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ADHS durch Leistungsdruck ausgelöst?

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Wird ADHS durch Leistungsdruck ausgelöst?

26.09.2013, 18:12 Uhr | tze, dpa

ADHS durch Leistungsdruck ausgelöst?. ADHS: Besonders Jungen sind von ADHS betroffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Besonders Jungen sind von ADHS betroffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wächst in Deutschland eine "Generation ADHS" heran? Laut Barmer-GEK-Arztreport 2013 ist jeder vierte Junge betroffen. Aber warum wird bei immer mehr Kindern eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung - kurz ADHS - festgestellt? Ist es eine Modediagnose nach dem Prinzip einst Zappelphilipp, heute Patient? Die Eltern-Redaktion von t-online.de hat bei Thomas Grobe, dem Autor des Gesundheitsreports, nachgefragt.

Die wichtigsten Zahlen der Studie in Kürze: Zwischen 2006 und 2011 war jeder vierte Junge und jedes zehnte Mädchen in Deutschland zumindest einmal mit der Diagnose ADHS konfrontiert. 2011 haben sieben Prozent aller Jungen im Alter von elf Jahren gegen ADHS das Medikament Ritalin verschrieben bekommen. Die Gesamtzahl der Kinder und Erwachsenen mit ADHS hat sich in diesen fünf Jahren fast verdoppelt.

Mögliche Ursache: Leistungsdruck am Ende der Grundschulzeit

Thomas Grobe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (Iseg) in Hannover, das die Studie für die Krankenkasse erstellt hat. "Die Zahlen sagen nichts über Ursachen aus", schickt er vorweg. Dennoch weist er auf gewisse Zusammenhänge hin: "Auffällig ist, dass die Diagnose ADHS oft am Ende der Grundschulzeit gestellt wird. Also könnten Leistungsdruck und Stress eine Rolle spielen, wenn es darum geht, ob das Kind es aufs Gymnasium schafft oder nicht."

Ritalin als Sprungbrett aufs Gymnasium?

Parallel zu den ADHS-Diagnosen ist auch die Zahl der Psychopharmaka-Verordnungen gestiegen. Zugespitzt führt das zu dem Verdacht, dass Ritalin womöglich als Sprungbrett aufs Gymnasium missbraucht wird. Zuvor hatte schon Iseg-Leiter Friedrich Wilhelm Schwartz öffentlich den Gedanken geäußert, "ob wir nicht befristetes Schuldoping betreiben statt die Behandlung einer Krankheit."

"Jeder erfahrene Vater oder Pädagoge weiß, dass Jungs ein lebhafteres Bewegungsbild haben", meint er. Doch in der Schule gebe es dann oft Probleme. Der Druck, dem sich auch die Eltern ausgesetzt sähen, wachse.

Ritalin-Einsatz sorgfältig abwägen

Schwartz und Grobe warnen vor leichtfertigem Einsatz von Medikamenten wie Ritalin. "Die Frage ist, wie man grundsätzlich mit einer Medikation umgeht", findet Grobe. Die Haltung vieler Ärzte sei, dass es mit Ritalin doch allen besser gehe - dem Kind, den Eltern und auch den Lehrern. Er gibt zu bedenken: "Es ist aber auch eine Substanz, die bei Gesunden zu Leistungssteigerung führen kann."

Es gilt also, bei jedem betroffenen Kind sorgsam abzuwägen, ob es wirklich Medikamente braucht. Wenn Kinder Ritalin bekämen, lasse es sich nicht einfach so wieder absetzen. Nach dem Absetzen gehe es vielen Betroffenen erst mal schlecht, weiß Grobe.

Jeder zehnte Junge als krank abgestempelt

"Keiner möchte behaupten, ADHS gibt es gar nicht. Aber wenn wir auf Zahlen stoßen, dass jeder zehnte Junge mindestens einmal in seinem Leben Ritalin bekommt, erscheint mir das zu hoch", sagt Grobe. Das bedeute, dass ein hoher Prozentsatz der Jungen als krank eingestuft werde. Das bleibt nicht ohne Folgen für Familienleben, Ausbildung, Lebensweg - und im Allgemeinen für die Gesellschaft.

Dass Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsstatus und Sozialhilfeempfängern häufiger betroffen sind, deutet Grobe derart, dass "ADHS doch keine Modediagnose überbesorgter Eltern" ist.

ADHS - eine Krankheit aus dem Diagnosekatalog?

Die Zahlen sind so hoch, dass Iseg-Leiter Schwartz gegenüber der deutschen Presseagentur von "amerikanischen Verhältnissen" sprach. Früher habe ADHS als in den USA besonders verbreitet gegolten - heute habe Deutschland nachgezogen.

In diesem Zusammenhang stößt man oft auf die These, dass der Diagnosekatalog der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung, an dem sich auch andere Länder orientieren, immer wieder neue Krankheitsbilder hervorbringe. Von der akzeptierten Norm abweichendes Verhalten werde als "Störung" deklariert, Gesunde würden zu Kranken. Auch in Deutschland warnen Kritiker vor einer "Pathologisierung" der Gesellschaft, wie "Spiegel Online" kürzlich berichtete. Anlass ist die im Sommer erschienene fünfte Auflage des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen (DSM).

Dies spiele für den Anstieg der ADHS-Fälle zwischen 2006 und 2011 jedoch keine Rolle, betont Iseg-Wissenschaftler Grobe. Während des Untersuchungszeitraums für den Ärztereport 2013 haben sich die Diagnosekriterien für ADHS nicht geändert. Problematisch sei eher, dass die Kriterien für die ADHS-Diagnose objektiv schwer zu fassen sind: "Da heißt es bloß, dass diese oder jene Verhaltensweise 'oft' oder 'häufig' auftreten muss."

Wie ADHS definiert wird

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung. Darunter wird insbesondere bei Kindern ein Verhalten zusammengefasst, zu dem Symptome wie übergroße Unaufmerksamkeit, ständige Unruhe und überbordende Impulsivität gehören. Entscheidend für eine Diagnose ist der frühe Beginn einer solchen Störung und eine Dauer von mindestens sechs Monaten.

Kindern mit ADHS kann zum Beispiel die Ausdauer und Geduld fehlen, eine Sache zu Ende zu bringen. Sie wechseln ständig ihre Beschäftigungen und können kaum stillsitzen. Sie platzen mit Antworten heraus, bevor eine Frage beendet ist. Und sie können oft nicht warten, bis sie an der Reihe sind. Häufig unterbrechen sie andere oder mischen sich auf rücksichtslose Weise in Spiele oder Gespräche ein. Mit ADHS einhergehen können auch Entwicklungsstörungen beim Lernen und beim Sozialverhalten.

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