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Migräne: Wie uns das Wetter Kopfschmerzen bereiten kann

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Kälteeinbruch, Hitze und Föhn  

Kann das Wetter Kopfschmerzen auslösen?

13.09.2015, 08:06 Uhr | Sabine Dobel, dpa

Migräne: Wie uns das Wetter Kopfschmerzen bereiten kann. Bestimmte Menschen sind extrem wetterfühlig. Wissenschaftlich jedoch ist dieses Phänomen bislang nicht erklärbar. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bestimmte Menschen sind extrem wetterfühlig. Wissenschaftlich jedoch ist dieses Phänomen bislang nicht erklärbar. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Menschen halten sich für wetterfühlig und klagen bei Temperatur- und Klimaschwankungen über Kopfschmerzen. Ist das alles Einbildung oder ist das wechselhafte Wetter tatsächlich schuld daran, wenn es im Kopf sticht und pocht?

Lucia Gnant weiß es oft schon Stunden vorher: Ein Gewitter ist im Anzug. Oder das Wetter schlägt um. Sie spürt das im Gehirn. "Ich habe dann in meinem Kopf eine bestimmte Situation". Und die eskaliert in einen fast unerträglichen Schmerz.

"Im Kopf braut sich etwas zusammen"

Gnant ist Vorsitzende der Migräne-Liga, die sich auf ihrem Symposium am 17. September in Potsdam mit dem Einfluss des Wetters auf Migräne befassen wird. "Wissenschaftlich erwiesen ist es nicht. Aber wenn Sie mit Patienten reden, wird jeder sagen, wenn das Wetter wechselt: In meinem Kopf braut sich etwas zusammen."

Migräneattacken sind extrem schmerzhaft

Etwa sieben bis zehn Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen leiden unter dem pulsierenden Kopfschmerz. Manche können dann nur im abgedunkelten Zimmer liegen und warten, bis es vorbei geht. Migräne, oft unterschätzt und als einfaches Kopfweh abgetan, zählt zu den schlimmsten Schmerzzuständen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt sie zu den 20 Leiden, die das Leben am stärksten einschränken.

So funktioniert das "Migränegehirn"

Mediziner gehen davon aus, dass die Veranlagung weitgehend erblich bedingt ist. "Was das Migränehirn vom normalen Hirn unterscheidet, ist die Schwierigkeit, abzuschalten", sagt Charly Gaul, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein.

"Sie sind wie ein Hund, der immer ein Ohr aufgestellt hat - sie kriegen viel mehr mit." Damit komme das Gehirn schneller an die Belastungsgrenze. "Wenn Sie einen Migränepatienten fragen: Was ist Ihre größte Schwäche? Dann würde er sagen: Perfektionismus."

Auf bestimmte Reize werden Botenstoffe ausgeschüttet, es gebe elektrische Reize. "Die bringen eine Kaskade von Schmerz, Veränderung an den Gefäßen und auch entzündungsähnliche Prozesse in Gang."

Der Kopf mag keinen Wechsel

Das Gehirn von Betroffenen reagiert vor allem sensibel auf Wechsel: bei der Ernährung, im Flüssigkeitshaushalt des Körpers, im Schlaf- und Wachrhythmus. Das zeigt sich am Beispiel der "Wochenendmigräne": Gerade wenn die Patienten ausschlafen wollten, holten sie Anfälle ein, sagt Stefanie Förderreuther, Ärztin und Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

Helfen kann auch, sich auch am Wochenende den Wecker zu stellen - und dann nochmals weiterzuschlafen. "Migräne mag es sehr gleichmäßig."

"Migränewetter" belastet vor allem chronisch Kranke

Die Migräne-Liga hat auf ihrer Seite einen Link "Migränewetter". "Menschen mit chronischer Krankheit sind für bestimmte Wetterlagen empfindsam", sagt der Biologe Holger Westermann von der Menschenwetter-Redaktion, die Vorhersagen für Krankheiten von Depression bis Herz-Kreislaufbeschwerden bereitstellt.

Für den einen ist Hitze, für den anderen Feuchtigkeit oder Kälte problematisch. "Was dem Asthmatiker schadet, kann dem Rheumatiker gut tun."

Migräneradar: Steigt die Temperatur, häufen sich die Attacken 

Wissenschaftler der Hochschule Hof untersuchen mit der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein und der Universität Rostock seit 2011 anhand von Online-Patientenmeldungen Faktoren, die Migräne auslösen können. Es geht bei dem Migräne-Radar auch darum, ob ein Zusammenhang zwischen Migräne und Wetterwechseln nachweisbar ist.

"Wir haben aus der ersten Projektphase Hinweise", sagt Projektleiter Jörg Scheidt. Der Abgleich von 20.000 Kopfschmerzattacken ergab: "Wenn sich die Temperatur um fünf Grad ändert, haben wir 20 Prozent mehr Anfälle."

Nicht alle Patienten reagieren aufs Wetter 

Die Ergebnisse seien jedoch noch unsicher und statistisch nicht sehr signifikant, betont Scheidt. In einer neuen Projektphase sollen deshalb die Daten anonymisiert Betroffenen zugeordnet werden. Die Forscher vermuten, dass nur bestimmte Patienten auf das Wetter reagieren. "Wir hoffen, dass wir schon Ende des Jahres oder im Frühjahr erste Ergebnisse haben." Ob die Patienten in dem vergangenen heißen Sommer besonders litten, ist bisher nicht ausgewertet.

Auch Chefarzt Gaul geht davon aus, dass nur eine Gruppe bei Wetterwechseln leidet. "Wir können am Wetter natürlich nichts ändern. Aber die Patienten könnten motiviert werden, eine vorbeugende Behandlung zu machen, Ausdauersport und Entspannungsverfahren, damit sie insgesamt gegenüber diesen äußeren Einflüssen weniger empfindlich werden."

Schmerzmittel alleine genügen nicht - und sind in manchen Fällen sogar schädlich: Wer sie öfter als zehnmal im Monat nimmt, kann das Gehirn weiter sensibilisieren - und läuft Gefahr, noch öfter Attacken zu erleiden. Menschen mit häufiger Migräne bekommen deshalb Medikamente zur Prophylaxe, etwa Betablocker oder Antidepressiva.


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