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Psychische Risiken in U-Untersuchungen aufnehmen

14.03.2012, 11:45 Uhr | dpa

Psychische Risiken in U-Untersuchungen aufnehmen . Ärzte fordern eine Reform der U-Untersuchungen. (Quelle: imago)

Ärzte fordern eine Reform der U-Untersuchungen. (Quelle: imago)

Fiebersaft und Nasentropfen reichen nicht: Kinderärzte sollten auch psychische Probleme ihrer kleinen Patienten im Blick haben, und zwar schon standardmäßig in der Früherkennung. Das fordert die Bundesärztekammer - aus gutem Grund.

Psychosoziale Probleme früher erkennen

Die heutigen Früherkennungsuntersuchungen reichen nach Ansicht von Ärzten nicht aus, um der hohen Zahl von psychosozialen Problemen bei Kindern zu begegnen. Insgesamt haben rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland laut Kiggs-Studie von 2006 zumindest Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Einer neuen Teilauswertung zufolge liegt die Gesamtzahl sogar bei etwa 20 Prozent. Besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind demnach betroffen. "Deshalb ist es höchste Zeit, die Richtlinien für die Untersuchungen zu ändern", sagt Rudolf Henke, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK). Es müsse ein stärkeres Gewicht auf die Erkennung psychischer Störungen, aber auch auf Bewegungsmangel und falsche Ernährung der Kinder gelegt werden.

Vorbeugen ist besser als behandeln

"Solche Probleme füllen heute die Sprechzimmer niedergelassener Kinderärzte", sagt Professor Hans Georg Schlag, der mehr als 25 Jahre das Kinderneuorologische Zentrum der Universität Bonn leitete. Er sprach von einer "Neuen Morbidität" unter Kindern und Jugendlichen, die vor allem in ärmeren Schichten zutage trete: Verhaltens- und Entwicklungsstörungen, die oft in der Familie ihren Ursprung hätten und die es frühzeitig zu erkennen gebe. "Prävention, etwa in Form von Elterntrainings, hat dabei bessere Erfolgsaussichten als die Behandlung vorhandener Störungen." Viele Kinderärzte seien hierfür aber nicht ausreichend aus- und fortgebildet.

"Nicht immer sprechen Arzt und Patienten dieselbe Sprache"

Kulturelle Verständnisschwierigkeiten können hinzu kommen. "Nicht immer sprechen Arzt und Patienten dieselbe Sprache", ergänzte der Münchner Kinderarzt Stephan Böse-O'Reilly auf der BÄK-Tagung. Es brauche Zeit, um die vermuteten Probleme ohne Vertrauensbruch anzusprechen. Auch eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen potenziellen Helfern - von Psychiatern, Hebammen und Lehrern bis zu Sozialarbeitern sei notwendig, ebenso wie die Einführung sozialpädiatrischer Aspekte in die Arbeit der Kinderärzte.

Zehn Prozent der Kinder sind psychisch auffällig

Noch unveröffentlichte Ergebnisse aus der sogenannten Bella-Studie belegen, dass etwa zehn Prozent der Drei- bis 17-Jährigen psychische Auffälligkeiten zeigen, weitere zwölf Prozent haben mögliche Hinweise darauf. Bella ist eine vertiefende Modulstudie zu Kiggs mit mehr als 2800 Familien. Insgesamt hat die Anzahl der betroffenen Kinder seit den 50er Jahren demnach jedoch nicht zugenommen.

Familie wichtigster Einflussfaktor für psychische Gesundheit

Auch die Bella-Untersuchung bestätigt, dass in armen und problembehafteten Familien Kinder doppelt so häufig psychisch auffällig sind, wie in Familien mit hohem sozioökonomischem Standard. Im ersten Fall sind es 31, im zweiten 16,6 Prozent. Die Familie ist demnach der wichtigste Einflussfaktor für die psychische Gesundheit von Kindern - sowohl als Risiko wie auch als Ressource.

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