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Organspende: Herz von Stefan Henze rettet Brasilianerin

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Verunglückter Kanu-Trainer  

Das Herz von Stefan Henze rettete dieser Frau das Leben

01.12.2016, 15:34 Uhr | AFP

Organspende: Herz von Stefan Henze rettet Brasilianerin. Organspende: Das Herz des verunglückten Kanu-Trainers Stefan Henze rettete der Brasilianerin Ivonette Balthazar das Leben. (Quelle: AFP/YASUYOSHI CHIBA)

Im Körper von Ivonette Balthazar schlägt das Herz des verunglückten Kanu-Trainers Stefan Henze. Sie verspricht, "dieses Herz mit großer Vorsicht zu behandeln." (Quelle: YASUYOSHI CHIBA/AFP)

Der Unfall war ein Schock für die deutsche Olympia-Mannschaft. Nach einem Verkehrsunfall in Rio starb Kanu-Trainer Stefan Henze an seinen schweren Verletzungen. Aber sein Herz lebt weiter. Es hat einer 66-jährigen Brasilianerin das Leben gerettet.

Ivonette Balthazar klopft sich an die Brust, in der das Herz des deutschen Olympia-Teilnehmers schlägt. "Hier ist der kleine Motor", sagt sie. Dreieinhalb Monate nach der äußerst strapaziösen, aber erfolgreichen Transplantation während der diesjährigen Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro staunt die 66-Jährige immer noch, dass sie am Leben ist. Zugleich ist sie heilfroh und dankbar. Während die große Narbe allmählich verblasst, kommt sie schwer damit zurecht, dass für ihr eigenes Überleben erst ein Mann sterben musste, den sie nie getroffen hat: der deutsche Kanu-Trainer Stefan Henze.

Herz nach Infarkt stark geschädigt

Balthazars Gesundheitszustand hatte sich nach einem Herzinfarkt im November 2012 stetig verschlechtert. Im August dieses Jahres konnte sie nur noch mit Mühe gehen oder sprechen. "Ich war verzweifelt", sagte sie jetzt in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP in ihrer Wohnung in Rio.

Dann kam Olympia und damit hunderttausende Touristen und die weltbesten Athleten. Unter ihnen war auch Stefan Henze, der Kanuslalom-Trainer des deutschen Teams. Der aus Halle an der Saale stammende 35-Jährige hatte 2003 im Zweier-Canadier den Weltmeister-Titel geholt und bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen eine Silbermedaille.

Henze wurde während einer Taxifahrt in Rio Opfer eines Verkehrsunfalls. Am 15. August erlag er seinen Verletzungen. Kurze Zeit darauf erhielt Balthazar einen Anruf, danach wurde ihr das Spenderherz eingepflanzt. Henzes Angehörige hatten dazu ihre Erlaubnis gegeben.

"Dieser Junge hat mich zurück ins Leben gebracht"

"Wenn ich allein bin, lege ich meine Hand auf das Herz und denke mir: 'Mein Gott, dieser Junge hat mich zurück ins Leben gebracht'", sagt Balthazar. Im Januar 2015 befand sie sich auf der Liste der Anwärter für ein Spenderherz an achter Stelle. Es folgten zahlreiche Untersuchungen, um zu klären, ob sie eine Operation überstehen würde. Im Mai rückte sie auf Platz eins vor, befand sich aber bereits in einem Überlebenskampf. "Atmen konnte ich schon nicht mehr richtig", erinnert sie sich.

Zweimal die Woche - mittwochs und freitags - rief das Krankenhaus sie an, um sich nach ihrem Gesundheitszustand zu erkundigen. "Dann kam ein Anruf am Montag - und es war so weit." Vor der Operation am 15. August teilte sie ihrem Sohn Fabio und ihrer Tochter Renata noch mit, dass sie "zum Sterben bereit" sei.

Lauf der Geretteten zu Ehren von Stefan Henze

Zur Zeit bereitet Balthazar das Essen noch Schwierigkeiten, und die Koordinierung ihrer Bewegungen fällt ihr schwer. Auf der Straße trägt sie eine Atemmaske als Schutz für schwaches Immunsystem. Aber sie erholt sich schnell. "Mein Gesundheitszustand hat sich vollkommen verändert. Vorher konnte ich gar nichts tun." Nächstes Jahr will sie sich sogar an einem Lauf mit anderen Organempfängern teilnehmen - den sie Henze widmen. Dem verunglückten Trainer waren noch drei andere Organe zur Verpflanzung entnommen worden.

Einen Brief des Dankes hat Balthazar Henzes Familie über das deutsche Konsulat zukommen lassen. Gerne würde sie die Mutter des Sportlers umarmen. Aber zu mehr direktem Kontakt fühlt sie sich "emotional noch nicht bereit". Eines aber schwört sie: "Dieses Herz mit großer Vorsicht zu behandeln."

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