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Erkältung: Das taugen die Erkältungsmittel aus der Werbung

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Sinupret, Meditonsin, Echinacea und Co.  

Das taugen die Erkältungsmittel aus der Werbung

06.03.2014, 18:12 Uhr | Nicola Kuhrt, Spiegel Online

Erkältung: Das taugen die Erkältungsmittel aus der Werbung. Stiftung Warentest: Gegen Erkältungsbeschwerden werden viele Kombipräparate angeboten, doch laut Stiftung Warentest sind sie nicht empfehlenswert. (Quelle: dpa)

Gegen Erkältungsbeschwerden werden viele Medikamente angeboten. Spiegel Online hat die gängigsten von einem Experten bewerten lassen. (Quelle: dpa)

Auf welche Medikamente schwören Sie bei Erkältungen? Eine Leserbefragung ergab: Sinupret, Umckaloabo, Meditonsin, Grippostad C, Gelomyrtol forte und Echinacea zählen zu den beliebtesten Mitteln. Arzneiexperte Peter Sawicki hat ihren Nutzen geprüft.

Mit zuverlässiger Gewissheit rollt sie jährlich über Deutschland: 2013 war die Erkältungswelle offenbar so stark, dass sie den Krankenstand auf ein Höchstniveau der vergangenen 14 Jahre trieb. Einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge waren Arbeitnehmer durchschnittlich 14,7 Tage krankgeschrieben - 2,4 Tage davon aufgrund einer Atemwegserkrankung.

Dabei versuchen Betroffene möglichst viel, um einer drohenden Erkältung zu entkommen: "Am ersten Tag trinke ich einfach ganz viel Tee, dazu gibt es heiße Hühnerbrühe. Meistens bin ich dann schon am nächsten Morgen wieder fit", empfiehlt etwa eine Leserin. Andere setzen auf Obst, "ganz viel Mineralwasser", oder "Salbeitee zum Gurgeln".

UMFRAGE
Was tun Sie gegen eine Erkältung?

Nutzen von Medikamenten aus der Apotheke getestet

Doch wie gut helfen Medikamente bei Erkältungen? In unserem ersten Medikamenten-Check für Erkältungsmittel hatten wir Freiwillige in die Apotheke geschickt und anschließend die empfohlenen Präparate (Wick DayMed, Snup, Aspirin Complex , Influex, Dorithricin Cetebe und Lemocin) auf ihren Nutzen prüfen lassen. Zudem haben wir Sie, liebe Leser, gefragt, auf welche Medikamente Sie bei einer Erkältung schwören.

Urteil eines Arzneiexperten

Hunderte Leser schickten uns ihre Vorschläge. Die meist genannten Mittel haben wir unserem Medikamenten-Check unterzogen: Dazu baten wir den Arzneiexperten Peter Sawicki, die Präparate für SPIEGEL ONLINE anhand der vorhandenen klinischen Studien zu begutachten.

Peter Sawicki, Jahrgang 1957, arbeitet als Internist und Diabetologe. Von 2004 bis 2010 war er Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln. Das unabhängige Institut prüft systematisch den Nutzen und Schaden von Medikamenten

Als zusätzliche neutrale Quelle haben wir die Ergebnisse des Handbuchs "Rezeptfreie Medikamente" der Stiftung Wartentest hinzugezogen. In der Aufstellung sehen sie, welche Erkältungsmittel taugen.

Sinupret

Wirkstoffe: Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten, Schlüsselblumemblüten (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen - also nicht bei grippalen Symptomen.

Fazit: Medikament nicht notwendig.

Stiftung Wartentest: Wenig geeignet bei Nebenhöhlenentzündung, weil die therapeutische Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen ist. Nicht sinnvolle Kombination.

Der Hersteller: Dem Fazit der Stiftung Warentest widerspricht Bionorica. In einer Stellungnahme schreibt das Unternehmen: "Sinupret forte hat im Rahmen der Neuzulassung im Jahre 1997 eindeutig seine hohe pharmazeutische Qualität und Wirksamkeit in der Behandlung von akuten Nasennebenhöhlenentzündungen nachgewiesen." Zur klinischen Wirksamkeit gebe es eine Vielzahl von Studien. Sinupret forte habe sich zum meist verkauften pflanzlichen Arzneimittel Deutschlands entwickelt, was die Zufriedenheit der Anwender bestätige.

Umckaloabo

Wirkstoff: Pelargonium-sidoides-Wurzeln-Auszug (Pelargonienwurzelextrakt; hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Mehrere Studien mit mäßig guter Qualität haben die Effekte von Umckaloabo untersucht. Das Medikament könnte demnach die Symptome von Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung und Schnupfen verringern. Bei Kindern mit Bronchitis scheint Umckaloabo als Lösung besser zu wirken als in Tablettenform. Doch es gibt auch Berichte über Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen und Leberschäden.

Fazit: Umckaloabo hilft möglicherweise bei der Reduktion der Symptome von oberen Atemwegsinfektionen. Nebenwirkungen können auftreten.

