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Handysucht: Wer im Bett noch daddelt, hat ein Problem

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Handysucht  

Wer im Bett noch daddelt, hat ein Problem

22.02.2016, 08:43 Uhr | dpa-tmn

Handysucht: Wer im Bett noch daddelt, hat ein Problem. Wer das Smartphone dem Liebesspiel vorzieht, hat ein ein Problem mit Handysucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer das Smartphone dem Liebesspiel vorzieht, hat ein ein Problem mit Handysucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Smartphones können glücklich machen - und abhängig. Wer sein Telefon zu häufig benutzt, kann süchtig werden. Was dagegen hilft, erklären Experten.

Chatten, surfen, spielen, shoppen oder den Partner fürs Leben suchen: Mit dem Smartphone ist so einiges möglich. Das kann allerdings zum Problem werden. Wer nicht aufpasst, wird zum Sklaven des Geräts. Denn so wie Glücksspielautomaten oder Computerspiele manche Menschen abhängig machen, kann auch die Smartphone-Nutzung überhand nehmen.

Überraschung auf Knopfdruck

Was dabei passiert, erklärt der Informatiker Alexander Markowetz, der an der Universität Bonn zum Thema digitaler Burnout geforscht hat: "Ich führe eine Handlung aus, und dann gibt es eine Überraschung." Die Handlung ist der Knopfdruck zum Aktivieren des Displays, die Überraschungen können vielfältig sein: Hat sich schon jemand mein Partyfoto angesehen? Gibt es Neuigkeiten? Das Warten auf die nächste Nachricht von Freunden, auf einen neuen Like bei Facebook oder das nächste Level beim Online-Game bestimmen dann den Rhythmus.

Glückshormone fließen

Der Körper schüttet dabei das Glückshormon Dopamin aus. Es sorgt dafür, dass wir immer wieder zum Handy greifen. "Das ist maximale Belohnung mit minimalem Aufwand", erklärt Michael Knothe, Pressesprecher beim Fachverband Medienabhängigkeit, den Mechanismus.

Wann die Abhängigkeit beginnt

Doch ist man gleich abhängig, nur weil man häufig auf sein Smartphone schaut? "Nein", sagt Kai Müller, der als Psychologe in der Spielsucht-Ambulanz des Mainzer Uniklinikum arbeitet. "Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die Menschen mitbringen." Manche nutzen das Smartphone etwa zur Ablenkung vom Stress oder drücken sich damit vor unangenehmen Aufgaben. "Sorgen machen sollte man sich dann, wenn sich alles ums Handy dreht und man auch schöne Tätigkeiten unterbricht, um aufs Display zu gucken", so Müller.

Die Beschäftigung mit dem Handy darf also nicht das Hobby stören oder soziale Kontakte ersetzen. Wer zwar stundenlang chattet, aber weiter in den Sportverein geht und die Schule schafft, habe eher kein Suchtproblem.

Auszeiten können helfen

Anders als etwa Daddelautomaten oder Computer kann man Smartphones überall mit hinnehmen. Es gibt also keine natürlichen Pausen mehr. Deshalb gilt: "Es ist wichtig, konkrete Auszeiten zu definieren", rät Psychologe Müller.

88 Mal am Tag aufs Display schauen

Denn auch wenn es keine Sucht ist: Übermäßige Nutzung birgt Nachteile. "Wenn ich alle 20 Minuten auf mein Handy sehe, leiden meine Produktivität und mein Glücksempfinden", warnt Alexander Markowetz, der eine App namens Menthal entwickelt hat, die auf Handys das Nutzungsverhalten misst. Die Auswertungen sind nicht repräsentativ, haben aber eine gewisse Aussagekraft, weil die App auf 300.000 Smartphones läuft. Demnach sieht ein Nutzer im Schnitt 88 Mal täglich aufs Display, und in 53 Fällen folgt dann auch eine Aktion.

Smartphone-Surfen ist Anti-Yoga

Folge: Die ständigen Unterbrechungen torpedieren die Konzentration, und die Arbeit fällt schwer. Anti-Yoga nennt Markowetz das: "Beim Yoga begibt man sich in eine orthopädisch wertvolle Position und fokussiert den Geist. Beim Smartphone-Surfen nehmen viele Menschen eine orthopädisch absurde Haltung ein und suchen die Zerstreuung."

Ein Nutzungstagebuch führen

Um die Nutzung in den Griff zu kriegen, braucht es also mehr Achtsamkeit und Selbstkontrolle. "Man kann ein Konsumtagebuch führen und aufschreiben, was man früher gern gemacht hat und gerne wieder mehr machen würde", schlägt Knothe vor. Das hilft, einzuschätzen, wie viel Raum das Handy einnimmt und welche Alternativen es gibt.

Smartphone-freie Tage können helfen

Psychologe Müller empfiehlt, Offline-Tage einzulegen, an denen man die mobile Datennutzung ausschaltet. Ins Bett oder an den Esstisch gehörten Handys sowieso nicht. Auch Apps können helfen: Neben Menthal geben zum Beispiel Anwendungen wie Checky, Offtime, Hypnobeep oder Qualitytime Rückmeldung über die Nutzungsgewohnheiten. Wer bestimmte Auszeiten einhält, bekommt eine Belohnung.

Uhr und Wecker benutzen

Markowetz rät außerdem, den Griff zum Smartphone möglichst umständlich und überflüssig zu machen. Das bedeutet zum Beispiel: Armbanduhr und Wecker statt der entsprechenden Handyfunktionen nutzen und das Smartphone unterwegs in den Rucksack statt in die Hosentasche stecken.

Schaffen Sie es einen Tag ohne Handy?

Wer die Probe aufs Exempel machen will, versucht am besten einen ganzen Tag ohne das Gerät auszukommen, schlägt Kai Müller vor. Wenn das gut klappt, sei die Nutzung im Rahmen.

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