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Schizophrenie: Ursachen, Symptome und Behandlung

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Eine betroffene Mutter berichtet  

Schizophrenie: Ursachen, Symptome und Behandlung

19.09.2017, 14:14 Uhr | Anja Speitel, uc, hm, rk, t-online.de, az

Schizophrenie: Ursachen, Symptome und Behandlung. Schizophrenie: Menschen mit Schizophrenie haben oft die Wahnvorstellung, dass sich jegliches Geschehen in ihrer Umgebung auf sie bezieht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/cranach)

Menschen mit Schizophrenie haben oft die Wahnvorstellung, dass sich jegliches Geschehen in ihrer Umgebung auf sie bezieht. (Quelle: cranach/Thinkstock by Getty-Images)

Schizophrenie ist eine psychische Störung, die selbst Medizinern immer noch Rätsel aufgibt. Sie geht mit Realitätsverlust, Denkstörungen und Halluzinationen einher. Angst ist ein zentrales Thema – bei Erkrankten und Angehörigen, aber auch in der Gesellschaft. Eine betroffene Mutter räumt mit Irrtümern und Vorurteilen auf. Ursachen, Symptome und Behandlung der Erkrankung.

Die 38-jährige Lena* lebt seit mehr als 20 Jahren mit Schizophrenie. Die Krankheit begann bei ihr im Alter von 17 Jahren. Vielen Menschen ist diese psychische Erkrankung bekannt durch Filme wie etwa "A Beautiful Mind" mit Russell Crowe, "Black Swan" mit Natalie Portman oder "Donnie Darko" mit Jake Gyllenhaal. Schizophrenen haftet das Klischee einer gespaltenen Persönlichkeit an. Doch das stimmt nicht. Diese Erkrankung des Gehirns weist eine Vielzahl konkreter und spezifischer Symptome auf.

Definition: Was ist Schizophrenie?

Patienten leiden unter einer Veränderung ihrer Gedanken und Gefühle. "Schizophrenie ist durch eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt gekennzeichnet", bringt es Asmus Finzen auf den Punkt, Professor für Sozialpsychiatrie und Wissenschaftspublizist. "Betroffene haben das Erlebnis der Eingebung von Gedanken und des Gedankenentzugs. Sie hören etwa Stimmen in der dritten Person über sich sprechen", sagt der Nervenarzt.

"So kann die ganze Welt in einen so intensiven Bezug zu dem Betroffenen treten, dass sich jedes Geschehen auf ihn zu beziehen scheint und eine besondere Mitteilung an ihn enthält." Deswegen verhält sich ein akut Erkrankter für Außenstehende scheinbar unsinnig. Dennoch ist die Intelligenz nicht betroffen. Die schwer verständlichen Handlungen sind das Produkt von Fehlwahrnehmungen und Fehlinterpretationen der Umwelt.

Menschen, die an Schizophrenie leiden, haben manchmal die Wahnvorstellung, dass sie verfolgt, kontrolliert oder ausspioniert werden oder ihnen etwas Schlimmes zustoßen wird. In manchen Fällen glauben Erkrankte von fremden Stimmen Anweisungen oder Befehle zu erhalten – möglicherweise können die Betroffenen dann für sich selbst und ihre Umwelt zur Gefahr werden.

Frau schaut in ihre Spiegelbilder in einem zerbrochenen Spiegel (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Katarzyna Bialasiewicz)Der Begriff "schizophren" wird in der Alltagssprache oft falsch verwendet, denn Schizophrenie hat nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun. (Quelle: Katarzyna Bialasiewicz/Thinkstock by Getty-Images)

Zeitpunkt: Wann beginnt eine Schizophrenie?

Dass ein erster Schub wie bei Lena im jungen Alter auftritt, ist typisch: Die psychische Störung beginnt bei Männern meist zwischen dem 15. und 25. und bei Frauen zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. Schätzungsweise ein bis vier Prozent der Menschen in Deutschland sind von Schizophrenie betroffen, und diese Schätzung lässt sich weltweit übertragen.