Stiftung Wartentest: Die Umckaloabo-Lösung ist bei akuter Bronchitis mit Einschränkung geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit der Tropfen sollte besser nachgewiesen werden. Die Tabletten sind bei akuter Bronchitis wenig geeignet. Deren therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen.

Der Hersteller: In einer E-Mail schreibt der Hersteller Dr. Schwabe: "Nahezu 10.000 Erwachsene und Kinder ab einem Jahr wurden in 25 Studien mit diesem zugelassenen Arzneimittel behandelt." Eine Zulassung werde nur erteilt, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu dem Schluss komme, dass die wissenschaftliche Datenlage ausreichend ist, um sowohl Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit des Produktes zu belegen. Dies gelte für die Umckaloabo-Lösung. Im Falle der Tabletten habe das 2009 zu einer Neuzulassung nach dem Arzneimittelgesetz geführt.

Meditonsin

Wirkstoffe: Aconitinum D5, Atropinum sulfuricum D5, Mercurius cyanatus D8

Sawicki: Homöopathisches Präparat ohne wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen.

Fazit: Medikament nicht notwendig.

Stiftung Wartentest: Keine Bewertung.

Der Hersteller: "Homöopathische Präparate stellen bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten eine schonende und nebenwirkungsarme Alternative zu chemisch definierten Präparaten dar", schreibt die Firma Medice in einer E-Mail. Meditonsin sei im Gegensatz zu den meisten anderen Homöopathika ein vom BfArM zugelassenes Arzneimittel und sei kürzlich erneut durch das Institut bewertet und als wirksam und sicher befunden worden.

Grippostad C

Wirkstoffe: 200 mg Paracetamol, 150 mg Ascorbinsäure (Vitamin C), 25 mg Koffein, 2,5 mg Chlorphenaminmaleat (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Paracetamol wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd. Vitamin C und Koffein haben keinen wissenschaftlich belegten Effekt bei der Behandlung viraler Erkrankungen oberer Atemwege. Chlorphenaminmaleat ist ein antiallergischer Wirkstoff. Grippostad C ist in einer kontrollierten Studie untersucht worden. Die wissenschaftliche Qualität dieser Studie ist allerdings so niedrig, dass sich daraus kein Beleg eines Nutzens dieses Präparates ableiten lässt.

Fazit: Ein Nutzen ist nicht belegt.

Stiftung Warentest: Wenig geeignet bei Erkältungen und grippalen Infekten, weil das Mittel nicht sinnvoll zusammengesetzt ist. Um Schmerzen zu lindern und Fieber zu senken, genügt Paracetamol allein.

Der Hersteller: Auch die Stada AG beruft sich in ihrer Stellungnahme auf die Zulassung seitens des BfArM: "Bei Grippostad C handelt es sich um ein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung von Erkältungssymptomen", schreibt eine Pressesprecherin. In einer klinischen Studie von 2002 habe man nachweisen können, dass jede der vier Einzelkomponenten zum Behandlungserfolg beitrage und die Kombination damit den Einzelsubstanzen überlegen sei.

Gelomyrtol forte

Wirkstoffe: Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl (Myrtol), Zitronenöl

Sawicki: Mehrere Studien mit mäßig guter Qualität haben die Effekte von Myrtol untersucht. Das Medikament könnte Symptome von Infektionen der Bronchien und Nasennebenhöhlen lindern.

Fazit: Gelomyrtol kann bei Bronchitis und Nasennebenhöhleninfektionen nutzen. Bei grippalen Infekten ist es nicht untersucht.

Stiftung Warentest: Gelomyrtol ist bei Husten als sekretlösendes Mittel mit Einschränkung geeignet. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen.

Der Hersteller: Auch bei Pohl-Boskamp beruft man sich auf das BfArM, das die Präparate Gelomyrtol und Gelomyrtol forte "zur sekretolytischen Therapie und Erleichterung des Abhustens bei akuter und chronischer Bronchitis" sowie "zur sekretolytischen Therapie bei Sinusitis" zugelassen habe. Die Beurteilung durch Stiftung Warentest sei irritierend, schreibt ein Pressesprecher auf Anfrage, da diese ihre Beurteilung für den Wirkstoff Myrtol nur auf zwei Studien stütze. Dabei umfasse das wissenschaftliche Material dazu weitere klinische Studien, unter anderem eine aktuelle Untersuchung aus 2013, die bei der Bewertung nicht mit eingeflossen seien.

Echinacea

Wirkstoff: 100 mg Purpursonnenhutkraut-Presssaft

Sawicki: Echinacin ist in mehreren wissenschaftlichen Studien von relativ guter Qualität untersucht worden. Demnach hat es keinen positiven Effekt auf die Vorbeugung grippaler Infekte. Bei der Behandlung einer schon bestehenden Infektion sind die Studienergebnisse widersprüchlich.

Fazit: Es liegen kein belegter Nutzen bei der Vorbeugung und ein unsicherer Effekt bei der Behandlung grippaler Infekte vor.

Stiftung Warentest: Mit Einschränkung zur unterstützenden Behandlung bei häufig wiederkehrenden Atemwegsinfekten geeignet. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert zu bestimmen.

Der Hersteller: Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE hat sich Ratiopharm bisher noch nicht geäußert.

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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