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Humane Papillomviren: Experten streiten über HPV-Impfung für Jungen

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Experten streiten  

Brauchen auch Jungs eine Impfung gegen HPV?

05.07.2016, 17:10 Uhr | Madlen Sell, dpa

Humane Papillomviren: Experten streiten über HPV-Impfung für Jungen. Bislang gibt es keine HPV-Impfempfehlung für Jungs. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bislang gibt es keine HPV-Impfempfehlung für Jungs. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Mädchen und jungen Frauen ist die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) relativ gängig. HPV können unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen, weshalb die Impfung für Mädchen ab neun Jahren empfohlen wird. Experten streiten nun darüber, ob auch Jungs geimpft werden sollten.

Unter Experten hat sich eine intensive Debatte über die HPV-Impfung entzündet. Der geistige Vater des Impfstoffs, Harald zur Hausen, setzt sich schon länger für die Impfung beider Geschlechter ein. "Ich halte es für sinnvoll, Jungen zwischen 9 und 14 Jahren vor Einsetzen der sexuellen Aktivität zu impfen", sagt der Medizin-Nobelpreisträger. Die Impfung schütze Sexualpartner davor, sich gegenseitig anzustecken.

Die Krebsfrüherkennung werde zwar weiterhin empfohlen, möglicherweise könnten in Zukunft aber die Zeitspannen zwischen den Untersuchungen verlängert werden, sagt zur Hausen. "Bereits jetzt ist belegt, dass die Impfung die Entwicklung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals verhindern kann." Zwei der drei verfügbaren Impfstoffe schützten zudem vor Genitalwarzen.

Krebsforschungszentrum verdient an der Impfung

Zur Hausen arbeitet am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, das als Co-Patentinhaber an den Verkaufserlösen des Impfstoffs beteiligt ist. Kritiker bemängeln die hohen Kosten: Für einen vollständigen HPV-Impfschutz – es sind mehrere Pikser nötig – kommen in Deutschland derzeit zwischen 320 Euro und 480 Euro zusammen.

Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur für Mädchen. Laut Robert Koch-Institut lässt sich in Deutschland noch nicht einmal jedes zweite gegen HPV impfen. Das sei zu wenig, als das auch ungeimpfte Männer vor Ansteckung geschützt seien, argumentieren Befürworter der HPV-Immunisierung von Jungen.

Kritiker bemängeln hohe Kosten der Impfung

"Die HPV-Impfung verursacht immense Kosten für unser Gesundheitssystem, die an anderer Stelle eingespart werden müssen, zum Beispiel beim Krankenhauspersonal", kritisiert stattdessen der Münchner Kinderarzt Martin Hirte. Eine HPV-Impfempfehlung für Jungen sieht er kritisch, da er den Nutzen als gering einstuft. Es könnten außerdem starke Nebenwirkungen auftreten, etwa chronische Schmerzen und Kreislaufschwäche. Zur Hausen hingegen spricht von sehr geringen Risiken: Auf etwa 100.000 Impfdosen komme eine heftige allergische Reaktion.

Zwar ist belegt, dass Humane Papillomviren am Gebärmutterhals Schaden anrichten, ob eine flächendeckende Impfung aber das richtige Mittel ist, um den Krebs zu bekämpfen, sehen manche Ärzte kritisch. "Impfungen sind nur ein Aspekt von Krankheitsvorsorge und nicht immer der kostengünstigste, schonendste und effektivste", sagt Hirte, der ein Buch zur HPV-Impfung veröffentlicht hat. Die Impfung von Jungen bezeichnet er darin als "teuer und ineffektiv".

Impfkommission gibt noch keine Empfehlung für Jungs

Ganz anders sieht das der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Jan Leidel. "Mittlerweile wissen wir, dass HPV nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Analkrebs, Peniskrebs, Vulvakrebs, Vaginakrebs und Krebsformen im Mund-Rachen-Bereich machen kann." Bei Männern, die Sex mit Männern hätten, sei Analkrebs fast so häufig wie Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Für Mädchen empfiehlt die Stiko den Pikser seit 2007. Für Jungen gibt es von der Kommission bislang keine Empfehlung. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich aber mit dem Thema.

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