedenfalls deutlich wahrscheinlicher, dass ein Sturz unter diesen Bedingungen zu ernsthaften Verletzungen oder sogar zum Tod führt. Geldner beschreibt, dass schon das Umlagern von Patienten während einer OP große Vorsicht erfordert: Ohne die stabilisierende Muskulatur ist vor allem die Halswirbelsäule bei ruckartigen Bewegungen des Kopfes im Gefahr.

Allerdings hätte Silke Kern im "Tatort", selbst wenn sie den Sturz überstanden hätte, nicht lange überlebt. Durch die erschlaffte Muskulatur ist auch die Atmung gelähmt. Das Gehirn bekommt keinen Sauerstoff mehr, was binnen Minuten zum Tod führt. In der Klinik werden Patienten nach der Gabe von Succinylcholin und ähnlichen Wirkstoffen beatmet.

Baut sich der Wirkstoff innerhalb von Minuten ab, so dass er in der Toxikologie nicht aufzuspüren ist?

"Im Blut ist Succinylcholin schon nach wenigen Minuten nicht mehr nachzuweisen", sagt Uta Küpper, Leiterin der Forensischen Toxikologie an der Uniklinik Essen. Allerdings finden sich noch bis zu 24 Stunden lang Abbauprodukte im Blut - nach diesen werde in Routinetests aber nicht gesucht.

Über eine Urinprobe ist die Gabe von Succinylcholin bis mehrere Tage nach dem Tod nachweisbar, berichtet die Wissenschaftlerin, die über Succinylcholin promoviert hat. Im Urin finden sich nämlich keine Enzyme, die den Wirkstoff abbauen. Voraussetzung ist natürlich, dass bei der Obduktion Urin gewonnen werden kann.

Einstich per Spritze oder Insektenstich - lässt sich das nicht unterscheiden?

Doch, das können Rechtsmediziner, sagt Geldner.

Wie realistisch ist also der Mord per Muskelrelaxans und Treppensturz?

Küpper erinnert sich an einen Fall aus dem Jahr 2000, an den die "Tatort"-Szene vermutlich angelehnt ist. Ein Arzt aus dem Bonner Raum wurde verdächtigt, seiner Frau das Muskelrelaxans gespritzt und die künstliche Beatmung bewusst unterlassen zu haben. Er sagte, er habe sie tot am Fuße der Kellertreppe gefunden. In seinem Arztkoffer fehlte eine Ampulle des Mittels.

Doch ein toxikologischer Nachweis des Mittels war nicht möglich, die Todesursache wurde deshalb nie eindeutig geklärt. Der Arzt gestand schließlich, seine Frau getötet zu haben und wurde wegen Totschlags verurteilt, wie unter anderem die "FAZ" berichtete. Er sagte jedoch nicht, auf welche Weise.

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