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Tögliches Nervengift: Was ist Sarin?

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Tögliches Nervengift  

Was ist Sarin?

11.07.2017, 12:33 Uhr | MHa, t-online.de

Tögliches Nervengift: Was ist Sarin?. Sarin ist ein geruch-, farb- und geschmackloser Stoff, der bei Zimmertemperatur flüssig ist. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Wavebreakmedia Ltd)

Sarin ist ein geruch-, farb- und geschmackloser Stoff, der bei Zimmertemperatur flüssig ist (Quelle: Wavebreakmedia Ltd/Thinkstock by Getty-Images)

Deutsche Forscher entdeckten Sarin als sie ein Mittel zum Schutz gegen Blattläuse entwickelten. Erfahren Sie hier, wie aus dem Insektenvernichtungsmittel eine Massenvernichtungswaffe wurde. Was genau ist Sarin und warum ist es so gefährlich?

Was ist Sarin?

Sarin ist ein geruch-, farb- und geschmackloser Stoff, der bei Zimmertemperatur einen flüssigen, aber sehr flüchtigen, Aggregatzustand hat. Ein Mensch würde es also nicht merken, dass er den Stoff einatmet. Das macht Sarin zu einem sehr gefährlichen Kampfstoff, denn eine stecknadelgroße Dosis (ein Milligramm) kann bereits tödlich sein. Freigesetzt, gelangt Sarin über die Haut, die Augen und über die Atemluft in den Körper.

Auch eine Vergiftung mit dem Stoff ist möglich, wenn er über die Nahrung oder eine Flüssigkeit aufgenommen wird. Die Vereinten Nationen stufen Sarin daher als Massenvernichtungswaffe ein, was unter anderem auch daran liegt, dass nur ein Ganzkörperschutzanzug und eine Atemmaske vor dem Stoff schützen. 

Wie wirkt Sarin im menschlichen Körper?

In unserem Körper werden Erregungen von einer Senderzelle über einen Neurotransmitter zu einer Empfängerzelle übertragen. So funktioniert unser Nervensystem. Sarin greift die Neurotransmitter an, was dazu führt, dass die Nervenzellen in einem Zustand der Dauererregung bleiben. Sie können keine weiteren Übertragungen empfangen. Das ruft folgende Symptome hervor:

  • Nasenlaufen und übermäßiger Speichelfluss
  • Muskelkontraktionen und Krämpfe
  • Sehstörungen und verengte Pupillen
  • Erbrechen
  • Atemnot
  • Bewusstlosigkeit
  • Atemlähmung

Schlussendlich führen die Symptome zum Tod.

Wie schnell wirkt Sarin?

  • Aufgenommen über die Haut tötet Sarin innerhalb von 18 Stunden.
  • Aufgenommen über die Lunge ist eine Atemlähmung schon nach einer Minute möglich.
  • Aufgenommen über die Augen tritt der Tod nach ein bis zehn Minuten ein.
  • Aufgenommen über die Nahrung ist eine geringe Dosis nach einer Minute tödlich.

Was kann bei einer Vergiftung helfen?

Ist ein Mensch mit Sarin in Kontakt gekommen, gibt es nur ein Gegenmittel: Atropin. Im Prinzip behandelt man ein Gift mit einem anderen, denn Atropin ist ein giftiges Tropan-Alkaloid. Gewonnen wird es aus der Schwarzen Tollkirsche.

Atropin muss sofort nach dem Kontakt mit Sarin gespritzt werden und dennoch tragen Überlebende einer Sarinvergiftung häufig Langzeitschäden an Lunge, Augen und dem zentralen Nervensystem davon.

Die Überlebenschancen

Die Überlebenschancen werden nach dem Abstand zu dem Ort bewertet, an dem der Kampfstoff freigesetzt wurde:

  • Bei 500 Metern liegt die Überlebenschance bei 90 Prozent: Symptome sind Engegefühl in der Brust, verstärkter Speichelfluss und Atemnot.
  • Bei 100 Metern beträgt die Überlebenschance 50 Prozent: Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Bewusstlosigkeit.
  • Bei einem Abstand von zehn Metern sinkt die Überlebenschance auf einen Prozent. Starke Krämpfe am ganzen Körper und schließlich Atemlähmung führen zum Tod.

Vom Insektenschutzmittel zum Kampfstoff

1938 entdeckten deutsche Forscher um Gerhard Schrader die Substanz als sie versuchten, ein Insektenvernichtungsmittel gegen Blattläuse zu entwickeln. Die Bezeichnung "Sarin" wurde aus den Buchstaben der Namen der Männer gebildet, die dem Forscherteam angehörten: Schrader, Ambros, Ritter und von der Linde.

Das Gefahrenpotenzial von Sarin als Kampfstoff blieb jedoch nicht lange verborgen und so wurde es sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch im Kalten Krieg in großen Mengen produziert und gelagert.

Als chemischer Kampfstoff wurde es erstmals auf Befehl des chilenischen Diktators Augusto Pinochet gegen politische Oppositionelle und im ersten Golfkrieg von 1980 bis 1988 eingesetzt. Unter Saddam Hussein wurden damals Sarinbomben auf iranische Dörfer geworfen. Dabei starben Tausende Menschen.

Trotz Verbotes weiterhin eingesetzt

Seit 1993 darf Sarin weder hergestellt noch gelagert werden. Das wurde im Rahmen der Chemiewaffenkonvention der Vereinten Nationen beschlossen. Trotz dieses Verbotes wurde Sarin mehrfach in Kampfhandlungen eingesetzt. Unter anderem 1995, als die Aum-Sekte einen Anschlag in der U-Bahn Tokios verübte und zuletzt vermutlich 2017 in Syrien als circa 1000 Menschen starben.

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