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Gallensteine: Ursachen, Symptome und Behandlung von Cholelithiasis

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Vorsicht bei Bauchschmerzen  

Gallensteine: Ursachen, Symptome, Behandlung

08.12.2017, 10:38 Uhr | t-online.de

Gallensteine: Ursachen, Symptome und Behandlung von Cholelithiasis. Frauen sind doppelt so oft von Gallensteinen betroffen wie Männer.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Frauen sind doppelt so oft von Gallensteinen betroffen wie Männer. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gallensteine – Jeder sechste Deutsche hat sie, oft ohne es zu merken. Denn erst ab einer bestimmten Größe verursachen die Ablagerungen in der Gallenblase Schmerzen. Wir sagen Ihnen, wie Sie Gallensteine, auch Cholelithiasis genannt, erkennen und behandeln und mit welchen Maßnahmen Sie vorbeugen können.

Was sind Gallensteine?

Gallensteine sind Ablagerungen in der Gallenblase oder den Gallengängen, die entstehen, wenn sich zu viele schwer lösliche Stoffe, wie zum Beispiel Cholesterin, in der Gallenflüssigkeit befinden. Der medizinische Fachausdruck für das Gallensteinleiden ist Cholelithiasis (von griech. chole = Galle; lithos = Stein). Je nach Lage der Gallensteine wird zwischen Cholezystolithiasis (Gallenblase) und Choledocholithias (Gallengang) unterschieden. 

Die Galle: Warum ist sie so wichtig?

Die Gallenflüssigkeit, auch Galle genannt, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Stoffwechsels. Über einen halben Liter Gallensaft wird pro Tag in der Leber gebildet und in der Gallenblase, einem kleinen, birnenförmigen Beutel unterhalb der Leber, zwischengespeichert. Bei Nahrungsaufnahme wird sie über die Gallengänge in den Dünndarm, genauer den Zwölffingerdarm geleitet, wo sie die Verdauung von Fetten unterstützt. Die Gallenblase fungiert also als eine Art Speicher, der immer eine kleine Menge, nämlich bis zu 50 ml, der gelbgrünen Verdauungsflüssigkeit bereithält. Über den Gallensaft werden außerdem Giftstoffe und Abbauprodukte ausgeschieden.

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Wie entstehen Gallensteine?

Die Gallenflüssigkeit besteht zu 80 Prozent aus Wasser. Außerdem enthält sie Cholesterin und Gallensäuren, die das schwer lösliche Cholesterin im Wasser lösen und der Fettverdauung dienen. Gallenfarbstoffe, wie Bilirubin, das Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin, und Biliverdin, sorgen für die gelbgrüne Färbung der Flüssigkeit. Kommt es nun zu einem Ungleichgewicht – befindet sich also zu viel Cholesterin oder Bilirubin oder zu wenig Gallensäure im Gallensaft – bilden sich Kristalle. Entsprechend ihrer Zusammensetzung unterscheidet man drei Arten von Gallensteinen:

  • Cholesterinsteine kommen in Industrieländern am häufigsten vor, nämlich in 80 Prozent der Fälle. Sie sind gelblich gefärbt, eher weich und können mit bis zu 13 Millimetern in etwa so groß werden wie eine Kirsche. Die Ernährung spielt bei ihrer Entstehung eine nachgewiesene Rolle.
  • Pigmentsteine bestehen hauptsächlich aus Bilirubin und sind in der Regel kleiner, dunkler (braun bis schwarz) und härter als Cholesterinsteine. Etwa 20 Prozent der Gallensteine sind Pigmentsteine. Die Ernährung spielt bei ihrer Entstehung keine Rolle, sondern sie werden durch Erkrankungen wie beispielsweise Leberzirrose verursacht.
  • Mischungen aus Cholesterin- und Pigmentsteinen sind die dritte Art und kommen relativ selten vor. Neben der Ernährung begünstigen entzündliche Prozesse im Körper die Entstehung dieser Steine.

