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Weltpremiere in London: Ärzte verpflanzen Kind Stammzellen-Luftröhre

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Weltpremiere: Ärzte verpflanzen Kind Stammzellen-Luftröhre

27.07.2012, 11:17 Uhr | Cinthia Briseño, Spiegel Online

Weltpremiere in London: Ärzte verpflanzen Kind Stammzellen-Luftröhre. Dank Stammzellen "erkennt" der Köper die gespendete Luftröhre als eigene. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Dank Stammzellen "erkennt" der Köper die gespendete Luftröhre als eigene. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es ist eine medizinische Sensation, die einem Jungen mit einer angeborenen verengten Luftröhre das Leben rettete: Ärzte verpflanzten ihm das Luftröhren-Gerüst einer Spenderin, das mit den Stammzellen des Kindes besiedelt war. Zwei Jahre nach der OP ist der 13-Jährige wohlauf - und atmet ganz normal.

Die verengte Luftröhre wird zunächst mit Metall gestützt

Für Ciaran Finn-Lynch ist Atmen ein Geschenk. 1999 kommt er in London mit einer angeborenen Trachealstenose, einer verengten Luftröhre, zur Welt. Große Teile sind davon betroffen, bei jedem Atemzug japst und röchelt der kleine Ciaran nach Luft. An seinem sechsten Lebenstag operieren Ärzte des Great Ormond Street Hospital seine Luftröhre, zunächst mit nur wenig Erfolg. Schließlich setzen sie dem Säugling Stents ein, drahtige Metallgerüste, die das Gewebe seiner Luftröhre stützen sollen.

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Immer wieder kommt es zu Blutungen

Ciaran überlebt, sein Leben ist aber alles andere als unbeschwert. Der Eingriff bringt Komplikationen mit sich, mehrere Operationen muss der Junge im Laufe der Jahre über sich ergehen lassen. Als Ciaran zehn ist, steht es erneut kritisch um ihn: Die Stents haben eine Verwachsung der Luftröhre mit der Hauptschlagader (Aorta) verursacht, es kommt immer wieder zu Blutungen.

Von der gespendeten Luftröhre bleibt nur das "Gerüst"

Dann entscheiden sich die Ärzte für einen Eingriff, der bisher einmalig in der Medizingeschichte sein sollte. Im März 2010 verpflanzen sie dem Jungen einen Teil der Luftröhre einer verstorbenen 30-jährigen Italienerin. Diese wird vor dem Transport nach London jedoch auf besondere Weise behandelt. Ein Medizinerteam von der Abteilung für regenerative Chirurgie der Universitätsklinik Florenz befreit mit Hilfe von speziellen Substanzen die Spender-Luftröhre von sämtlichen Zellen, bis nur noch das Kollagengerüst zurückbleibt. Dann wird das Luftröhrengerüst nach London transportiert.

Die Luftröhre wird mit Stammzellen behandelt

Dort haben die Ärzte dem Jungen bereits Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen und daraus zusammen mit speziellen Wachstumsfaktoren und anderen Substanzen eine Lösung vorbereitet. Darin legen sie das Luftröhrengerüst der Spenderin ein. Anschließend beginnen die Chirurgen ihr Werk. Sie entfernen jenen Stent, der in die Aorta eingedrungen war, und schneiden den verengten Luftröhren-Abschnitt aus dem Körper des Jungen. Dann setzen sie ihm seine neue Luftröhre ein.

Ciaran ist elf Zentimeter gewachsen - und mit ihm die Luftröhre

Zwei Jahre ist das her. Heute ist Ciaran 13 Jahre alt, er geht wieder zur Schule. Und er atmet ganz normal. Elf Zentimeter ist er seither gewachsen. Mit ihm auch seine neue Luftröhre. Im Medizinjournal "The Lancet" beschreiben Ciarans Ärzte, ein internationales Team um Martin Elliott vom Hospital for Children in London, wie die Stammzellen aus dem Knochenmark des Jungen zusammen mit Gewebszellen aus seiner alten Luftröhre das knorpelige Luftröhrengerüst erfolgreich besiedelt haben und sich so im Laufe der Zeit normales Gewebe drum herumgebildet hat.

Es gibt auch Luftröhren aus künstlichem "Gerüst"

Zwar feierte das gleiche Ärzteteam im letzten Jahr bereits einen ähnlichen Erfolg. Damals retteten sie das Leben eines 36-Jährigen ebenfalls durch eine Luftröhren-Transplantation. Allerdings bestand die Luftröhre aus einem künstlichen Gerüst. Zudem nutzten sie einen speziellen Bioreaktor um die künstliche Luftröhre mit den Stammzellen des Patienten zu besiedeln.

Besiedelung des "Gerüsts" erstmalig im Körper

Bei Ciaran mussten sie die Prozedur im Bioreaktor umgehen. "Das hätte mehrere Wochen gedauert", sagt Martin Birchall vom University College London, einer der beteiligten Autoren. Zu lange, das Leben des Jungen stand auf dem Spiel. Und so ist es das erste Mal, dass die Besiedlung eines Gewebegerüsts mit den eigenen Stammzellen innerhalb des Körpers geschehen ist.

Abstoßungsreaktion noch nicht zu erwarten

Dass seine Luftröhre aus seinen eigenen Zellen besteht, ist für Ciaran ein weiteres Geschenk. Da eine Abstoßungsreaktion durch das Immunsystem nicht zu fürchten ist, muss der 13-Jährige keine Medikamente nehmen.

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