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Ärzteatlas Deutschland: Probleme auf dem Land

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Ärzteatlas Deutschland  

So ungleich sind die Mediziner verteilt

19.07.2016, 18:05 Uhr | AFP, dpa

Ärzteatlas Deutschland: Probleme auf dem Land . Eigentlich gibt es in Deutschland genug Ärzte - sie sind nur falsch verteilt.  (Quelle: imago/Jochen Tack)

Eigentlich gibt es in Deutschland genug Ärzte - sie sind nur falsch verteilt. (Quelle: imago/Jochen Tack)

Die Arztdichte in Deutschland hat nach Angaben der Krankenkasse AOK in den vergangenen 25 Jahren um knapp 50 Prozent zugenommen. Die Versorgung wäre damit gut, wenn die Ärzte gleichmäßiger verteilt wären. 

2015 habe es 456 berufstätige Ärzte je 100.000 Einwohner gegeben, 1991 seien es nur 304 gewesen, berichtete das Wissenschaftliche Institut der AOK in seiner jährlichen erscheinenden Übersicht, dem sogenannten Ärzteatlas.

Plansoll weit übertroffen - trotzdem Lücken

Im internationalen Vergleich liege die Bundesrepublik damit auf dem fünften Platz unter 34 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Nach den Regeln der aktuellen Bedarfsplanung für die ambulante vertragsärztliche Versorgung werde das Plansoll dabei in allen Ärztegruppen bundesweit klar übertroffen.

Das gelte auch im viel diskutierten Hausarztbereich, teilte das Institut mit. Dort werde das Planungssoll auf den Gebieten sämtlicher Kassenärztlichen Vereinigungen übertroffen.

Unterversorgung und Überversorgung gleichzeitig

Es gebe insgesamt mehr Hausärzte als laut Bedarfsplanung nötig. Diese seien aber alles andere als gleichmäßig verteilt. So gebe es "zum Teil enorme regionale Unterschiede", erklärte Vizegeschäftsführer Helmut Schröder. "Einer Unterversorgung oder drohenden Unterversorgung in einigen Landstrichen steht eine deutliche Überversorgung insbesondere in Ballungszentren und für Ärzte attraktiven Regionen gegenüber."

Ärzte gibt es demnach genug, trotzdem findet sich auf dem Land oft kein Nachwuchs - mit fatalen Folgen für die Infrastruktur.

Das sind die Fragen und Antworten zu diesem Themenkomplex:

Wie hoch ist die Ärztedichte insgesamt?

Unter 34 Staaten liegt Deutschland laut AOK-Atlas mit 4,1 praktizierenden Ärzten je 1000 Einwohner auf Platz 5. Die Arztdichte in Deutschland hat zwischen 1991 und 2015 um knapp 50 Prozent zugenommen. Im Jahr 2015 kamen dem Ärzteatlas zufolge auf 100.000 Einwohner 456 berufstätige Ärzten, 1991 waren es noch 304 Ärzte. Bei Hausärzten lag der Gesamtversorgungsgrad 2015 bei 110 Prozent.

Wo liegt das Problem in der Versorgung der Patienten?

Es gibt laut AOK zwar genügend Ärzte - aber die sind schlecht verteilt. Einer Unterversorgung in einigen Landstrichen stehe eine "Überversorgung insbesondere in Ballungsgebieten oder in für Ärzte attraktiven Regionen gegenüber", so der AOK-Verband. Er bekräftigte die langjährige Klagen der Krankenkassen. Diese befürchten, dass mit der Überversorgung in Ballungsräumen mehr Nachfrage verbunden ist und damit höhere Kosten entstehen.

Wie wirkt sich Unterversorgung aus?

Das Problem der Unterversorgung könnte sich angesichts der Altersstruktur insbesondere bei Hausärzten in den kommenden Jahren in einigen Regionen zuspitzen: Sie finden oft keine Nachfolger für ihre Praxen. Bürgermeister und Landräte in ländlichen Regionen südlicher Bundesländer klagen bereits darüber, dass dort angesiedelte mittelständische Unternehmen nur schwer Fachkräfte fänden, da diese mit ihren Familien nicht in eine Region ziehen wollen, in der Haus- oder Kinderärzte fehlen.

Wer ist zuständig für die Verteilung der Ärzte?

Grundsätzlich kann sich der Arzt als Freiberufler niederlassen, wo er will. Allerdings gibt es für jede Region eine Bedarfsplanung. Über den Bedarf an Niederlassungen in einer Region entscheiden die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen. Von diesem Bedarf hängt es ab, ob sich ein Arzt in einer Region niederlassen kann oder nicht.

Wie bekommt man mehr Ärzte aufs Land?

Die Bundesregierung hat zuletzt mit dem Versorgungsstärkungsgesetz zusätzliche Anreize geschaffen, um ländliche Regionen für Ärzte attraktiver zu machen. Zudem soll das Medizinstudium im "Masterplan Medizinstudium 2020" praxisnäher und so reformiert werden, dass mehr Studierende eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, also eine klassische Hausarztausbildung, anstreben.

Was sagen die Ärzte zu den Kassen-Zahlen?

Der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, verwies auf eigene Statistiken, die zu anderen Ergebnissen kommen. Der AOK-Ärzteatlas berücksichtige keine aktuellen Trends wie zunehmende Anstellung von Vertragsärzten und Teilzeitbeschäftigungen. Im übrigen gehe die Zahl der Ärzte in grundversorgenden Fächern wie der Allgemeinmedizin oder bei Frauen- und Kinderärzten weiter zurück.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hielt dem AOK-Verband entgegen: "Hausärzte in Ballungsgebieten versorgen häufig auch Patienten aus den umliegenden ländlichen Regionen mit."

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