Anzeichen: Wie macht sich eine Schizophrenie bemerkbar?

Zum vielgestaltigen Krankheitsbild der Schizophrenie gehören:

Halluzinationen

  • optisch, akustisch, den Geruchs- oder Geschmackssinn oder den Körper betreffend

Ich-Störung

  • das eigene Selbst erscheint unwirklich

Denkstörungen

  • dialogische Stimmen, kommentierende Stimmen, Gedankenentzug, Gedankenlautwerden, Willensbeeinflussung, unzusammenhängende oder abbrechende Gedanken.

    Erkrankte verlieren das Gefühl für ihre eigenen Gedanken, diese scheinen ihnen von außen eingegeben oder auch entzogen zu werden.

Ausdrucksstörungen

  • Störung der Mimik, zum Beispiel lächeln bei Trauer, Grimassen ziehen oder leere Mimik, bizarres Verhalten, zerfahrene, mangelhafte und/oder unlogische Sprache

Realitätsverlust

  • Wahnvorstellungen, etwa Verfolgungswahn oder Vergiftungswahn

Bewegunsstörungen

  • etwa wiederholtes Händeklatschen oder unruhiges Hin- und Herlaufen

Emotionale Probleme

  • etwa Emotionslosigkeit, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung, Erregung und Nervosität oder Antriebshemmung
    Daraus resultiert häufig sozialer Rückzug.Emotionslosigkeit, Stimmungsschwankungen

Darüber hinaus leiden viele Betroffene unter einer Störung ihrer Konzentration und ihrer Aufnahmefähigkeit. Die Erkrankung lässt sie oft antriebslos, apathisch und kraftlos wirken. Verschiedene Anforderungen des täglichen Lebens bereiten ihnen dann große Probleme. In schweren Fällen werden selbst das tägliche Essen und die Körperpflege vernachlässigt. Ohne das Eingreifen von Außenstehenden kann es zur Verwahrlosung kommen.

Positive und negative Symptome der psychischen Erkrankung

Experten teilen die gängigen Schizophrenie-Symptome in zwei verschiedene Kategorien ein: positive und negative Symptome. Das hat aber nichts mit gut oder schlecht zu tun. Negative Symptome beschreiben laut dem Apothekermagazin "Apotheken Umschau" die Beschwerden, die bei Erkrankten eine Art Mangel darstellen – es fehlt dann im Vergleich zu gesunden Menschen beispielsweise an Antrieb oder Initiative. Positive Symptome dagegen sind Auffälligkeiten oder Verhaltensweisen, die bei Gesunden überhaupt nicht feststellbar sind. Beispiele sind die genannten Halluzinationen oder Wahnvorstellungen.

Mann und seine vier Abbilder halten sich die Ohren zu (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/KatarzynaBialasiewicz)In manchen Fällen hören Patienten, die an Schizophrenie leiden, fremde Stimmen und meinen, von diesen Befehle zu erhalten. (Quelle: KatarzynaBialasiewicz/Thinkstock by Getty-Images)

Lena verhielt sich plötzlich merkwürdig

Als die Krankheit bei Lena begann, war sie auf einem Internat in England. "Stets war meine Tochter eine freundliche und eher schüchterne Schülerin gewesen, doch plötzlich setzte sie sich über Regeln hinweg“, erzählt ihre Mutter Janine Berg-Peer. "Auf Ermahnungen reagierte sie nicht, sondern machte völlig ungestört weiter. Ich war natürlich sauer, aber sie verstand gar nicht, wovon ich und die Lehrer sprachen.“ Nachdem sich Verstoße häuften, flog Lena vom Internat.

"Zurück daheim machte ich mir immer mehr Sorgen um Lena: Sie war meist müde, bekam nichts geregelt und es häuften sich seltsame Erzählungen und Handlungen", erinnert sich Berg-Peer. "Lena fuhr zum Beispiel zum Flughafen und versuchte nach England zu fliegen, weil sie zum Internat zurück müsse – doch davon war nie die Rede gewesen. Ihr Verhalten entsprach einfach nicht mehr der Realität."