Cholesterinsteine bestehen zu 70 Prozent aus Cholesterin, sind aufgrund des Gallenfarbstoffs Bilirubin gelblich gefärbt und bis zu 13 Millimeter groß. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Cholesterinsteine bestehen zu 70 Prozent aus Cholesterin, sind aufgrund des Gallenfarbstoffs Bilirubin gelblich gefärbt und bis zu 13 Millimeter groß. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gallensteine kommen bei etwa 15 bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland vor – aber nur 25 Prozent der Betroffenen entwickeln tatsächlich Beschwerden. Zunächst entstehen nur kleinere Steinchen (Gries), die jedoch zu Gallensteinen heranwachsen und mit zunehmender Größe starke Schmerzen und weitere Komplikationen verursachen können. Gallensteine, die bei der Untersuchung entdeckt werden und keine Symptome hervorrufen, benötigen keine Therapie. 

Ursachen: die größten Risikofaktoren

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Gallensteinen spielt eine cholesterinreiche und ballaststoffarme Ernährung. Aber auch bestimmte Krankheiten und erbliche Vorbelastung können Ursachen für Gallensteine sein. Meist sind es mehrere Faktoren, die zur Entstehung von Cholelithiasis beitragen:

  • Geschlecht: Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Grund dafür ist das weibliche Hormon Östrogen, das die Produktion von Cholesterin ankurbelt. Ein erhöhter Östrogen-Spiegel, zum Beispiel durch eine Schwangerschaft, die langjährige Einnahme der Anti-Baby-Pille oder eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, steigert daher auch das Risiko für Gallensteine. 

6-F-Regel: die größten Risikofaktoren für Gallensteine
• female (weiblich)
• fair (hellhäutig)
• fat (übergewichtig)
• forty (40 Jahre und älter)
• fertile (fruchtbar, schwanger)
• family (familiäre Veranlagung)

  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, Gallensteine zu bekommen. Personen ab 40 Jahre haben häufiger ein Gallensteinleiden. 
  • Übergewicht: Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) infolge einer fett- und kalorienreichen Ernährung begünstigen die Entstehung von Gallensteinen. 
  • Gewichtsverlust: Auch Fasten oder strenge Diäten können Cholelithiasis begünstigen, da die Gallenflüssigkeit in der Gallenblase auf ihren "Einsatz" wartet, sich anstaut sich und eindickt.
  • Krankheiten: Erkrankungen, wie DiabetesLeberzirrhose oder eine Schilddrüsenunterfunktion können die Bildung von Gallensteinen begünstigen.
  • Vererbung: Gallensteine treten innerhalb einer Familie häufiger auf. Die Anlage für Cholelithiasis ist demnach vererbbar.

Symptome: erste Anzeichen für Gallensteine

Die ersten Symptome sind in der Regel schwer zu erkennen und können leicht mit einem Herzinfarkt oder Magen-Darm-Leiden verwechselt werden. Die Beschwerden treten meist während oder nach dem Verzehr von fettreicher Nahrung auf – in Form von Völlegefühl oder Übelkeit. Auch Blähungen und Sodbrennen sind häufige Begleiterscheinungen. Bestimmte Speisen, kalte Getränke oder Kaffee werden plötzlich nicht mehr gut vertragen. Schmerzen im rechten Oberbauch, die bis in die Schulter oder in den Rücken ausstrahlen können, sind ebenfalls mögliche Symptome für Gallensteine und weisen auf eine Gallenkolik hin.

Neben Beschwerden, die einer Magenverstimmung ähneln, können Gallensteine aber auch äußere Symptome, wie Juckreiz und eine Gelbfärbung der Haut, hervorrufen. Eine Verfärbung der Skleren (der weiße Teil des Auges), heller Stuhlgang und Durchfall sind ebenfalls Anzeichen für Gallensteine. 

Die Symptome bei Gallensteinen im Überblick:

  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Blähungen
  • Durchfall
  • heller Stuhl
  • Sodbrennen
  • Juckreiz
  • Gelbfärbung der Haut oder Augen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Schmerzen in Schulter oder Rücken

Diagnose: Diese Untersuchungsmethoden gibt es

Aufgrund der verschiedenen Symptome ist es wichtig, bei Verdacht auf Gallensteine einen Spezialisten aufzusuchen. Neben dem Abtasten des Bauchbereichs unterhalb des rechten Rippenbogens gibt es verschiedene Untersuchungsmethoden, mit denen der Arzt herausfinden kann, ob und wo sich Gallensteine gebildet haben.

