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Leberkrebs entwickelt sich oft schleichend

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Leberkrebs  

Leberkrebs entwickelt sich schleichend

13.11.2013, 09:57 Uhr | dpa

Leberkrebs entwickelt sich oft schleichend. Chronische Leberleiden werden oft erst spät entdeckt, da sie anfangs keine Beschwerden verursachen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Chronische Leberleiden werden oft erst spät entdeckt, da sie anfangs keine Beschwerden verursachen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Lebererkrankungen bleiben oft über einen langen Zeitraum unbekannt, wie die Krankengeschichte von André Trillisch zeigt. Irgendwann in den 1980er Jahren muss er sich bei einem Krankenhausaufenthalt mit Hepatitis C infiziert haben. 20 Jahre lang zerfraß diese Krankheit seine Leber. Er merkte nichts. Dann ging es ganz schnell: Aszitis, Leberzirrhose, Leberkrebs. "Das hängt alles miteinander zusammen", sagt Trilisch. Er hatte Glück: Zumindest der Krebs wurde früh erkannt.

André Trilisch ist einer von 8000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an Leberkrebs erkranken. Zwei Drittel der Neuerkrankten sind Männer. Ein Großteil von ihnen hat sich Jahre vorher mit Hepatitis B oder C infiziert, ein anderer Teil hat sich die Leber durch Alkoholmissbrauch zerstört. Zunehmend ist auch eine Fettleber, ausgelöst durch Übergewicht, eine Ursache für Leberkrebs. "Heilung ist möglich, wenn man den Krebs sehr frühzeitig entdeckt", erklärt Prof. Arndt Vogel von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Erst Leberzirrhose, dann Leberkrebs

Viele Patienten mit chronischen Lebererkrankungen entwickeln zunächst eine Leberzirrhose. In der zerstörten Leber wächst dann der erste Tumor. Beschwerden in der Leber macht er nicht. Trilisch war nur manchmal ein bisschen müde. Körperliche Schwäche gehört zu den ersten Symptomen. Deutliche Hinweise sind dann Blutungen in der Speiseröhre oder Wasser im Bauch, von Medizinern Aszitis genannt. Deswegen sollten Risikopatienten alle sechs Monate per Ultraschall untersucht werden. Zur Risikogruppe gehören Menschen mit Leberzirrhose oder Fettleber, aber auch Menschen mit chronischen Lebererkrankungen.

Experte fordert routinemäßige Hepatitis-Tests

Wie Trilisch wissen viele Menschen gar nicht, dass sie zur Risikogruppe gehören. Hepatitiserkrankungen verlaufen in den ersten Jahren häufig unbemerkt. Der Leber-Spezialist Prof. Nisar Peter Malek von der Universitätsklinik Tübingen hält daher routinemäßige Hepatitis-Tests "aus medizinischer Sicht für empfehlenswert". So könnten Risikopatienten früh erkannt und behandelt werden. Bei Trilisch wurde der Krebs in der Leber bei einer der halbjährlichen Ultraschalluntersuchungen entdeckt. Die Tumore herauszuoperieren, war wegen seiner Leberzirrhose nicht möglich. "Eine Operation kommt in der Regel nur bei Patienten infrage, die eine gute Leberfunktion haben", sagt Malek. Das seien rund fünf Prozent der Erkrankten. "Allerdings kommt der Tumor bei mehr als der Hälfte der operierten Patienten wieder", fügt Vogel hinzu. Aber es gebe auch Patienten, bei denen der Tumor entfernt wird und die nie wieder Probleme haben.

Radiotherapie gegen aggressive Tumorzellen

Trilisch wurde schließlich mit einer selektiven internen Radiotherapie (SIRT) behandelt. Dabei werden winzige radioaktive Kugeln in das Tumorgewebe eingebracht. Sie greifen die Tumore von innen heraus an, ohne die Leber weiter zu gefährden. Doch die Gefahr, dass sich in der zerstörten Leber neue Tumore bilden, bleibt. "Wenn die Leberfunktion schon eingeschränkt ist und Leberkrebs vorliegt, dann sind das Patienten für eine Transplantation", erklärt Malek. Ab einer bestimmten Tumorgröße werden die Patienten auf der Warteliste nach oben gestuft, in ein bis anderthalb Jahren bekommen sie in der Regel eine Spenderleber. "Danach sind sie quasi geheilt."

Weitere Alternativen zur Transplantation

Eine Lebertransplantation kommt allerdings nur für rund 15 Prozent der Krebskranken infrage. Bei wem weder eine Transplantation noch eine Operation oder ein anderes lokales Therapieverfahren möglich ist, kann sich einer Chemotherapie unterziehen. An weiteren Therapien wird geforscht. Zuletzt schien ein neuer Therapieansatz mit genetisch veränderten Viren vielversprechend. Sie sollten sich speziell in den Tumoren vermehren und sie auflösen. "In einer gerade durchgeführten größeren Studie zeigte sich aber, dass durch dieses Verfahren keine Lebensverlängerung erreicht werden konnte", erläutert Vogel.

Lebertransplantation als letzte Lösung

Gut ein Jahr nach der Diagnose Leberkrebs klingelte nachts um drei bei Trilisch das Telefon: der ersehnte Anruf für die Transplantation. Zehn Tage später wurde er mit einer neuen Leber aus dem Krankenhaus entlassen. Heute arbeitet er wieder, geht regelmäßig zur Kontrolle. "Die Ärzte sind zufrieden mit mir", sagt Trilisch. Für diesen Moment hat er aber lange gekämpft. "Die Suche nach einem guten Arzt war schwierig", sagt er heute. Und so schlimm die Diagnose Leberkrebs auch sei: Gerade dann müsse man aktiv werden. Er rät jedem Erkrankten, in eine Spezialklinik zu fahren und einen Angehörigen mitzunehmen, der zuhört, wenn man selbst nicht mehr kann. Besonders wichtig sei es, ein Lebertransplantationzentrum aufzusuchen. "Wer sich zum Beispiel hier in Tübingen vorstellt und die Voraussetzungen erfüllt, wird auf die Transplantationsliste gesetzt", sagt Malek. Außerdem rät Trilisch, bei Unsicherheiten auch die Meinung eines weiteren Arztes einzuholen.

So gefährlich Leberkrebs auch ist, so leicht lässt sich das Risiko einer Erkrankung verringern. Wer wenig Alkohol trinkt, ist schon einmal weniger gefährdet. Wer viel in Entwicklungsländern unterwegs ist, sollte sich auf Hepatitis testen lassen. Und der gefährlichen Fettleber beugt vor, wer sich gesund ernährt und ausreichend bewegt.

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