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Buch-Tipp zu Organspende: Das halbe Herz von Annett Pöpplein

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Herzfehler  

"Das halbe Herz": der bewegende Überlebenskampf eines Kindes

19.04.2012, 09:18 Uhr | rev, t-online.de

Buch-Tipp zu Organspende: Das halbe Herz von Annett Pöpplein. Nach der Herztransplantation: Jens lacht seine Leiden einfach weg. (Quelle: Privat)

Nach der Herztransplantation: Jens lacht seine Leiden einfach weg. (Quelle: Privat)

Die Geburt von Jens verläuft problemlos. Doch schon nach weniger Zeit verdichten sich die Anzeichen, dass irgendwas nicht stimmt. Es folgt die Schreckensdiagnose: Jens leidet unter einem seltenen, komplizierten und unheilbaren Herzfehler. Seinem Herz fehlt eine Kammer. Für seine Eltern stellt sich die Frage, ob sie um ihn kämpfen oder der Natur ihren Lauf lassen sollen. Sie entscheiden sich, gegen den Tod ihres Sohnes anzukämpfen. Was das für Jens und seine Familie bedeutet, beschreibt Jens' Mutter Annett Pöpplein in ihrem Buch "Das halbe Herz - Eine Überlebensgeschichte".

Kurz nach der Geburt von Jens bemerkt seine Mutter, dass das Baby häufig gelb anläuft und schwer atmet. Zu diesem Zeitpunkt wertet sie das noch als gewöhnliche Schwierigkeiten eines Neugeborenen. Als Jens jedoch nur wenige Wochen später beginnt nach dem Stillen zu spucken, ganz blass wird und die Augen verdreht, schreit sie nach ihrem Mann, der den Notarzt ruft. In diesem Moment beginnt die Überlebensgeschichte von Jens.

Die Entscheidung

Wie die Ärzte feststellen, fehlt dem Jungen die linke Herzkammer - ein unheilbarer Herzfehler, der als Abtreibungsgrund gilt, wenn er während der Schwangerschaft entdeckt wird. Von den Ärzten wird die Familie vor die Wahl gestellt, Jens zu operieren oder alles seinen natürlichen Lauf nehmen zu lassen. "Jens wollte leben, da war ich mir sicher. Ich wollte, dass er lebt", begründet Annett Pöpplein die Entscheidung zugunsten der Operation. Bei dem Eingriff wird dem Baby ein Loch in die Scheidewand des Herzens gerissen, so dass das Blut abfließen kann, das sich in seiner Lunge angestaut hatte und den Kreislauf von Jens zusammenbrechen ließ.

Damals ist schon klar geworden, dass es nicht bei dieser einen Operation bleiben wird. Irgendwann wird Jens auf jeden Fall ein Spenderherz benötigen. Bis es soweit ist, müssen sich Jens, seine Eltern und Schwestern allerdings durch unzählige weitere Klinikaufenthalte, schwerwiegende Infektionen und weitere Operationen kämpfen und dabei unglaubliches Leid ertragen.

Seine Mutter hatte sich schon von Jens verabschiedet

Als Jens fünf Jahre alt ist, wird er bei Eurotransplant für ein Spenderherz gelistet. Wie schlecht es dem Jungen zu dieser Zeit bereits geht, beschreibt Pöpplein in ihrem Buch: "Jens war bereits deutlich gekennzeichnet von seiner schweren Herzsuffizienz, sein Teint violett, sein kleiner Körper Haut und Knochen. Er war nicht fähig einen Satz zu beenden, ohne dabei zehnmal nach Luft zu schnappen." Zehn Infusionen laufen zur selben Zeit durch den Katheder von Jens, während seine Leber die Medikamente kaum noch abbauen kann. Gleichzeitig drohen die Nieren zu versagen und ein Ödem hat sich in seinem Gehirn gebildet.

In dieser Zeit erwischt Jens dann auch noch eine Lungenentzündung. Seine Mutter rechnet jederzeit mit dem Tod ihres Kindes: "An diesem Abend nahm ich meinen Sohn zu mir ins Bett. Ich hielt ihn in meinen Armen und schaute ihn lange an. Er schlief. Ich schaute ihn nur an. Bevor ich das Licht löschte, verabschiedete ich mich leise von ihm. Ich war mir sicher, dass sein Herz in dieser Nacht für immer aufhören würde zu schlagen, ohne dass ich etwas davon mitbekäme. Und ich war bereit, es zuzulassen."

Endlich ein Spenderherz

Doch auch am nächsten Morgen lebt Jens noch: "Jens hatte mir in dieser Nacht sein Leben geschenkt. Wie so oft schon. Er war bereit, den Weg mit mir weiter zu gehen." Etwa fünf Monate gelingt es, den Zustand des Jungens aufrecht zu halten, dann bekommt er am 15. Mai 2003 endlich ein Spenderherz.

Die Fotos, die nach der erfolgreichen Transplantation entstanden sind, zeigen ein lächelndes Kind, dem die Leiden der letzten fünf Jahre kaum anzusehen sind. Jens, der heute 14 ist, weiß, dass sein Herz schneller altert als zum Beispiel das seiner Schulkameraden. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Spenderherzens beträgt zehn bis 15 Jahre. Aber jetzt ist Jens erst einmal dankbar. Er ist viel als Botschafter zum Thema Organspenden unterwegs. Auch seine Mutter engagiert sich in diesem Bereich. "Das halbe Herz" ist zweifellos auch als ein Plädoyer für die Organspende zu sehen.

"Für ihn hätte der Tod nichts Schlimmes bedeutet"

Die Geschichte von Jens und seiner Familie bewegt und gibt Hoffnung zur gleichen Zeit. Doch Annett Pöppleins Buch wirft auch unbequeme Fragen auf: Wie viel Leid darf man in Kauf nehmen, um einen Menschen am Leben zu halten? Sieht man heute Bilder von Jens mit seinem ansteckenden Lachen, glaubt man, dass seine Eltern für ihn und sich selbst die richtige Wahl trafen, als sie beschlossen, um sein Leben zu kämpfen. Trotzdem ist Pöpplein bewusst, dass es Situationen gibt, in denen der Tod auch Erlösung bedeuten kann. Über eine Phase, in der es Jens sehr schlecht ging, schreibt sie: "Was ist das eigentlich, der Tod? Hätte Jens' Tod mein Leben zerstört? Für ihn, da war ich mir sicher, hätte er nichts Schlimmes bedeutet. Es würde ihm danach entweder besser gehen, oder er würde überhaupt nichts mehr fühlen."

Buch-Tipp: "Das halbe Herz - Eine Überlebensgeschichte" von Annett Pöpplein. Deutscher Taschenbuch Verlag. 14,90 Euro.

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