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Herzkrankheiten: Drucklufthose kuriert Herzleiden

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Herzkrankheiten  

Drucklufthose kuriert Herzleiden

22.01.2010, 12:27 Uhr | Spiegel Online

Die so genannte "Herz-Hose" bringt Blutgefäße zum Wachsen. (Foto: Charité)Die so genannte "Herz-Hose" bringt Blutgefäße zum Wachsen. (Foto: Charité)Ärzte erproben eine sanfte Therapie gegen Arterienverstopfung: Durch verstärkten Blutfluss, so die Entdeckung, können sich auf natürliche Weise neue gesunde Gefäße bilden. Um die Entstehung solcher Bio-Bypässe zu fördern, haben Mediziner in Berlin eine Druckluft-Hose entwickelt.


Grafik Die typischen Infarktsymptome

Alles begann mit einem Schlaganfall

Bewegung ist gut, aber bei Gero Behrend beschränkte sie sich aufs Zigarettenholen. Zwei Schachteln rauchte der Innenarchitekt aus Berlin jeden Tag. "Quer durch den Garten", erzählt er. "Hauptamtlich aber Ernte 23." Sein Körper war damit irgendwann hauptamtlich überfordert: Behrend ist 52 Jahre alt, als seine rechte Hand nach dem Abendbrot taub auf dem Teller liegen bleibt. Das Bein zieht er nach, er nuschelt, der Mundwinkel hängt schlaff herab - ein "Schlägle". Für den Kettenraucher ist der Schlaganfall kein Grund, sein Leben zu ändern. "Mit der anderen Seite der Lippen konnte ich die Kippe ja noch halten."

Amputation drohte

Die Symptome des leichten Schlaganfalls bilden sich sogar zurück, aber sechs Jahre und 87 000 Zigaretten später gibt es "Theater" (Behrend) mit dem rechten Bein. Durch den Nikotinabusus und den Bewegungsmangel ist die Extremität kalt und blau. Im Unterschenkel sind zwei der insgesamt drei Hauptarterien verstopft. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt - und beginnt abzusterben: Auf Spann und Schienbein entstehen zwei schwärende Wunden. Ein Jahr lang packt ein Dermatologe Salbe darauf, aber die offenen Stellen werden immer größer. Die Ärzte denken schon daran, das Bein unterhalb des Knies abzusägen.

Neue Arterien gewachsen

Heute ist Behrend 67 Jahre alt, und es geht ihm viel besser. Entspannt betritt er ein Ausflugslokal im Berliner Grunewald und bestellt einen Kaffee. Das Bein ist noch dran, die schlimmen Wunden sind vernarbt. Ebenso erfreulich sieht es im Innern des Beins aus, wie eine Untersuchung per Ultraschall offenbart: Neben den verstopften Blutgefäßen sind kräftige Arterien gewachsen und haben das Bein von innen geheilt. Behrend: "Dass so etwas möglich ist, hätte ich niemals geglaubt."

Das Blut sucht sich neue Wege

Die Gesundung ist kein Wunder, sondern sie beruht auf einem biologischen Phänomen, das Ärzte jetzt für eine neue Art von Therapie ausnutzen. Arteriogenese heißt der Mechanismus, der sich im Körper eines jeden Menschen abspielen kann: Neben den großen Arterien verlaufen kleine Gefäße, die sogenannten Kollateralen, die oft nur einen Zehntelmillimeter dick sind. Wenn nun eine große Arterie allmählich enger wird, sucht sich das Blut neue Wege. Es strömt zunehmend durch die kleinen Kollateralen - die sich auf diesen Reiz hin in vollwertige Arterien verwandeln können.

Schubkraft des Blutes wird erhöht

Diese natürlichen Brücken bergen ein bislang unterschätztes Potential zur Selbstheilung, glaubt der Gefäßmediziner Ivo Buschmann, 41, von der Berliner Charité: "Mit Hilfe der Arteriogenese können wir uns biologische Bypässe legen." Traditionell greifen Ärzte häufig zum Skalpell, um verstopfte Gefäße zu überbrücken: Sie entnehmen irgendwo im Körper des Patienten ein entbehrliches Stück Vene und nähen dieses als chirurgischen Bypass fest. Oder aber sie schieben einen winzigen Ballon bis zur verengten Stelle vor und blasen ihn auf. Doch nun gibt es eine sanfte Methode, die Krankheit ursächlich zu behandeln: Der biologische Bypass hat keine Nebenwirkungen, ist viel billiger und verspricht eine natürliche Heilung.

Bildung natürlicher Bypässe

Einer der Pioniere der neuen Behandlungsmethode ist Wolfgang Schaper, 75, Professor am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung im hessischen Bad Nauheim. In Tierexperimenten band der Physiologe Versuchskaninchen die Oberschenkelarterie im Hinterlauf mit einem Faden ab. Das Blut wurde daraufhin durch die kleinen Gefäße in der Umgebung geleitet. Diese neuerschlossenen Kanäle waren anfangs viel zu eng, jedoch erweiterten sie sich nach einiger Zeit ganz erheblich und wurden schließlich zu Umgehungsarterien - fertig waren die natürlichen Bypässe. Ihre Entstehung gehorcht einem biophysikalischen Gesetz: Wenn in einer Ader das Blut schneller und druckvoller strömt, dann vergrößert sich ihr Durchmesser. "Die beschleunigte Bewegung des Blutes löst Wachstumsprozesse aus", erklärt Buschmann. "Durch die erhöhte Schubkraft des Blutes wird die Arteriogenese angeregt."

Regelmäßige Bewegung tut dem Herzen gut

Das erklärt, warum regelmäßige Ertüchtigung dem Herzen so gut tut. Unter ursprünglich lebenden Naturvölkern ist der Infarkt unbekannt. Auch körperlich aktive Mitglieder der Industriegesellschaft leben statistisch gesehen erheblich länger als inaktive Menschen. Viele Hobbyläufer im Greisenalter haben aufgrund der normalen Alterung zwar Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen, sind aber völlig beschwerdefrei. Buschmann: "Die haben sich selbst mit biologischen Bypässen versorgt."

Zweiter Teil Rettungsdienst aus der Evolution

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