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Diabetes: Studie belegt, dass rotes Fleisch das Risiko erhöht

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Diabetes  

Rotes Fleisch erhöht Diabetes-Risiko

11.08.2011, 15:06 Uhr | Nina Weber

Diabetes: Studie belegt, dass rotes Fleisch das Risiko erhöht. Der Verzehr von viel rotem Fleisch erhöht das Diabetes-Risiko. (Foto: imago)

Der Verzehr von viel rotem Fleisch erhöht das Diabetes-Risiko. (Foto: imago)

Wer Salami mag, muss jetzt ganz tapfer sein: Forscher empfehlen, den Konsum von Wurstwaren zu minimieren. Auch bei unverarbeitetem roten Fleisch raten sie zur Mäßigung. Sonst droht ein höheres Diabetesrisiko.

Auf Rind, Lamm und Schwein verzichten

Wer viel Fleisch isst, schadet seiner Gesundheit - das berichten Ernährungswissenschaftler seit vielen Jahren in immer neuen Facetten. Insbesondere das rote Fleisch von Rind, Lamm und Schwein gilt als wenig empfehlenswertes Lebensmittel. Das Risiko von Herz-Kreislaufleiden soll es ebenso steigern wie das von Krebserkrankungen - und damit auch die Gefahr eines frühzeitigen Todes. Weißes Fleisch, also Geflügel, wird in der Regel weniger kritisch gesehen.

Rotes Fleisch erhöht Diabetes-Risiko

Nun berichtet ein internationales Forscherteam im "American Journal of Clinical Nutrition" über eine weitere mögliche Folge hohen Fleischkonsums: Wer viel rotes Fleisch verzehrt - also etwa Rindersteaks oder Lammkoteletts -, erkrankt eher an Altersdiabetes. Der Konsum von verarbeitetem roten Fleisch, also Schinken, Salami, Mortadella und anderen Wurstwaren, ging mit einem noch höheren Risiko für Diabetes Typ 2 einher, zeigte die Studie mit mehr als 200.000 Teilnehmern.

100 Gramm pro Tag sind bedenklich

Nachdem die Wissenschaftler sämtliche bekannten Risikofaktoren für Diabetes herausgerechnet hatten, zeigte sich: Eine täglich gegessene 100-Gramm-Portion unverarbeitetes rotes Fleisch war mit einem 8 bis 16 Prozent höheren Altersdiabetes-Risiko verknüpft. Mit jeder Tag für Tag verzehrten Wurst-Portion von 50 Gramm stieg das Risiko um 25 bis 40 Prozent.

Acht Millionen Zuckerkranke in Deutschland

In Deutschland leben laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO rund acht Millionen Menschen mit einem diagnostizierten Diabetes; weltweit sollen rund 346 Millionen Menschen betroffen sein - circa 90 Prozent davon haben Diabetes Typ 2.

Lebensstil ist entscheidend

Dessen Entstehen hängt nicht nur mit einem vererbten Risiko sondern auch mit dem Lebensstil zusammen. Wer sich wenig bewegt, zu viel isst und übergewichtig ist, strapaziert seinen Stoffwechsel. Irgendwann reagiert der Körper nicht mehr auf das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttete Insulin: Der Blutzuckerspiegel steigt, was Gefäße und Nerven angreift. Langfristig drohen Folgen wie Herzkreislaufschäden, Nierenprobleme oder Erblindung.

Frühere Studien beschränkten sich auf Wurst und Schinken

Schon frühere Studien hätten gezeigt, dass ein erhöhter Konsum von Wurst und Schinken mit einem gesteigerten Altersdiabetes-Risiko einhergeht, schreiben jetzt die Wissenschaftler um An Pan von der Harvard Medical School in Boston. Beim roten Fleisch an sich war die Datenlage bisher unklar. Die Harvard-Forscher stützen sich auf umfangreiches Datenmaterial dreier großer Langzeitstudien. In der ersten und zweiten "Nurses Health Study" geben seit 1980 beziehungsweise 1991 Krankenschwestern aus den USA regelmäßig Auskunft über ihren Lebensstil und ihre Gesundheit. In der "Health Professionals Follow-Up Study" werden seit 1986 im Medizinsektor tätige Männer - vom Optiker bis zum Fußpfleger - befragt.

Langzeitstudie mit 167.000 Frauen

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten von rund 167.000 Frauen und 37.000 Männern aus, die 14 bis 28 Jahre lang an einer der Studien teilgenommen hatten. 13.759 erkrankten in dieser Zeit an Diabetes Typ 2. Alle zwei Jahre hatten die Teilnehmer Fragebögen zu ihrem Essverhalten ausgefüllt. Zudem hatten die Forscher Informationen darüber, wie viel die Teilnehmer wogen, ob sie rauchten, Sport trieben, unter anderen Krankheiten litten oder ob sie an Diabetes leidende Verwandte hatten. So konnten die Forscher andere Risikofaktoren in der Analyse berücksichtigen.

Fleischesser nahmen zu

Das Resultat: Die Teilnehmer, die viel rotes Fleisch aßen, waren häufiger Raucher, nahmen insgesamt mehr Kalorien zu sich, hatten einen höheren Body-Mass-Index (BMI) und trieben weniger Sport. Der Fleischkonsum war also generell mit einem ungesünderen Lebensstil verknüpft. Allerdings zeigte sich auch nach dem Herausrechnen dieser Faktoren noch ein erhöhtes Diabetesrisiko für die Fleisch-Liebhaber. Wenn die Forscher den steigenden BMI der Studienteilnehmer berücksichtigten, schwächte sich der Zusammenhang von Fleischkonsum und Diabetesrisiko ein wenig ab. Das deutet aus ihrer Sicht darauf hin, dass das höhere Risiko, zuckerkrank zu werden, teilweise darauf beruht, dass Menschen, die viel Fleisch essen, eher übergewichtig werden.

Sie nennen eine Reihe möglicher Erklärungen, wie ein hoher Fleischkonsum den Stoffwechsel in Richtung Diabetes treiben könnte:

- Rotes Fleisch enthält viel Eisen. Es sei bereits bekannt, dass hohe Eisenvorräte im Körper mit einem gesteigerten Diabetesrisiko verknüpft seien, berichten die Mediziner. Das Eisen würde den oxidativen Stress in Zellen erhöhen und könne insbesondere die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse schädigen.

- Laut einer finnischen Studie erkläre die hohe Konzentration von Natriumsalzen in Wurstwaren, warum diese das Diabetesrisiko erhöhten.

- Wurst enthält höhere Mengen an Nitriten und Nitraten, die im Körper in Nitrosamine umgewandelt werden können. Diese wiederum wirkten in Tierversuchen toxisch auf Zellen der Bauchspeicheldrüse. Bei Erwachsenen mit höherem Nitritspiegel im Blut würde der Körper häufiger schlecht auf Insulin ansprechen.

Aufgrund ihrer Ergebnisse empfehlen die Forscher, den Verzehr von rotem Fleisch zu reduzieren - und den von Wurstwaren zu minimieren. Wenn möglich, sollte man statt dessen gesündere Lebensmittel verzehren - Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte, Fisch, Hülsenfrüchte oder Nüsse.

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