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Schlaganfall: Schlaganfall-OP kann Leben retten

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Schlaganfall  

Schlaganfall-Operation: Viele überleben mit Behinderung

27.05.2013, 15:05 Uhr | dpa

Schlaganfall: Schlaganfall-OP kann Leben retten . Schlaganfall: Nicht immer ist eine Schlaganfall-OP sinnvoll.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Schlaganfall-Operation kann auch viele Nachteile haben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In Deutschland kommt es alle zwei Minuten zu einem Schlaganfall. 63.000 Menschen sterben daran. Besonders gefährlich ist ein Verschluss der mittleren Hirnarterie. Von einem so schweren Infarkt sind jedes Jahr mindestens 5000 Menschen betroffen. Für die meisten Patienten geht es tödlich aus, wie die Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) berichtet. Eine neue Studie mit älteren Patienten belegt nun, dass deren Sterberate nach einer OP mit Öffnung der Schädeldecke deutlich sinkt. Das klingt nach einer durchweg positiven Nachricht, hat aber auch viele Nachteile. 

Viele überleben mit Behinderung

Der Preis für ein Überleben nach dem Eingriff kann gerade für ältere Menschen hoch sein, erklärt Professor Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgie am Heidelberger Uniklinikum. "Wir können durch diese Operation Leben retten, aber das zum Teil nur mit schweren Behinderungen." Schon bei jüngeren Menschen ist schwer vorauszusagen, wie gut eine Erholung ausfällt. Bei ihnen bildeten sich aber Einschränkungen wie Sprachstörungen oder Lähmungen dank Reha zumindest teilweise häufig zurück. Die Lebensqualität ist durchaus akzeptabel. 

Ältere Menschen erholen sich nur schwer

"Bei älteren Menschen ist die funktionelle Erholung in der Regel aber nicht mehr so gut", sagt Unterberg. "Wir wissen: Je höher das Lebensalter, desto schwerer wird es, ein akzeptables Ergebnis zu erhalten." Die Schlaganfall-Gesellschaft weiß aus umfangreichen Datenerhebungen: "Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache erworbener Behinderung im Erwachsenenalter." 

Der Druck im Schädelinneren wird gesenkt

Um welchen Eingriff geht es? Die OP wird Entlastungskraniektomie genannt und seit einigen Jahren bei jüngeren Schlaganfall-Patienten vorgenommen, um einen lebensbedrohlichen Druck im Schädelinneren zu senken. Ein Teil der Schädeldecke wird kurzzeitig entfernt, die harte Hirnhaut über dem Schlaganfallgebiet geöffnet, die anschwellende Hirnmasse bekommt Platz. Bei den Patienten unter 60 Jahren ist das Ergebnis stark: Ohne den Eingriff sterben laut DGNC bis zu 80 Prozent, mit ihm überleben die meisten. 

"Macht diese OP auch bei älteren Menschen Sinn?"

"Dürfen wir Patienten über 60 Jahre ausschließen?" Diese Frage führt Unterberg zufolge zur Studie Destiny II. Zentrale Erkenntnis: Der Eingriff senkt die Mortalität bei älteren Patienten von 73 Prozent auf 33 Prozent.

Für die Studie wurden zwei Patientengruppen im Durchschnittsalter von 70 Jahren gebildet und 49 zufällig Ausgewählte operiert. Zwei Drittel (67 Prozent) überlebten den schweren Schlaganfall. Zudem wurden 63 Patienten intensivmedizinisch ohne OP betreut, von denen nur etwa ein Viertel (27 Prozent) überlebte. "Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass die Studie abgebrochen werden musste", betont die DGNC. 

Überleben um jeden Preis?

Die schwierige Frage für Patienten, Angehörige und Ärzte lautet: Auf jeden Fall überleben, um jeden Preis? "Eine bloße Lebensverlängerung um den Preis einer drastisch verschlechterten Lebensqualität wird fragwürdig", meint der Münchner Medizinethiker Ralf Jox. Ist ein Leben mit Bettlägerigkeit, extremer Sprachstörung und Pflegebedürftigkeit lebenswert? Wer entscheidet das? "Aus der Einstellungsforschung ist bekannt, dass viele Menschen in einem Zustand der kompletten verbalen Kommunikationsunfähigkeit nicht leben wollen", gibt Jox zu Bedenken. Jede Entscheidung pro oder contra OP müsse im Einzelfall nach dem mutmaßlichen Patientenwillen getroffen werden. Zudem sei eine Patientenverfügung ratsam. 

Zahl der Patienten wird steigen

Ziel ist es nun, Prognosefaktoren für einen Erfolg einer Kraniektomie bei älteren Patienten zu erarbeiten. "Wir wollen auf wissenschaftlicher Basis herausfiltern, welche älteren Patienten von diesem Eingriff profitieren und mit guter Lebensqualität und wenig Behinderung überleben", sagt Unterberg. Das Thema wird immer mehr Menschen angehen. Der Schlaganfall ist überwiegend eine Erkrankung des höheren Alters. Da die Bevölkerung altert, wird auch die Zahl der Schlaganfall-Patienten steigen. 

Ärzte dürfen auf die OP verzichten

Mediziner könnten damit künftig häufiger vor existenziellen Entscheidungen stehen. "Selbstverständlich gilt die ärztliche Verpflichtung zur Lebensrettung nicht absolut und um jeden Preis", erklärt Jox vom Institut für Medizinethik an der Uni München. Solange der Arzt gut begründen kann, warum er keine Indikation für eine OP sieht, "darf er auf die Operation verzichten, ohne sich juristischen Risiken auszusetzen." Unterberg ergänzt: "Das sind höchst individuelle Entscheidungen, die allen Beteiligten jedes Mal schwer fallen werden. Es gibt keine Patentlösung."

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