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Alkoholkonsum während der Schwangerschaft: Vollrausch im Mutterleib

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GESUNHEIT | ALKOHOLKONSUM  

Fallbeispiel: Vollrausch im Mutterleib

19.11.2007, 17:02 Uhr | bri, dpa, AFP

Den ersten Vollrausch hatte Saskia im Mutterleib. Das mag nach ein paar Schwangerschaftswochen gewesen sein, sie war vermutlich so eben auf dem Ultraschallbild erkennbar, genau weiß das heute keiner. Die Mutter ging ab und zu auf Partys, griff gerne mal zum Glas und durch die Nabelschnur trank Saskia mit. Als das Mädchen zur Welt kam, war es zu klein, zu leicht und lief regelmäßig blau an. "Mit dem Kind war etwas nicht in Ordnung, aber niemand wusste, was", sagt Saskias Pflegemutter Inis Rosenke.

Diagnose FAS

13 Jahre später ist klar: Saskia hat das Fetale Alkoholsyndrom (FAS). Darunter fassen Mediziner die körperlichen und geistigen Schädigungen zusammen, die der Alkoholkonsum von Müttern während der Schwangerschaft verursachen kann. Schon geringe Mengen - ein Glas Wein oder Bier - können verheerende Folgen haben. Jedes Jahr kommen in Deutschland mehrere tausende Kinder mit FAS zur Welt, ein Großteil braucht ein Leben lang Betreuung und Hilfe.

Rätselraten bei den Pflegeeltern

Die immer wiederkehrende Frage: "Was ist mit dem Kind nicht in Ordnung?", kennen Inis Rosenke und ihr Mann Achim. Als Saskias Mutter starb, nahmen sie die Tochter der allein erziehenden Frau bei sich in Hamburg auf - die beiden hatten sich ohnehin häufiger um das Mädchen gekümmert. "Wir hatten schon drei eigene Kinder, eines mehr machte da keinen Unterschied", sagt Inis Rosenke. Doch die damals Neunjährige war anders, sie bekam Wutanfälle, zerriss ihre Schulhefte, schrie. "Man konnte ihr etwas verbieten sie hat sich umgedreht und es trotzdem getan", sagt Inis Rosenke. In der Schule hinkte sie hoffnungslos hinterher. Mit der Zeit entwickelte sich auch noch Ticks: Sie stieß Laute aus, schimpfte, rannte mit dem Kopf gegen die Wand. "Wir wurden oft gefragt, ob wir unsere Tochter nicht erziehen können", beschreibt Achim Rosenke.

Schwere Aufgabe für Eltern

Ein solches Verhalten ist typisch: "Kinder mit FAS können lästig sein. Viele Eltern sind daher erschöpft", weiß Dr. Reinhold Feldmann, der an der Uniklinik Münster eine Sprechstunde für alkoholgeschädigte Kinder anbietet. Emotionale Störungen und Verhaltensauffälligkeiten sind unter FAS-Kranken verbreitet, zudem haben viele Betroffene kognitive Defizite: Sie können nicht abstrakt denken, keine Regeln erfassen, die Konsequenzen ihres Handelns nicht überblicken. Ehepaar Rosenke kannte Saskia zwar seit der Geburt, kannte aber die Warnzeichen nicht. Um Klarheit zu bekommen, begaben sie sich auf eine Odyssee: Sie besuchten Ärzte und Therapeuten, ließen Saskia auf Epilepsie und Autismus untersuchen. Erst nach vier Jahren erhielten sie die richtige Diagnose in Feldmanns Sprechstunde in Münster, knapp 300 Kilometer von der Heimat entfernt.

Lebenslange Betreuung nötig

Saskia ist inzwischen in Behandlung und geht auf eine Förderschule. "Der Umgang mit ihr ist jetzt leichter, weil sie nicht mehr so überfordert ist", sagt die Mutter. Die Wutanfälle sind seltener geworden. Trotzdem wird Saskia wohl ihr Leben lang Betreuung benötigen. Die Aussichten für Behinderte mit FAS sind in der Tat düster. Die meisten FAS-Betroffenen "schaffen es nicht selbstständig", sagt Professor Hand-Ludwig Spohr, ehemaliger Chefarzt einer Berliner Kinderklinik. Laut seiner jüngst vorgestellten Langzeitstudie ist nur ein geringer Teil in der Lage, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Fetale Alkoholsyndrom ist nicht therapierbar am besten, man vermeidet es gleich.

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