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AOK-Familienstudie: Familiäre Rituale fördern das Wohlbefinden

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Macht Familienchaos unsere Kinder dick?

01.07.2010, 14:04 Uhr | dpa, dapd

AOK-Familienstudie: Familiäre Rituale fördern das Wohlbefinden. Familie beim Picknick auf einer Wiese.

Gemeinsame Mahlzeiten tun Familien gut. (Bild: Imago)

Kinder aus Familien, die wenig Rituale und Gemeinschaft pflegen, haben einer neuen Studie zufolge ein höheres Krankheitsrisiko. So ist etwa die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht bei Kindern 1,6 mal höher, wenn die Familie nicht regelmäßig zusammen frühstückt. Das geht aus der repräsentativen AOK-Familienstudie 2010 hervor, für die bundesweit mehr als 2000 Eltern mit Kindern zwischen vier und 14 Jahren befragt wurden. Zu viel Elternstress und strukturloser Alltag führt demnach auch beim Nachwuchs zu mehr psychischen und körperlichen Problemen. Hintergrund der Studie: Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Herzerkrankungen, die durch falsche Ernährung bedingt sind, verursachen in Deutschland jährlich Kosten von rund 70 Milliarden Euro.

Rituale reduzieren Stress

Die Studie zeige, dass es bei der Gesundheit der Kinder hauptsächlich auf die Einstellung der Eltern und auf deren Vorbild ankomme, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann. Der Leiter der Studie, Klaus Hurrelmann, betonte: "Es sind nicht die besonderen, sorgfältig vorbereiteten Extras im Tagesablauf, die eine gute Gesundheitsbildung sichern, sondern es sind die scheinbar unbeabsichtigten, dauerhaften und regelmäßigen Selbstverständlichkeiten des Handelns, die den Kinder gesundheitlich gut tun". Vor allem würden sich regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten positiv auf das Gewicht von Kindern auswirken, wobei sich das gemeinsame Frühstück als besonders wichtig erwiesen habe. "Kein regelmäßiges gemeinsames Frühstück mit den Kindern erhöht die Wahrscheinlichkeit des kindlichen Übergewichts um das 1,6-fache", so Hurrelmann. Tägliche Rituale und ein geregelter Tagesablauf reduzieren laut Studie nicht nur das Risiko für kindliches Übergewicht, sondern können auch vor Stressreaktionen wie etwa wiederkehrenden Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen schützen. "Interessanterweise zeigt sich erst im Alter von 11 bis 14 Jahren, wie gesundheitsfördernd diese Familienroutinen für die Kinder sind", beschreibt Hurrelmann.

Dreifach-Rolle der Eltern

"Insgesamt kommen die Eltern mit ihrer Doppelt- und Dreifachrolle als Erzieher, Berufstätige und Lebenspartner mehrheitlich aber gut zurecht", betonte Kindheitsforscher Prof. Klaus Hurrelmann. Die meisten haben auch klare Ziele, um ihre Kinder gesund aufwachsen zu lassen. Probleme gebe es jedoch oft mit der Umsetzung - vor allem, wenn die Zeit immer allzu knapp ist oder psychische und finanzielle Belastungen hinzu kommen. "Vor allem Alleinerziehende stehen hier unter großem Druck", beschrieb der Forscher. Hier gelte es, Entlastung zu schaffen. "Auch Eltern brauchen Auszeiten."

Die Studie 2010 ergänzt die Untersuchung "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft" aus dem Jahr 2007. Damals wurde aufgezeigt, dass ein gesundes Aufwachsen von Kindern auch unter ungünstigen wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen möglich ist.

Enger Zusammenhang: Übergewicht und Verhalten

Übergewicht durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel sowie psychische Auffälligkeiten in Form von chronischen Stressreaktionen und Verhaltensauffälligkeiten sind nach Hurrelmanns Worten die wichtigsten Gesundheitseinschränkungen im Kindesalter. Gesundheitsrelevante Alltagsroutinen und nicht die sorgsam vorbereiteten Extras im Tagesablauf seien die Basis für eine erfolgreiche Gesundheitsbildung im Alltag. Nach Angaben von Professor Ulrike Ravens-Sieberers vom Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg wirken sich ein harmonisches Familienklima sowie gemeinsam in der Familie regelmäßig verbrachte Zeit besonders günstig auf eine gesundheitsfördernde Entwicklung aus.

"Wir gehen davon aus, dass diese Bereiche eng miteinander verknüpft sind. So ist Übergewicht sowohl die Folge mangelnder Bewegung als auch falscher Ernährung. Bewegungsmangel wirkt sich wiederum auf die seelische Befindlichkeit aus." Laut Ravens-Sieberers seien übergewichtige Kinder und Jugendliche körperlich weniger aktiv und sitzen in ihrer Freizeit häufiger vor dem Fernseher oder dem Computer. Diese Kinder fühlten sich anderen gegenüber oft minderwertig, entwickelten ein negatives Selbstbild und seien eher der Gefahr ausgesetzt, Depressionen zu entwickeln. Dagegen könnten Kinder und Jugendliche, die sich viel bewegen, Stress in der Regel besser verarbeiten und seien auch sozial besser eingebunden.

Zur Gesundheit der Eltern gab es bisher kaum Daten

Zum ersten Mal wird in der AOK-Familienstudie 2010 auch die Gesundheit der Mütter und Väter untersucht. Damit sei der Grundstein für eine Betrachtung der Gesundheit von Eltern über eine längeren Zeitraum hinweg gelegt, erklärte Hurrelmann. Für die AOK-Familienstudie 2010 hat die "Gesellschaft für angewandte Sozialforschung" (GE-F-A-S) im Auftrag des AOK-Bundesverbandes zwischen Februar und April 2010 bundesweit mehr als 2000 Mütter und Väter zum Alltag mit ihren vier- bis 14-jährigen Kindern befragt. Als Ergebnis der Studie wird die AOK im Rahmen ihrer Initiative "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft" die Vorbildfunktion der Eltern stärker hervorheben.


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