Verschiedene Arten von Schizophrenie

  • Paranoide Schizophrenie

Laien denken bei einer Schizophrenie-Definition oft an die paranoide Schizophrenie, auch "paranoid-halluzinatorische Schizophrenie" genannt. Sie ist, so das Online-Portal für Gesundheit “NetDoktor”, die häufigste Form dieser psychischen Erkrankung. Hier sind Halluzinationen und Wahnvorstellungen als Symptome besonders verbreitet: Betroffene leiden beispielsweise unter Verfolgungswahn oder sie hören Geräusche oder Stimmen, die nicht existieren.

  • Hebephrene Schizophrenie

Betroffene einer hebephrenen Schizophrenie erscheinen auf Außenstehende wirr, ihr Verhalten passt häufig nicht zur jeweiligen Situation und scheint deshalb keinen Sinn zu ergeben. Patienten können beispielsweise ohne ersichtlichen Grund plötzlich lachen oder weinen. Auch sind ihre Aussagen oft ohne Zusammenhang. Häufig ziehen sie sich stark zurück, haben keinerlei Hobbys und Interessen, vernachlässigen soziale Kontakte, wirken scheu.

  • Katatone Schizophrenie

Diese Form der Erkrankung zeichnet sich dadurch aus, dass Patienten zwischen starker Aktivität und völliger Erstarrung wechseln. Mal wirken sie sehr erregt, machen seltsam anmutende Bewegungen, wiederholen ganze Sätze anderer Menschen – mal erscheinen sie wie erstarrt und passiv, verharren über Stunden in einer Position und zeigen keinerlei Reaktionen.

Ein seltenes aber gefährliches Symptom ist die perniziöse Katatonie – hier tritt zusätzlich Fieber auf, Patienten sind stark ausgetrocknet, es besteht Lebensgefahr.

  • Schizophrenia simplex

Diese Form entwickelt sich besonders langsam und schleichend, die Symptome sind meist geringer ausgeprägt als bei anderen Varianten der Krankheit und oft nur wenig spezifisch. Wahnvorstellungen und Halluzinationen treten nicht auf. Betroffene sind weniger leistungsfähig als zuvor und zeigen verringertes Engagement und Interesse in verschiedenen Lebensbereichen. Der angemessene Umgang mit anderen Menschen fällt ihnen ebenfalls schwer. Wegen der unspezifischen Symptome ist diese Form der Schizophrenie nur schwer diagnostizierbar.

  • Schizophrenes Residuum

Üblicherweise zeigen sich die verschiedenen Schizophrenie-Symptome während des sogenannten akuten Schubs der Erkrankung. Patienten des schizophrenen Residuums weisen jedoch auch im Anschluss noch Symptome auf, beispielsweise eine gewisse Antriebslosigkeit. Als schizophrenes Residuum wird auch das chronische Stadium einer schizophrenen Erkrankung bezeichnet.

Janine Berg-Peer (Foto: privat)Janine Berg-Peer, die Mutter von Lena, hat über die Schizophrenie-Erkrankung ihrer Tochter ein Buch geschrieben.

Angst vor der Psychiatrie ist unbegründet

In ihrer Not rief die Mutter einen befreundeten Arzt an. "Er ermutigte mich, Lena psychiatrisch untersuchen zu lassen. Schnell war die Diagnose klar. Lena blieb für einige Wochen in einer psychiatrischen Klinik, bis die psychotische Phase wieder abklang."

Seit diesem Zeitpunkt war Lena immer mal wieder in der Psychiatrie. Mal reichten zwei Wochen, dann wieder mussten es vier bis sechs Wochen sein. "Anfangs tat mir Lena leid, wenn sie in der Klinik war. Es löst damals Grauen in mir aus, wenn man dort etwa zu mir sagte: 'Gehen Sie bitte', weil sie mich nicht erkannte. Oder wenn Lena fragte, ob ich Leute beauftragt hätte, ihr Böses zu tun", erinnert sich Berg-Peer. "Aber ich habe gelernt, dass die Psychiatrie für meine Tochter ein Ort sein kann, um Ruhe zu tanken."

