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In virtuellen Welten sollen Kinder Ängste und Schmerzen überwinden

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In virtuellen Welten sollen Kinder Ängste und Schmerzen überwinden

05.01.2012, 17:06 Uhr | AFP

In virtuellen Welten sollen Kinder Ängste und Schmerzen überwinden. Wenn der Avatar die Schmerzen lindert - vielversprechende Therapien in der virtuellen Welt.  (Quelle: AFP)

Wenn der Avatar die Schmerzen lindert - vielversprechende Therapien in der virtuellen Welt. (Quelle: AFP)

Eine Spritze ist für Kinder weniger beängstigend, wenn sie sich in eine Videospiel-Rakete verwandelt, Brandwunden schmerzen weniger stark, wenn man in eine virtuelle Polarwelt versetzt wird. Virtuelle Welten, die im kanadischen Montréal bei der Medizinforschung entstehen, sollen künftig helfen, die die Ängste und Schmerzen traumatisierter Kinder zu lindern.

3D-Simulation des Kinderzimmers lässt Klinikumgebung vergessen

Es sei bekannt, dass kognitive Illusionen Einfluss auf die Wahrnehmung von Schmerz hätten, sagt Patrick Dubé, der ein Team von Computerexperten und Medizinern des Sainte-Justine-Krankenhauses in Montréal leitet. So könne ein schwer brandverletztes Kind durch eine Stimulation der Sinne das Gefühl bekommen, von einem Eisblock umschlossen zu sein - und dadurch weniger Schmerzen haben. Ebenso könnten kleine Patienten beispielsweise durch dreidimensionale Bilder vom Kinderzimmer daheim vergessen, dass sie eigentlich fern von zu Hause in einer Klinik liegen.

Forscher testen medizinischen Nutzen künstlicher Welten

Das Team arbeitet in der Satosphère, dem Sitz der Gesellschaft für Kunst und Technologie in Montreal. Zur Satosphère gehört ein Kuppelbau von 18 Metern Durchmesser, in der 360-Grad-Projektionen rund um die Zuschauer möglich sind. Die Wissenschaftler erforschen an der Satosphère neue Therapiemöglichkeiten durch sogenannte immersive Technologien, die Menschen in eine künstliche Welt in einer virtuellen Realität eintauchen lassen können. In der Praxis heißt das, dass beispielsweise durch verschiedene Projektoren ganze Raumwelten entstehen können - nicht nur mitsamt Wänden, sondern sogar mitsamt Mobiliar. Um für medizinische Zwecke zu forschen, haben die Wissenschaftler auf dem Satosphère-Gelände ein künstliches Krankenzimmer aufgebaut.

Aus der gefürchteten Spritze wird eine tolle Rakete

Eines der Projekte der Ärzte und Computer-Experten ist die virtuelle Verwandlung medizinischer Instrumente in harmloses phantastisches Spielzeug. So lässt die kleine Tochter eines Forschers aus einer Spritze eine Rakete entstehen, die eine Rolle in einem Videoclip spielt. Technisch möglich wird dies durch eine mit einem Computer verbundene Videokamera und zwei Bildschirme. Ziel ist es, Kinder mit medizinischem Gerät vertraut zu machen und ihnen - so zumindest die Theorie - ihre Furcht davor zu nehmen. Und Forschertochter Maxime, elf Jahre alt, sagt tatsächlich: "Ich habe jetzt keine Angst mehr vor Spritzen!"

Wie Avatare traumatisieren Kindern helfen

Parallel arbeiten die Forscher an Avataren, virtuellen Personen, die stellvertretend für echte Menschen stehen. Diese Avatare sollen traumatisierten Kindern die Kommunikation mit Erwachsenen ermöglichen, wenn die Jungen und Mädchen sich nicht direkt mitteilen möchten - eine Art Hightech-Puppenspielerei also, die eines Tages kleinen Patienten helfen soll, wieder Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen.

Mit Hilfe der Technik Ängste und Traumata überwinden

Die einzelnen Forschungsprojekte hätten alle ein Ziel: Kranken Kindern zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, betont Patricia Garel, Chefin der Psychiatrie am Sainte-Justine-Klinikum. Die Technologie habe ein enormes Potenzial, doch noch stünden die Forscher ganz am Anfang. Zwar können virtuelle Kommunikation und Videospiele negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten von Kindern haben, vor allem auf emotional eher labile Jungen und Mädchen. Doch Garel betont, dass die in Montréal erforschten modernen Technologien traumatisierten Kindern einen virtuellen Weg zurück in ein normales Leben zeigen können.

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