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Gefälschte Medikamente im Internet

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Gefälschte Arzneimittel  

Risiko beim Internet-Kauf "riesengroß"

29.09.2015, 17:02 Uhr | Yuriko Wahl-Immel, dpa

Gefälschte Medikamente im Internet. Gefälschte Medikamente  können lebensgefährlich werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gefälschte Medikamente können lebensgefährlich werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es geht nicht nur um Potenzpillen - zu fast jeder Krankheit kann man sich heutzutage Medikamente im Internet bestellen. Doch wer nicht aufpasst, begibt sich in Lebensgefahr.

Ampullen für Krebspatienten mit manipuliertem Inhalt, Pillen ohne ausreichenden Wirkstoff oder verunreinigtes Pulver: Was für Kriminelle ein lukratives Geschäft ist, birgt für Verbraucher und Patienten ein enormes Gesundheitsrisiko. Gestreckt und gefälscht werde alles, was Profit verspricht beklagen Experten. Also Lifestyle-Medikamente wie Schlankheits-, Haarwuchs oder Potenzmittel, aber auch hochpreisige Arzneien gegen Krebs, Herzkrankheiten, Hepatitis oder Diabetes. Mit den Fälschungen befasst sich derzeit auch ein internationaler Apotheker-Kongress. 

Fälschungen werden immer besser

Haupteinfallstor für gefälschte Medikamente ist der Internetversand, der grenzüberschreitend-global funktioniert. "Deshalb ist auch der Kampf gegen Arzneimittelfälschungen eine internationale Aufgabe", sagt Friedemann Schmidt, Präsident der gastgebenden Bundesvereinigung Deutscher Apotheker (ABDA). "Das Problem ist, dass die Fälschungen immer besser werden und immer schlechter zu erkennen sind." Manche Fälschungen enthalten keinen oder zu wenig Wirkstoff, dann bleibt die Erkrankung ganz oder unzureichend behandelt. Andere Präparat beinhalten schädliche Substanzen.

Einige Fälschungen enthalten keinen Wirkstoff

Man müsse unterscheiden zwischen der legalen Verteilerkette mit pharmazeutischem Großhandel und Apotheken einerseits und den illegalen Anbietern dubioser Internet-Quellen andererseits, meint Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Experte für pharmazeutische Chemie. "Sollte beispielsweise ein gefälschtes Arzneimittel zur Krebsbehandlung von einer Apotheke an eine Klinik abgegeben werden, das tatsächlich keinen Wirkstoff enthält, wäre das natürlich eine Katastrophe", schildert er aus wissenschaftlicher Sicht. "Die Krebserkrankung könnte sich weiter entfalten. In den USA sind solche Dinge auch schon passiert."

Todesfälle in den USA

Infolge von gefälschtem Heparin - es soll nach einigen Operationen Thrombosen oder Embolien verhindern - seien in den USA zudem mindestens zehn Menschen gestorben, berichtet Schubert-Zsilavecz. In Deutschland ist ihm aber kein Fall bekannt, in dem ein Patient ernsten Schaden genommen hätte durch ein gefälschtes Mittel aus der legalen Verteilerkette.

Der Frankfurter Experte rät daher: "Der Patient sollte sich auf die bewährten Strukturen verlassen: Der Arzt verordnet, der Apotheker gibt ab." Die Gefahr, Opfer Krimineller zu werden und gesundheitlichen Schaden zu nehmen, sei dagegen "riesengroß", wenn man im Netz auf eigene Faust ordere.

Auch schon Fälschungen in deutschen Apotheken

ABDA-Präsident Schmidt sagt allerdings: "Wir beobachten, dass immer öfter versucht wird, gefälschte Arzneimittel in die legale Vertriebskette einzuschleusen". So hatten es einige Fälschungen des Magenmittels Omeprazol in den vergangenen Jahren in Großhandel und Apotheken geschafft. Und immer wieder stößt der Zoll auf gefälschte Medikamente. "Die Einnahme dieser Arzneimittel kann eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten", warnt das Bundeskriminalamt. Erst vor wenigen Tagen waren rund 3,5 Millionen Tabletten aus Indien in Nordrhein-Westfalen sichergestellt worden, gefälschtes Viagra und gefährliche Schlaftabletten.

Vertriebswege sollen sicherer werden

Für viele sind vermeintliche Diskretion und Preisvorteile im Internet aber offenbar wichtige Kaufargumente. Anonymität im Netz, schwer durchschaubare Lieferwege und längere Vertriebsketten erleichtern den Fälschern ihr Handwerk. "Wir sehen mit Sorge, dass Arzneimittelfälschungen aufgrund der Preisstrukturen in Europa ein lukratives Geschäft für kriminelle Organisationen geworden sind", sagt Professor Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Seriosität vor Internetkauf prüfen

Ein Schritt für mehr Sicherheit ist getan: Wer eine Arznei online bestellen will, kann über das Register Dimdi prüfen, ob der Anbieter seriös und für den Internethandel zugelassen ist. Alle EU-Länder führen solche Listen. 

Zudem weist Abda-Chef Schmidt auf das Projekt securPharm hin: Alle Medikamentenpackungen sollen einen fälschungssicheren Barcode erhalten. "Wenn das implementiert ist, können wir jede einzelne Arzneimittelpackung über eine individuelle Kennung von der Herstellung bis zur Abgabe verfolgen." 

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