Psychotischer Schub durch Stress

Die Mutter hat viel über Schizophrenie gelernt: "Ein psychotischer Schub kann abgewendet werden, wenn man früh genug Stress herausnimmt und spezielle Medikamente gibt – sonst dauert er Wochen. Aber in unserer Gesellschaft haftet der Psychiatrie leider immer noch ein schlechtes Image an und so finden viele lange nicht den Weg dort hin".

Sie betreibt einen Angehörigenblog und viele betroffene Familien suchen bei ihr Rat und Hilfe. "Alles lässt man untersuchen, aber die Psyche darf nicht untersucht werden, das ist immer noch ein Tabu. Doch die psychisch Kranken leiden und ihre Familien mit! Also, es bringt niemandem etwas, die Psychiatrie zu verteufeln", appelliert die Mutter. "Sie muss manchmal sein und sie kann oft wirkungsvoll helfen." 

Schizophrenie macht Angst 

Weil das Leiden so vielfältig und immer noch so wenig verstanden ist, greifen Vorurteile. "Es kommt aber weder zum Verlust des Verstandes, noch der Intelligenz", betont der Nervenarzt Finzen. Angst ist hingegen ein zentrales Thema: "Wenn die Krankheit beginnt, spüren die Patienten selbst, dass sich bei ihnen etwas verändert. Aber sie wissen nicht, was. Zumindest können sie es nicht als psychische Krankheit begreifen", so der Nervenarzt. "Das Wesen des Wahns ist ja, dass der Betroffene ihn nicht erkennt, sondern unerschütterlich von der Wirklichkeit dessen, was er sieht, hört, fühlt oder denkt, überzeugt ist."

Verfolgungswahn und emotionaler Rückzug

Lena sah schon Leichen um sich herum liegen und dachte, auch sie solle umgebracht werden. Wenn die junge Frau draußen unterwegs war, hatte sie den Eindruck, alle Menschen redeten und lachten über sie. Auch daheim fühlte Lena sich beobachtet und entfernte alle Poster in ihrem Zimmer, weil sie Kameras dahinter vermutete. Manchmal hatte sie auch starke Schmerzen ohne ersichtlichen Grund oder nahm ihre Arme als doppelt so dick wie sonst wahr. Kein Wunder, dass eine Schizophrenie von Angst, Panik und Niedergeschlagenheit geprägt ist, auf die Betroffene mit sozialem und emotionalem Rückzug reagieren.

Ausdruck der Gefühlswelt: Dieses Bild hat die an Schizophrenie erkrankte Lena mit Anfang 20 für ihre Mutter gemalt. (Quelle: privat)Ausdruck der Gefühlswelt: Dieses Bild hat die an Schizophrenie erkrankte Lena mit Anfang 20 für ihre Mutter gemalt. (Quelle: privat)

Eine korrekte Diagnose ist nötig

All das macht natürlich auch den Angehörigen Angst: "Hat man noch keine Diagnose, löst das auf beiden Seiten Ratlosigkeit und Hilflosigkeit aus", weiß Finzen. "Dem Begreifen, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt, gehen oft langwierige, leidvolle Phasen voraus. Bewährte Formen des Umgangs miteinander tragen nicht mehr, es kommt zu heftigen Konflikten und Beziehungen gehen kaputt. Wenn das Verhalten des anderen nicht als krankhaft verändert wahrgenommen und damit bis zu einem gewissen Grad auch entschuldigt werden kann, zerbrechen Familien daran. Viel zu oft macht aber leider erst eine krisenhafte Zuspitzung, der psychische Zusammenbruch, die Diagnose und die psychiatrische Behandlung möglich." 