  • Ultraschalluntersuchung: Die gängigste Methode, um Gallensteine zu diagnostizieren, ist die Sonographie, mittels der sich Gallensteine in der Gallenblase nachweisen lassen, die größer als 5 Millimeter sind. Zudem erhält der Arzt Aufschluss über Größe und Beschaffenheit der Gallenblase sowie Bauchspeicheldrüse und kann so erkennen, ob eine Entzündung dieser vorliegt.
  • Blutuntersuchung: Sind Leberenzyme und Gallenfarbstoffe, wie Bilirubin, im Blut erhöht, deutet dies auf einen Stau der Galle hin. Ist das Enzym Lipase erhöht, ist ebenfalls die Bauchspeicheldrüse betroffen.
  • Röntgenuntersuchung/Computertomografie (CT): Diese Methoden sind nur dann noch sinnvoll, wenn verkalkte Gallensteine aufgespürt werden sollen, die jedoch nur ein Viertel der Gallensteine ausmachen. Mit einer Röntgenaufnahme kann auch freie Luft im Bauch erkannt werden, die auf eine geplatzte Gallenblase hinweist.
  • ERCP: Bei diesem Röntgenverfahren (endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikografie), können über ein Endoskop, das über den Mund bis zum Zwölffingerdarm geschoben wird, die Gallenwege untersucht und kleine Steinchen direkt entfernt werden. 
  • MRCP: Bei der röntgenstrahlfreien Magnetresonanz-Cholecysto-Pankreatikografie können die Gallenwege und ihre Umgebung abgebildet werden. 

Gallenkolik: Gallensteine im Gallengang

Gefährlich werden Gallensteine, wenn sie in den Gallengang rutschen und dort hängenbleiben. Die Gallenflüssigkeit kann dann nicht mehr in den Darm abfließen. Die Muskulatur im Gallengang will nun den Stein weiterschieben, um den Weg für die Gallenflüssigkeit freizumachen und zieht sich dabei zusammen. Dann kommt es zu krampfartigen, sehr heftigen Schmerzen im Oberbauch, die zwischen 15 min. und fünf Stunden anhalten und auch in die Schulter oder den Rücken ausstrahlen können. Begleitet sind Gallenkoliken oft von Übelkeit und Erbrechen. Auch wenn die Kolik von selbst wieder vorübergeht, sollten Betroffene daher zum Arzt gehen, denn durch den Stau kann es zu schmerzhaften Entzündungen der Gallenblase und Bauchspeicheldrüse kommen.

Ausführlich: Wie gefährlich ist eine Gallenkolik?

Komplikationen: mögliche Folgen einer Gallenkolik

Gallensteine sind zunächst nicht weiter dramatisch. Viele Menschen leben jahrelang ohne jegliche Beschwerden mit Gallensteinen. Sobald die Steinchen mit dem Sekret in die Gallengänge gespült werden, dort stecken bleiben und so die Flüssigkeit stauen, können sie jedoch ernste Krankheiten auslösen. Blockieren die Steine die Gänge über längere Zeit, ist, je nach Lage, eine Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis), der Gallengänge oder der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) die mögliche Folge. Eine unbehandelte Gallenblasenentzündung kann zum Platzen der Gallenblase führen. Wenn dann Gallensaft in den Bauchraum gelangt, kann es zur Infektion der benachbarten Organe und einer lebensbedrohlichen Bauchfallentzündung kommen.

Auch ein Darmverschluss, Gelbsucht und schwere Leberschäden können die Folge von Gallensteinen sein. In sehr seltenen Fällen können sie sogar Gallenblasenkrebs verursachen.

Behandlung: Was tun bei Gallensteinen?

