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Viele Deutsche kaufen gefälschte Arzneimittel

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Enormes Risiko  

Deutsche kaufen besonders viele gefälschte Arzneimittel im Internet

11.04.2016, 19:27 Uhr | dpa, AFP

Viele Deutsche kaufen gefälschte Arzneimittel. Zollfahnder finden von Jahr zu Jahr mehr gefälschte Medikamente. (Quelle: imago/Symbolfoto/Westend61)

Zollfahnder finden von Jahr zu Jahr mehr gefälschte Medikamente. (Quelle: Symbolfoto/Westend61/imago)

Im Internet werden immer mehr gefälschte Arzneimittel verkauft. Vor allem deutsche Verbraucher sind unvorsichtig und nutzen verstärkt professionell wirkende, aber illegale Online-Angebote. Dabei sind die Risiken enorm, manche Pillen enthielten ausschließlich "Straßendreck", so ein Pharmazeut der Universität Bonn.

Nach der am Montag in Berlin vorgelegten Zollstatistik für 2015 zogen Fahnder im vergangenen Jahr weit mehr illegale und gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr als in den Vorjahren. 2015 seien 3,9 Millionen Stück Tabletten sichergestellt worden – annähernd viermal mehr als im Jahr 2014. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte: "Ich empfehle jedem, Medikamente online nur aus nachweislich seriösen Quellen zu kaufen."

Auch Pharmazeut Harald Schweim von der Universität Bonn sagte, gefälschte Medikamente könnten durchaus lebensgefährlich sein. Die Produkte sähen ähnlich aus wie das jeweilige Original, würden aber "auf die billigste aller möglichen Arten" produziert. Es seien schon Kapseln entdeckt worden, "die ausschließlich Straßendreck enthalten haben". Auch seien Pillen "mit Straßenfarbe" gefärbt und mit "Fußbodenwachs aus dem nächsten Supermarkt" überzogen worden.

Potenzmittel, Schlankmacher, Anabolika

Besonders oft entdeckt der Zoll problematische Lifestyle-Medikamente, wie Kirstin Smolka vom Zollkriminalamt Köln ausführte. Sie fasste die am häufigsten aus dem Verkehr gezogenen Mittel so zusammen: "Macht schön, macht braun, macht viele Haare, macht muskulös und macht potent." Sowohl bei pharmazeutischen Wirkstoffen als auch bei gebrauchsfertigen Medikamenten stamme der Großteil der gefälschten oder illegalen Ware aus China, vieles aber auch aus Indien und Thailand. Es lasse sich damit mehr Geld machen "als im Betäubungsmittelbereich".

Internetseiten illegaler Online-Apotheken seien professionell gestaltet, um Seriosität vorzutäuschen, so die Zoll-Experten. Die Täter verfügten über eine umfangreiche Logistik und ausgefeilte Handelssysteme. Die online bestellte Ware werde in kleineren Mengen nach Deutschland geschmuggelt.

Deutsche extrem unvorsichtig

Die deutschen Verbraucher lassen nach Erkenntnissen der Experten ausgerechnet bei Online-Bestellungen von Arzneimitteln jede Vorsicht missen. Bei der Risikofreudigkeit bei Internet-Bestellungen liege Deutschland nach einer britischen Studie "erstaunlicherweise" auf Platz eins. 38 Prozent der Deutschen seien bereit, risikobehaftete Produkte im Internet zu bestellen.

Das Ergebnis sei umso unverständlicher, weil gerade verschreibungspflichtige Medikamente überwiegend von den Krankenkassen bezahlt würden. Auch bei angeblichen Medikamenten auf Pflanzenbasis werde bei gefälschten Produkten Verbrauchern häufig etwas vorgegaukelt, hieß es. "Peinlichkeitsbestellungen" etwa des Potenzmittels Viagra seien unnötig, da diese Produkte ganz legal bezogen werden könnten.

Shop-Impressum lesen

Oft werde bei Bestellungen nicht mal das Impressum von Online-Apotheken gelesen, kritisieren Zoll-Experten. Bei einer von Ermittlern für genehmigte Tests eingerichteten Fake-Adresse einer Internet-Apotheke seien 1400 Bestellungen eingegangen. Und dies, obwohl im Impressum des Online-Angebots ausdrücklich auf Folgendes hingewiesen worden sei: "Diese Apotheke wurde nur geschaffen, Sie zu belügen und zu betrügen..."

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