Schizophrenie und Pubertät ähneln sich

Dabei zeigen sich bereits Monate, oft sogar Jahre vor einer akuten Schizophrenie erste, jedoch sehr unspezifische Warnzeichen: Das sind etwa Lustlosigkeit, gedrückte Stimmung, Desinteresse, Nervosität, leichte Reizbarkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Die Gedanken können durcheinander geraten, Betroffene sind zunehmend misstrauisch, launisch oder beziehen alles auf sich. In der Regel ziehen sie sich auch immer mehr zurück, engagieren sich weniger in der Schule oder Arbeit und vernachlässigen ihr Äußeres. "Das von normalem pubertären Verhalten abzugrenzen, ist jedoch die Krux", gibt Finzen bei der richtigen Einschätzung der Warnsymptome zu bedenken.

Die Ursachen von Schizophrenie

Wie Schizophrenie entsteht, ist noch ein Rätsel. Mediziner vermuten ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren und biographischen Faktoren. Menschen, die an Schizophrenie erkranken, sind vermutlich empfindsamer gegenüber Innen- und Außenreizen. Lösen seelische, körperliche und biografische Belastungen Stress aus, der die Toleranzgrenze überschreitet, kann die Erkrankung ausbrechen.

  • Genetische Veranlagung als Ursache für Schizophrenie

Eine genetische Veranlagung gehört zu den möglichen Schizophrenie-Ursachen. So haben Menschen, in deren Familien die psychische Erkrankung bereits vorkommt, ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken – etwa die Hälfte aller Kinder von Erkrankten ist laut der Plattform "Gemeinsames Leben mit Schizophrenie" selbst psychisch auffällig. Eine genetische Vorbelastung allein kann jedoch die Erkrankung nicht auslösen, hierfür sind weitere Faktoren erforderlich.

  • Psychosoziale Umstände als Risikofaktoren

Eine der möglichen Schizophrenie-Ursachen ist das Zusammenspiel zwischen einer genetischen Veranlagung und belastenden Erlebnissen. So können Menschen, die eine gewisse Anfälligkeit für die Krankheit aufweisen, aufgrund verschiedener Ereignisse Schizophrenie entwickeln. Beispiele für solche Ursachen sind neben großem Stress auch der Tod einer nahestehenden Person und Probleme im Berufsleben.

  • Biochemische Ursachen für die psychische Erkrankung

Die sogenannten Neurotransmitter, die Botenstoffe im Gehirn, haben eventuell ebenfalls Einfluss auf eine mögliche Schizophrenie-Erkrankung. Vor allem die Botenstoffe Dopamin, Glutamat und Serotonin stehen bei einem Ungleichgewicht und einem damit verbundenen aus dem Gleichgewicht geratenen Stoffwechsel im Verdacht, zu den möglichen Risikofaktoren zu gehören.

  • Können Drogen die psychische Erkrankung auslösen?

Einige Wissenschaftler sehen außerdem einen Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und der Erkrankung an Schizophrenie. So vermuten sie, dass beispielsweise Cannabis, Kokain und LSD Risikofaktoren sein könnten. Zwar ist diese Theorie durchaus umstritten – Studien zeigen jedoch laut dem medizinischen Online-Portal "NetDoktor", dass Drogenkonsum den Krankheitsverlauf verschlechtern kann.

Schizophrenie ist behandelbar

Es ist ein Irrtum, dass Schizophrenie unheilbar ist. Die Psychiatrie kann durch aufeinander abgestimmte Medikamentengabe, Psychotherapie und soziale Rehabilitation viel bewirken. Lena hat mittlerweile eingesehen, dass sie ihre Medikamente auch abseits der akuten Phasen einnehmen muss, auch wenn sie dadurch stark zugenommen hat. "Immer wenn sie die Tabletten abgesetzt hatte, kam ein Rückfall", berichtet ihre Mutter Janine.

Fünf verschiedene Arten der Therapie von Schizophrenie

Schizophrenie kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen – und ebenso persönlich abgestimmt sollte die Behandlung der psychischen Erkrankung sein. Dafür stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung. Ein kleiner Überblick:

  • 1. Medikamentöse Behandlung: Neuroleptika

Bei der Schizophrenie-Behandlung kommen sogenannte Neuroleptika bzw. Antipsychotika zum Einsatz. Das sind Medikamente zur Behandlung von Psychosen. Diese können helfen, einige typische Symptome von Schizophrenie, nämlich Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Angstzustände, zu lindern.

