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Respiratorischer Affektkrampf: Kleinkinder fallen in Ohnmacht

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Wutkrampf  

Ohnmächtig vor Wut

22.05.2009, 17:09 Uhr | mmh, dapd

Respiratorischer Affektkrampf: Kleinkinder fallen in Ohnmacht. Wutkrampf: Für Eltern erschreckend, für die Kinder eine Schutzreaktion.

Wutkrampf: Für Eltern erschreckend, für die Kinder eine Schutzreaktion. (Bild: Imago)

Babys und Kleinkinder schreien und fallen plötzlich in Ohnmacht - das ist häufiger als man denkt. Nur wenige Eltern kennen die Ursache und die richtige Reaktion, sie werden panisch. Manche Kleinkinder halten im Affekt die Luft an. Respiratorischer Affektkrampf nennt die Medizin dieses Phänomen. Die Kinder werden erst ohnmächtig, dann setzt die Atmung wieder ein.

"Ich dachte, mein Baby stirbt"

Als ihr heute zweieinhalbjähriger Sohn Ole fünf Monate alt war, erlebte Nadine Drunijon die für sie bisher schlimmsten Momente ihres Lebens: Nach einem Sturz von der Couch hörte der Kleine mitten im Gebrüll auf zu atmen. "Er verfärbte sich blau, die Augen wurden tellergroß. Dann hing er ganz schlaff und weggetreten in meinem Arm", erinnert sich die 30-Jährige aus Gettorf in Schleswig-Holstein. "Ich dachte, mein Baby stirbt. Ich wurde panisch, habe hysterisch geschrieen und ihn geschüttelt. Dann war er wieder da."

Vielen Eltern unbekannt

Am nächsten Tag klärte der Kinderarzt sie auf: Ole hatte einen sogenannten respiratorischen Affektkrampf erlitten. Wie viele betroffene Mütter hatte auch Nadine Drunijon davon noch nie gehört: "Vor allem Möglichen wird man nach der Geburt des Kindes gewarnt, aber davon steht nicht einmal etwas im Erste-Hilfe-Buch", klagt sie. Dabei kommen die auch "Wutkrampf" genannten Anfälle häufig vor: Mediziner schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Babys und Kleinkinder zwischen fünf Monaten und fünf Jahren zumindest hin und wieder darunter leiden - und ihren Eltern damit einen tiefen Schrecken einjagen: Nach einem kurzen Schreien, das plötzlich abbricht, färbt sich die Haut am ganzen Körper blau, Arme und Beine beginnen zu zucken - der Anblick ist fast furchterregender als der eines epileptischen Anfalls. Bis zu anderthalb Minuten kann ein solcher Krampf dauern. Und nicht selten wird beim ersten Auftreten der Notarzt alarmiert.

Unangenehme Reize als Auslöser

Aber respiratorische Affektkrämpfe sind - bei aller Dramatik - harmlos. Auslöser sind plötzliche, unangenehme Reize wie Schmerz, aber auch Enttäuschung oder Wut, etwa über ein verweigertes Spielzeug. Dies wird mit lautem Brüllen quittiert; die Stimmritze verschließt sich krampfartig, die Atmung setzt aus. Gleichzeitig fällt der Blutdruck im Gehirn ab, der Herzschlag verlangsamt sich. Zwar kommt es dadurch kurzzeitig zu einer verminderten Sauerstoffversorgung - daher auch die Blaufärbung der Haut -, aber mit der gleich darauf einsetzenden Bewusstlosigkeit löst sich der Krampf: Das Kind beginnt wieder Luft zu holen - stets rechtzeitig, bevor es zu Schädigungen im Gehirn kommen kann. "Trotzdem sollte man zum Kinderarzt gehen, wenn das Kind zum ersten Mal einen solchen Anfall erlebt hat - um auszuschließen, dass es sich nicht um eine schwerwiegende Erkrankung wie Epilepsie oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung handelt", rät Meinolf Noeker, Psychologe am Zentrum für Kinderheilkunde der Universität Bonn.

Eltern können Häufigkeit der Krämpfe beeinflussen

Behandeln lässt sich die Krankheit nicht, auch die eigentliche Ursache ist unbekannt. Offenbar sind besonders willensstarke Kinder häufiger betroffen; bei Jungen tritt ein Affektkrampf öfter auf als bei Mädchen. Manche erleiden nur ein oder zwei Mal einen Anfall, andere im Extremfall über Jahre mehrmals täglich. Die Versuchung sei groß, dem Kind vorbeugend jeden Wunsch zu erfüllen, damit es nicht wieder vor Wut bewusstlos werde, sagt Noeker. "Auf lange Sicht tut man dem Kind damit aber keinen Gefallen", sagt er und rät zu liebevoller Konsequenz: Auch Kinder mit respiratorischen Affektkrämpfen müssen schließlich Grenzen kennenlernen.

Liebevolle Konsequenz

Wichtig sei auch die richtige Reaktion auf einen Anfall, denn damit könnten Eltern die künftige Häufigkeit beeinflussen - positiv wie negativ: "Wir haben in einer Studie herausgefunden, dass die Anfälle viel seltener auftreten, wenn sich Eltern während des Krampfs ruhig verhalten und danach zur Tagesordnung übergehen", sagt Noeker. "Auch wenn das natürlich angesichts des Schreckens und der Angst, die die Eltern durchmachen, leicht gesagt ist." Umgekehrt erhöhe sich die Häufigkeit, wenn sich die Eltern bestärkend verhielten - sie also dem Kind nach dem Krampf besonders viel Zuwendung schenkten oder dem Willen des Kindes dann nachgäben.

Lerneffekt des Körpers

"Dadurch soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass die Kinder den Krampf selbst auslösen können, um die Eltern zu instrumentalisieren", betont Noeker. "Das ist physiologisch unmöglich." Vielmehr komme es zu einer Art Lerneffekt des Körpers, wenn das Kind nach dem Krampf von den Eltern quasi belohnt werde. Auch Nadine Drunijon erhielt von ihrem Kinderarzt den Rat, ruhig zu bleiben. Für sie wurden die Krämpfe zur Routine: "Drei bis vier Monate lang hatte Ole das etwa zwei Mal die Woche", erinnert sie sich. Je öfter es vorkam, desto gelassener konnte sie reagieren. Das hat sich offenbar gelohnt: Seit seinem zweiten Geburtstag wurde Ole nur noch ein Mal blau vor Wut.

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