Verursachen die Steine keine oder nur leichte Symptome, ist keine Behandlung nötig. In den meisten Fällen geht eine Gallenkolik von selbst vorbei. In Anbetracht der extremen Schmerzen sollten Sie dennoch einen Arzt aufsuchen. Dieser wird Ihnen geeignete Schmerzmittel und krampflösende Medikamente verabreichen. Als Hausmittel empfehlen sich warme Wickel oder eine Wärmflasche zur Linderung der Krämpfe. Vermeiden Sie außerdem stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel, die zur Ausschüttung von Gallensaft anregen und somit die Schmerzen verstärken.

Mit dem Zertrümmern der Steine oder Auflösen durch Medikamente ist hingegen nicht viel gewonnen. Es bilden sich binnen kurzer Zeit neue Gallensteine, denn ihre Ursache ist nicht beseitigt.

Gallensteine entfernen: Wann ist eine Operation notwendig?

Kleinere Gallensteine können mit einem Endoskop entfernt werden. Die Methode ist ganz einfach: Über die sogenannte Knopflochchirurgie wird ein Endoskop durch den Mund des Patienten eingeführt und über die Speiseröhre bis zum Dünndarm geschoben. Eine Zange, die am Ende des Endoskops angebracht ist, greift den unerwünschten Gallenstein und entfernt ihn.

Bei ständig wiederkehrenden Beschwerden raten die Ärzte meist zur Entfernung der Gallenblase, da bei großen Gallensteinen auch die Gefahr steigt, an Gallenblasenkrebs zu erkranken. Auch wenn bereits eine Gallenblasenentzündung vorliegt, ist eine OP sinnvoll, da es sonst zum Platzen der Gallenblase kommen kann. 

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 190.000 Gallenblasen operativ entfernt. Das geht problemlos, da der Gallengang erhalten bleibt und einfach die Aufgaben der Gallenblase übernimmt. Die OP erfolgt minimalinvasiv, das heißt die erforderlichen Instrumente werden durch nur wenige Millimeter großen Einschnitte in den Bauchraum geschoben. 

Leben ohne Gallenblase: Was ändert sich nach einer Operation?

Da die Gallenblase nicht lebenswichtig ist, stellt ein Leben ohne das Organ in der Regel kein Problem dar. Die meisten Menschen haben nach einer Entfernung der Gallenblase keine oder nur wenige Beschwerden. Bei normaler gesunder Ernährung ist die Leber in der Lage, die nötige Menge an Gallensaft schnell zu produzieren. Ohne die „Produktion auf Vorrat“ von Gallenflüssigkeit kann es zu einer schlechteren Verträglichkeit fettreicher Nahrung kommen. Von daher sollten Sie eher kleine Portionen zu sich nehmen und sehr fettreiche Nahrungsmittel vermeiden. Bei manchen Menschen erweitert sich nach der Operation der Gallengang und übernimmt damit eine Art Speicherfunktion. Menschen, denen sie operativ entfernt werden musste, sollten sich gesund ernähren und Übergewicht vermeiden.

Ernährung: Gallensteinen vorbeugen

Wer Gallensteinen vorbeugen will, sollte sich cholesterinarm und ballaststoffreich ernähren und möglichst viel bewegen. Um die Gallenblase nicht zu überlasten, empfiehlt es sich, bestimmte Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe nicht in großen Mengen zu verzehren.

Reduzieren Sie den Anteil an Fleisch, fettreichen Soßen und Süßigkeiten. Stattdessen sollten Sie mehr ObstGemüse und Ballaststoffe essen. Die Ballaststoffe binden das Cholesterin und verhindern auf diese Weise eine Anreicherung in der Gallenflüssigkeit. Fisch ist ebenfalls eine gute Wahl. Die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren senken das Cholesterin in der Gallenflüssigkeit und stärken zudem das Herz-Kreislauf-System. Vor allem LachsHering, Sardine und Makrele weisen einen besonders hohen Anteil dieser gesunden Öle auf.

Auch eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr und Bewegungsmangel fördern die Bildung von Gallensteinen. Achten Sie daher neben einer täglichen Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern in Form von Wasser und kalorienarmen Getränken auch auf genügend Bewegung.

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