Sie wirken laut dem Medizinerportal "Neurologen und Psychiater im Netz" ordnend auf die Wahrnehmung und das Denken. Die Arzneimittel machen nicht abhängig, rufen aber unter Umständen Nebenwirkungen hervor, wie Bewegungsstörungen oder Müdigkeit.

  • 2. Weitere Medikamente bei Schizophrenie

Auch Antidepressiva und Beruhigungsmittel sind ein möglicher Teil der Schizophrenie-Behandlung. Antidepressiva können einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und die Stimmung der Betroffenen haben. Beruhigungsmittel wirken eher entspannend und lindern mögliche Angstzustände. Da beide abhängig machen können, werden sie meist nur kurzzeitig eingesetzt.

  • 3. Psychotherapie hilft langfristig

Psychotherapie kann ebenfalls ein wichtiger Teil der Schizophrenie-Behandlung sein. Häufig kommt sie jedoch erst dann zum Einsatz, wenn sich der Zustand des Patienten mithilfe von Medikamenten stabilisiert hat, so die "Apotheken Umschau". Ein zentraler Aspekt der Psychotherapie ist der Umgang mit Konflikten und Stress: Patienten sollen dadurch nicht nur aktuelle Konflikte bewältigen. Sie erlernen Strategien, mit denen sie in Zukunft besser damit umgehen können.

  • 4. Psychoedukation: Ein moderner Ansatz

Die Psychoedukation ist erst seit Kurzem ein möglicher Teil der Behandlung psychischer Krankheiten. Betroffene und deren Angehörige erhalten hier die Möglichkeit, die Krankheit sowie alle relevanten medizinischen Fakten möglichst gut zu verstehen. Die Patienten sollen so möglichst selbstverantwortlich mit der Schizophrenie umgehen und sie besser bewältigen können – selbst wenn die Erkrankung nicht immer vollständig heilbar ist. Auf diese Weise sollen mögliche Anzeichen eines Rückfalls frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

  • 5. Weitere therapeutische Verfahren

Zusätzliche therapeutische Behandlungsmöglichkeiten können die Schizophrenie-Behandlung sinnvoll ergänzen. Ergotherapie etwa kann Patienten dabei unterstützen, mithilfe gezielter praktischer und kreativer Übungen ihren psychischen Zustand zu verbessern.

Eine Soziotherapie soll Betroffenen helfen, in Zukunft möglichst selbstständig und unabhängig leben zu können. Sie fungiert als Übergang zwischen der Therapie und der gesellschaftlichen Wiedereingliederung des Patienten.

Paranoider Mann kauert in einer Ecke und hört Stimmen wie Schatten, die mit dem Finger auf ihn zeigen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/vchal)Auch wenn der Leidensdruck hoch ist: Schizophrenie ist heilbar. Die Psychiatrie kann durch aufeinander abgestimmte Medikamentengabe, Psychotherapie und soziale Rehabilitation viel bewirken. (Quelle: vchal/Thinkstock by Getty-Images)

Verlauf: Warnzeichen der Erkrankung erkennen lernen

Anzeichen einer Schizophrenie können sich bei vielen Betroffenen bereits Monate bis Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit bemerkbar machen in der sogenannten Prodromalphase. Dann wirkt es, als komme man nicht an sie heran, die Betroffenen ziehen sich zurück, sind depressiv und nehmen die Realität bereits verzerrt wahr. Bei anderen bricht die Erkrankung aber ohne Vorzeichen akut aus.

