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Doping mit Meldonium: Das hat Maria Scharapowa genommen

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Medikament in Deutschland und USA illegal  

Meldonium - was hat Tennisstar Scharapowa da genommen?

09.03.2016, 08:07 Uhr | Susanne Reininger mit Material von sid

Doping mit Meldonium: Das hat Maria Scharapowa genommen. Der russische Tennisstar Maria Sharapowa gesteht Doping.  (Quelle: Reuters)

Der russische Tennisstar Maria Sharapowa gesteht Doping. (Quelle: Reuters)

Maria Scharapowa, eine der besten Tennisspielerinnen der Welt, sorgte im letzten Jahr mit ihrem Liebesaus für Aufsehen. Nun macht die russische Tennis-Ikone wegen Doping Schlagzeilen. Was steckt hinter der verbotenen Substanz?

Während der Australian Open wurde bei dem Tennisstar der Wirkstoff Meldonium nachgewiesen. Meldonium ist ein Wirkstoff, der in Deutschland als Arzneimittel nicht zugelassen ist. Die Substanz gegen Herzrhythmusstörungen wird als Medikament von der Lettischen Firma Grindeks unter dem Namen Mildronate® vertrieben - bislang nur in Russland und den baltischen Staaten.

Viele Profisportler dopen mit Meldonium

Eine "sehr hohe Fallzahl" beim Nachweis von Meldonium bei Profisportlern habe im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) den Wirkstoff auf die Verbotsliste setzte, betätigte Mario Thevis, Dopingforscher an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Potenzsteigernd bei wilden Ebern

Ob Meldonium bei Menschen auch anabole Effekte hat, kann Thevis aufgrund fehlender Studien nicht sagen, meint jedoch: "Bei der ursprünglichen Patentanmeldung des Wirkstoffs Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre wurde ein Wachstumsfaktor bei Tieren angegeben." Auf dem Beipackzettel wird immerhin bei Keilern "Potenzsteigerung und beweglichere Spermien“ als medizinische Wirkung angeben. 

Fitter Kopf und fitter Körper

Experten vermuten, dass Athleten auf diese Substanz zurückgreifen, "um mögliche Effekte hinsichtlich verbesserter Durchblutung und physischer Ausdauer auszunutzen“. Scharapowa hingegen beteuert, sie nehme das Präparat Mildronate, das in Form von Kapseln und Injektionen verabreicht werden kann, auf ärztliche Anordnung seit 2006 ein. Sie habe eine Mail der WADA mit dem entsprechenden Hinweis über den neuen Status des Wirkstoffs Meldonium nicht beachtet.

Verbotene Substanz leicht nachweisbar

Meldonium wird nach Auskunft des Kölner Dopingexperten für gewöhnlich in "hohen Dosen" eingenommen und sei mit herkömmlichen Verfahren "verhältnismäßig leicht nachzuweisen". Der Wirkstoff Meldonium wird für verschiedene therapeutische Zwecke verwendet, so Thevis, "bei Herzerkrankungen, Infarkten und Diabetes". Die positiven Effekte des Wirkstoffs seien "eine höhere physische und mentale Belastbarkeit sowie eine schnellere Regeneration".

"Mentale Fitness" durch Meldonium

Ob die Wahlamerikanerin tatsächlich an Herzrhythmusstörungen oder angehender Diabetes leidet, für die das Präparat in ihrem Heimatland zugelassen ist, ist nicht bekannt. Bekannt in der internationalen Presse hingegen ist Scharapowa für ihre "mentale Fitness als Waffe".

Nachhilfe für schmächtige Körper

Für den Pharmakologen Fritz Sörgel sind Dopingfälle im Tennis - wie der von Maria Scharapowa - keine wirkliche Überraschung. "Es ist ein weißer Sport, aber noch nie übertrieben anständig, was den Bereich Doping anbetrifft", konstatierte der Mediziner beim Sky Sports News HD. Sörgel meinte mit Blick auf das Australian-Open-Finale Ende Januar: "Wenn Sie sich jetzt Serena Williams beispielsweise anschauen, wie sie gegen diese fast zierlich wirkende Angelique Kerber in Melbourne gespielt hat - ich habe mir dieses Muskelspiel der Dame angeschaut. Also dann wissen sie ja eigentlich, in welche Richtung das geht."

Prominente Sünderliste im Profitennis 

Neben muskelaufbauenden Anabolika und leistungssteigernden Substanzen wie Meldonium gehörten bislang Asthmamittel, Kortikosteroide und Stimulanzien zu den illegalen Stärkungsmitteln von Tennisprofis. Zu den bekanntesten Dopingsündern zählen US-Open-Sieger Marin Cilic aus Kroatien, der 2013 wegen Nikethamid-Missbrauchs neun Monate gesperrt worden war, und der Tscheche Petr Korda. Ihm wurde 1998 die Einnahme der verbotenen Substanz Nandrolon nachgewiesen, was eine einjährige Sperre nach sich zog.

Auch Agassi und Hingis dopten

Auch der amerikanische Tennisstar Andre Agassi gestand in seiner Autobiografie, während seiner Profizeit Crystal Meth konsumiert zu haben. Er fiel zwar durch den Dopingtest der ATP, wurde aber nicht gesperrt. Die Schweizer Tennisspielerin Martina Hingis wurde 2007 während eines Dopingests in Wimbledon positiv auf eine Substanz getestet, die in Kokain enthalten ist. Hingis wurde für zwei Jahre gesperrt.

"Unverhältnismäßiges Gesundheitsrisiko"

Als bekannte Nebenwirkungen von Meldonium führt der Beipackzettel "psychomotorische Unruhe, Magenbeschwerden, Ausschlag, Ödeme und Herzrhythmusstörungen auf. Aus Medizinersicht birgt die Einnahme von Meldonium ein "unverhältnismäßiges Gesundheitsrisiko mit nicht einschätzbaren Spätfolgen".

Gesundheit statt Geld

Scharapowa ist laut "Forbes“ die bestbezahlte Sportlerin der Welt. Doch Geld allein mache sie nicht glücklich, beteuerte sie in einem Gespräch mit dem "Tennis Magazin": "Das, was wirklich zählt, sind andere Dinge: Familie, Freunde, Gesundheit, Ehrlichkeit". Das war allerdings vor ihrem Doping-Outing.

 

 

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