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Alzheimer: Wenn die Mutter zum kleinen Kind wird.

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Alzheimer  

Wenn die Mutter durch Alzheimer zum Kind wird

14.09.2012, 08:31 Uhr | dpa, dpa

Alzheimer: Wenn die Mutter zum kleinen Kind wird.. Heidi Pfauth-Fassl mit ihrer Mutter Maria. (Quelle: dpa)

Heidi Pfauth-Fassl mit ihrer Mutter Maria. (Quelle: dpa)

Heidi Pfauth-Fassl ist eigentlich ziemlich ausgelaugt, aber sie reißt sich immer wieder zusammen und lächelt. "Sie meinte, wir bringen sie um und schlug mir die Tabletten aus den Händen", schildert die 61-Jährige Erfahrungen mit ihrer Mutter. "Sie hat mich manchmal beschimpft - es war eine Phase, in der ich mich gefragt habe: Schaffe ich das?" Sie hat es bereits fünf Jahre geschafft. Rund um die Uhr kümmert sie sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Maria.


Zweimal in der Woche nimmt Maria Pfauth an einer Demenzgruppe teil. Dort wird etwa gebastelt oder gesungen. Es kommt oft vor, dass sie bereits kurze Zeit später nicht mehr weiß, was sie in der Gruppe gemacht hat. "Ha ja, ich freu mich, wenn ich sie mal wieder sehe", sagt Pfauth auf die Frage ihrer Tochter, ob sie wieder dort hin will.


1,4 Millionen Deutsche leiden an Demenz

Die 91-Jährige war einst robust, half der Mutter auf dem Feld, arbeitete später als Weberin und bekam vier Kinder. An sehr weit zurückliegende Ereignisse kann sie sich meist erinnern. Maria Pfauth ist eine von 1,4 Millionen Demenzkranken in Deutschland, sie hat die häufigste Krankheitsform: Alzheimer. Ohne Durchbruch in Prävention oder Therapie wird die Gesamtzahl bis 2050 auf drei Millionen Fälle steigen, wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft in Berlin berichtet.


Maria Pfauth sitzt am Tisch in der Stube ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns im baden-württembergischen Burgrieden und schaut raus in den Garten. "Hab' noch keinen gesehen, vielleicht ist das Wetter nicht richtig", sagt Pfauth mit hoher Stimme und hält weiter Ausschau auf eine Schale im Garten, in der sich sonst die Spatzen waschen.


Alzheimer ist noch immer Tabuthema

Gabriela Zande-Schneider von der Alzheimer Selbsthilfe in Köln kennt den schwierigen Umgang mit der Krankheit: "Es ist immer noch ein Tabuthema und mit Scham behaftet." Im Schnitt hat sie pro Jahr zu 6.000 Angehörigen und Demenz-Patienten Kontakt. "Es ist etwas anderes, ob jemand die Persönlichkeit verliert, als wenn jemand körperliche Einschränkungen hat." Sie spricht sich dafür aus, mit Nachbarn und dem Umfeld offen zu sprechen. "Desto mehr Augen passen dann auch auf", sagt Zande-Schneider, die ihre Mutter zwei Jahre pflegte.


Tochter gab für Mutter den Job auf

2007 nahm Heidi Pfauth-Fassl ihre Mutter zu sich, die Ärzte gaben ihr nach einem Schlaganfall und Infarkten damals noch sechs Monate zu leben. "Der liebe Gott will noch nicht", sagt Pfauth-Fassl heute. Die frühere kaufmännische Assistentin gab für die Pflege ihren Job auf. Sie hatte ihrer Mutter einst versprochen, sie im Fall der Fälle nicht in ein Heim zu geben, sondern für sie zu sorgen.


"Das Leben wird geprägt von der Pflege"

"Meine Mama war bis 85 topfit", sagt Pfauth-Fassl. Ein normales Gespräch ist jetzt nicht mehr möglich. "Mein Mann sagt, du sprichst mit ihr wie mit einem Kind. Anders geht es nicht." Sie wäscht ihre Mutter, kocht für sie, geht mit ihr spazieren, kämmt ihre Haare. Eigene Bedürfnisse stehen hinten an. "Das Leben wird geprägt von der Pflege."


Die Frage, wie es ihr mit der Pflege geht und nach damit verbundenen Gefühlen wie Enttäuschung und Frust, versucht sie gar nicht zuzulassen. "Das ist mein Job und den mache ich jetzt", sagt Pfauth-Fassl. Gegen sieben Uhr Morgens beginnt ihre Zeit: Wenn die Mutter sich nach dem Gang zum WC noch mal hinlegt, bleiben einige Stunden, am liebsten für eine Radtour. "Da komme ich kraftvoll wieder zurück und sage: Wunderbar, jetzt kann ich wieder weitermachen."

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