Etwa ein Drittel der Betroffenen wird nach einer ersten schizophrenen Episode wieder vollständig gesund, bei anderen kehren Symptome jedoch immer wieder zurück. "Auch die Warnzeichen, dass sich ein psychotischer Schub anbahnt, kennen wir mittlerweile." Diese entsprechen den Frühwarnzeichen. "Wenn Lena unruhig oder schnell wütend wird, frage ich sie, was ich für sie tun kann. Man sollte versuchen, immer freundlich, geduldig und verständnisvoll mit Betroffenen umzugehen", rät Berg-Peer. Wenn man den Verlauf der Krankheit kennt, kann man besser vorbeugen.

Mit Ruhe und Struktur akute Phasen vorbeugen

"Ich achte mit darauf, dass Lena sich nicht überfordert. Um akute Phasen gering zu halten, ist es sehr wichtig, Ruhe in den Alltag zu bringen: also regelmäßig essen, sich nicht heftigen Reizen wie einer Disco aussetzen, Stress vermeiden, mal 'Nein' sagen dürfen, über Ängste reden, gut schlafen… notfalls muss man auch mal mit Beruhigungsmitteln nachhelfen." Doch eine Garantie ist das nicht: "Wird es dennoch schlimmer, muss Lena auch mal wieder für zwei Wochen ins Krankenhaus."

Hilfe im Alltag suchen statt Zwangseinweisung riskieren

Die Mutter empfiehlt dringend, eine ambulante Betreuung in die Behandlung zu integrieren: "Ein Betreuer hilft dem Betroffenen, den Alltag zu bewältigen, etwa aufräumen, Briefe erledigen, aber auch einen Krisenplan erstellen. Also beispielsweise den Betreuer anrufen und nicht die ganze Nacht vor Angst schreien, bis die Polizei kommt und zwangseinweist", erklärt die Mutter.

Die Erkrankung im Alltag

"Betroffene leiden massiv unter ihrer Isolation und darunter, dass sie ihren Alltag nur schwer auf die Reihe bekommen: Sie wollen etwas schaffen, aber es funktioniert durch ihre Erkrankung einfach nicht. Deshalb ist so eine ambulante Betreuung besonders wichtig." Zumal es gegen die Begleiterscheinungen wie Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, Misstrauen und Angst kaum wirksame Medikamente gibt.

Dennoch ermutigt Berg-Peer: "Eine gravierende psychische Erkrankung wie die Schizophrenie ist schlimm, aber sie bedeutet nicht das Ende. Man ist nicht vollkommen machtlos." Tipps und neue Kraft bekommen Angehörige über den Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK).

Schizophrenie kann auch wieder verschwinden

Nach Lenas erstem Klinikaufenthalt mit 17 Jahren sagten die Ärzte zu Janine: Ihre Tochter ist so krank, die wird nichts mehr leisten können. Und das, obwohl Schizophrenie nichts mit verminderter Intelligenz zu tun hat. "Man sollte so weit wie möglich an der Normalität festhalten", betont Berg-Peer. "Ich denke, liebevolles Fördern ohne zu überfordern ist extrem wichtig, sonst sitzen Betroffene alleine zuhause rum und grämen sich, dass ihnen keiner mehr etwas zutraut oder zumuten will.“

Außerdem ist Schizophrenie eine Krankheit mit recht günstiger Prognose: "Ein Drittel der Patienten wird von alleine wieder gesund – unabhängig wie und ob behandelt wird", weiß der Experte Finzen. "Wird angemessen therapiert, hat ein weiteres Drittel eine günstige soziale Prognose, das Leben gut zu meistern. Dem letzten Drittel geht es leider schlecht, wobei auch das durch eine angemessene Behandlung gelindert werden kann." 

Trotz der Rückfälle verfolgt Lena ihre Ziele

Lena holte mit 19 ihren Realschulabschluss an der VHS nach und meisterte eine Ausbildung als Bürokauffrau. "So hatte sie Kontakt zu Menschen, konnte etwas tun. Trotz Rückfällen in stressigen Zeiten hat Lena auch immer wieder den Mut, Neues zu wagen“, sagt die Mutter stolz. Nachdem sie 2014 eine sogenannte EX-IN-Ausbildung absolviert hat, betreut Lena mittlerweile selbst psychisch Kranke.

*Name von der Redaktion geändert 

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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