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Regionales Gefälle bei Antibiotikagabe an Kinder

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Regionales Gefälle  

Wo unsere Kinder am meisten Antibiotika schlucken

15.02.2012, 15:01 Uhr | cst , dpa, t-online.de

Regionales Gefälle bei Antibiotikagabe an Kinder . Die Verschreibung von Antibiotika für Kinder weist ein großes regionales Gefälle auf. (Quelle: Bertelsmann Stiftung / T-Online)

Die Verschreibung von Antibiotika für Kinder weist ein großes regionales Gefälle auf. (Quelle: Bertelsmann Stiftung / T-Online)

Ob ein Kind vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben bekommt oder nicht, ist in Deutschland laut einer Studie auch vom Wohnort abhängig. Kinder im Nordosten Deutschlands erhielten doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland, ergab eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Der Studie zufolge werden Kindern deutlich häufiger solche Medikamente verordnet als Erwachsenen. Bundesweit werde jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben. Grundlage der repräsentativen Studie bilden die Patientendaten einer großen Krankenversicherung.

2009 bekamen bundesweit 38 Prozent der Kinder bis 17 Jahre Antibiotika verordnet, bei den unter Sechsjährigen war es sogar jedes zweite Kind. Dabei erhielten Mädchen häufiger ein Antibiotikum als Jungen.

Große regionale Unterschiede

Bei der Verschreibung von Antibiotika zeigten sich große regionale Unterschiede. In grenznahen Kreisen im Westen und dünn besiedelten Kreisen in der Mitte Deutschlands wurden mehr Antibiotika verschrieben, in den Kreisen im Norden und Süden Deutschlands eher weniger.

Sachsen-Anhalt liegt vorn, Baden Württemberg hinten

Besonders häufig waren die Verschreibungen in Sachsen-Anhalt. 50 Prozent der Kinder bis 17 Jahre erhielten dort 2009 ein Antibiotikum, im Saarland waren es 46 Prozent und in Thüringen 44 Prozent. Die wenigsten Antibiotika wurden in Schleswig-Holstein verordnet (31 Prozent), gefolgt von Bremen (34 Prozent) und Baden-Württemberg (34 Prozent).

Einsatz von Antibiotika bei Virusinfekten überflüssig und gefährlich

Professor Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen hat die möglichen Hintergründe, Ursachen und Folgen der Verordnungspraxis untersucht. Besonders oft werden Antibiotika demnach bei akuter Mittelohrentzündung, fiebriger Erkältung und Grippe eingesetzt. Da es sich bei diesen Krankheiten aber meist um Virusinfekte handelt, helfen Antibiotika nicht. Sie wirken ausschließlich gegen bakteriell hervorgerufene Krankheiten. Werden Antibiotika zu oft oder unnötig eingenommen, besteht die Gefahr, dass die Mittel keine Wirkung mehr zeigen, wenn sie wirklich nötig sind. Bereits jetzt stellen gegen Antibiotika resistente, bakterielle Erreger in Krankenhäusern ein großes Problem dar.

Mangel an Kinderärzten führt zu mehr Verschreibungen

Viele deutsche Kinder müssen offensichtlich unnötig Antibiotika schlucken, weil es in der Nähe keinen Kinderarzt gibt. "Die Erklärung scheint zu sein, dass Antibiotika häufiger Kindern verordnet werden, wo weniger Kinderärzte niedergelassen sind", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands, Wolfram Hartmann.

Hartmann sieht von der Studie bestätigt, dass Kinder weniger Antibiotika bekommen, wenn Kinder- und Jugendärzte für die Behandlung zuständig sind. "Sie wissen zum Beispiel, dass bei einer nicht eitrigen Mittelohrentzündung Antibiotika nur in Ausnahmefällen angezeigt sind", sagte Hartmann. "Zudem kennen sie ihre jungen Patienten oft von Geburt an und können Beschwerden besser einschätzen als andere Fachgruppen, zu denen die Kinder und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen gehen, und die sie dann aufgrund des hohen Drucks, viele Patienten in kurzer Zeit zu behandeln, schnell mit einem Antibiotikum versorgen." Bei Mittelohrentzündung seien ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und bewährte Hausmittel besser.

Ärztliche Leitlinien mehr beachten

"Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen angezeigt sind, verordneten 33 Prozent der Hausärzte Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und 9 Prozent der HNO-Ärzte", erläuterte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung. "Bei Lungenentzündung, wo die Verordnung von Antibiotika angezeigt ist, waren es 80 Prozent der Kinderärzte, aber nur 66 Prozent der Hausärzte."

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