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Gicht: Wohlstandskrankheit greift um sich

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Gicht  

Gicht nicht auf die leichte Schulter nehmen

10.02.2015, 13:41 Uhr | dapd

Gicht: Wohlstandskrankheit greift um sich. Bei ersten Gicht-Attacken schmerzt häufig der große Zeh.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei ersten Gicht-Attacken schmerzt häufig der große Zeh. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Schmerzen kommen gern in der Nacht. Dann tut der große Zeh plötzlich höllisch weh, schwillt an, ist heiß und krebsrot. Der Anfall kann so schlimm sein, dass selbst eine federleichte Bettdecke über dem Fuß als unerträglicher Druck empfunden wird. Wer zum ersten Mal von einer solchen Schmerzattacke überrollt wird, glaubt zuerst, sein Zeh sei gebrochen. Tatsächlich macht der Betroffene einen akuten Gichtanfall mit.

Schon Alexander der Große, Ludwig XIV., Friedrich der Große und auch Goethe kannten die extremen Schmerzen. Heute leiden etwa zwei Prozent der Deutschen an Gicht. Hinter der Gelenkkrankheit steckt ein viel zu hoher Harnsäurespiegel im Körper. Und es werden immer mehr, wie Stefan Schewe, Rheumatologe und Professor am Klinikum der Universität München, berichtet.

Viel Fleisch und Alkohol als Ursache

Zwar ist die Veranlagung für Gicht erblich. Direkter Auslöser der Schmerzattacken sind aber meist zu üppiges Essen, viel Fleisch, Schalentiere und Innereien, reichlich Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht. Heute gilt Gicht als Wohlstandskrankheit, das oft Hand in Hand geht mit Diabetes oder Bluthochdruck.

Männer erkranken häufiger

An der Stoffwechselstörung erkranken hauptsächlich Männer, meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Frauen trifft die Gicht normalerweise nicht vor den Wechseljahren - wahrscheinlich, weil die weiblichen Geschlechtshormone bis dahin als Schutzschild fungieren. Während Goethe & Co. meist wochenlang die Zähne zusammenbeißen mussten, bis ein Anfall aufhörte, sind die Schmerzen inzwischen mit einer Spritze schnell in den Griff zu kriegen.

Spritze hilft nur kurzfristig

Doch damit ist die Krankheit nicht vorbei, wie viele Patienten glauben. Ihr Körper produziert immer weiter zu viel Harnsäure. Deren nadelspitze Kristalle lagern sich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, in der Haut und im Ohrknorpel ab. Die Folge sind schmerzhafte Gelenkentzündungen am großen Zeh, an Knie und Ellenbogen sowie in den Nieren.

Gelenke werden langsam zerstört

"Bleibt die Gicht unbehandelt, kommen immer mehr Anfälle in immer kürzeren Abständen", warnt Schewe. Das Gefährliche an dem Leiden sei, dass nach ein paar Jahren die akuten Schmerzattacken zwar aufhören, die Harnkristalle sich aber noch stärker ablagern. Die Folgen: Chronische Gelenkzerstörung, schlimme Schäden an Knochen, Gelenken und Nieren. Wegen des ständig erhöhten Harnsäurespiegels steigt auch das Risiko für tödliche Herzerkrankungen, wie eine amerikanische Langzeitstudie herausgefunden hat.

Gicht nicht auf die leichte Schulter nehmen

Die meisten Betroffenen und sogar viele Hausärzte nehmen die Krankheit oft auf die leichte Schulter, ist Rheumatologe Schewe besorgt: "Da wird viel falsch gemacht." Manche Patienten ließen aus Leichtsinn einfach ihre Medikamente weg, wenn der akute Schmerz vorüber sei. Und viele Mediziner seien zu zögerlich, was das konsequente Therapieren mit Medikamenten angeht.

Harnsäurespiegel im Blick haben

Dabei muss der Harnsäurespiegel auf Dauer unbedingt runter, wenn die Krankheit nicht fortschreiten soll. Gichtpatienten müssten einen Harnsäurespiegel von unter sechs Milligramm pro Deziliter erreichen, betont Schewe. Aber wie ist das zu schaffen? Einmal über das regelmäßige Einnehmen von Medikamenten, die entweder das Übersäuern des Körpers von vornherein abblocken oder helfen, die Harnsäure auszuscheiden.

Wenig Fleisch, viel Sport

Und dann heißt es konsequent Maß halten, Sport treiben und sich purinarm zu ernähren. Purine sind Eiweißverbindungen, die in Lebensmitteln vorkommen. Besonders viele davon sind in Alkohol enthalten, vor allem in Bier, weniger in Wein. Aber auch in rotes Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte, Speck und Hülsenfrüchte enthalten Purine. Ohne Verzicht kommen die Anfälle immer wieder. "Wer einmal Gicht hatte, wird sie sein Leben lang nicht mehr los", mahnt Schewe.

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