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Herz: Drei spannende Fälle eines Herz-Spezialisten

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Arzt wird selbst zum Patienten  

Drei spannende Fälle eines Herz-Spezialisten

28.05.2014, 11:47 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Herz: Drei spannende Fälle eines Herz-Spezialisten. Herz: Drei spannende Fälle eines Herz-Spezialisten (Quelle: W&B/Ronald Frommann )

Professor Meinertz ist Kardiologe und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg. (Quelle: W&B/Ronald Frommann )

Als Kardiologe hat man jeden Tag mit herzkranken Menschen zu tun. Manche Patienten vergisst man nie mehr. Entweder weil ihre Heilung einem Wunder gleicht oder weil ihr Krankheitsverlauf so schwer ist, dass die Medizin versagt. Wir haben den Herzspezialisten Professor Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, gefragt, was die spannendsten Fälle in seiner Laufbahn waren und wie es ist, wenn man selbst zum Patienten wird.

Professor Meinertz ist Kardiologe und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg. In seinem Buch "Herzangelegenheiten. Fallgeschichten auf Leben und Tod" (C.H. Beck Verlag) berichtet er über Patienten, die ihn nie mehr so richtig losgelassen und die sein medizinisches Wissen geprägt haben: "Die Patienten mit ihren Erkrankungen sind unsere Lehrmeister", sagt er. "Jedes geschilderte Patientenschicksal kreist um das Leiden eines Menschen und damit auch um die Macht beziehungsweise Ohnmacht seiner behandelnden Ärzte." Das musste er auch bei einem seiner ersten Fälle erfahren.

Kammerflimmern kann den Tod bringen

Nach drei Jahren fachkardiologisch-internistischer Ausbildung arbeitete Meinertz an der Klinik für Herzkrankheiten an der Universitätsklinik Mainz und erlebte dort einen Fall, wie er ihn bislang noch nie hatte. An einem Samstagabend wurde er in die Notaufnahme gerufen. Eine junge Patientin litt unter Kammerflimmern mit Kreislaufstillstand. Erst durch den Einsatz von Elektroschocks normalisierte sich ihr Herzrhythmus wieder. Meinertz war schockiert, dass diese Symptome bei einem so jungen Mädchen auftraten.

50 Elektroschocks in einer Nacht

Die Patientin kam für eine EKG-Kontrolle auf die Überwachungsstation. Das Kammerflimmern trat wieder und wieder auf. Meinertz hielt diese Nacht an dem Bett der Patientin Wache: "Mir war völlig klar, eine einzige Unaufmerksamkeit, ein kurzzeitiges Einschlafen meinerseits, ein technisches Versagen des Defibrillators – und alles wäre zu Ende gewesen. Für diese Situation gab es damals weder Therapieempfehlungen in Fachbüchern noch allgemein verbindliche Leitlinien." Insgesamt 50 Mal musste Meinertz die Elektroschocktherapie anwenden. Mit dem Morgen stabilisierte sich überraschend der Herzrhythmus der Patientin. Erst dann konnten die Ärzte ihr Betarezeptorenblocker verabreichen, welche die Bildung des Stresshormons Adrenalin hemmen. Mit dieser Therapie war die Patientin auch in den nachfolgenden Jahren beschwerdefrei. Herzrhythmusstörungen traten nicht mehr auf.

Patientin nahm regelmäßige Kontrolluntersuchungen nicht wahr

"Doch die Empfehlung der Ärzte zu regelmäßigen Kontrollen geriet in Vergessenheit", erinnert sich Meinertz. "Zwölf Jahre nach dieser dramatischen Nacht brach die Patientin während eines Diskothekenbesuchs zusammen. Lebensrettende Maßnahmen wie Herzmassage und Elektroschock unterblieben. Die Patientin starb unter den Augen eines ebenso erstarrten wie fassungslosen Publikums."

Wenn der Arzt selbst zum Patienten wird

Meinertz behandelt nicht nur die Herzbeschwerden seiner Patienten. Eines Tages hatte er plötzlich selbst Vorhofflimmern und fühlte sich wie "in einer verkehrten Welt". Er, der Arzt, wurde zum Patienten: "Ich spürte, was es heißt, ein 'Leidender' zu sein." Die Rhythmusstörungen traten immer wieder in einer Dauer von Minuten bis Stunden auf. Manchmal hatte der Herzspezialist wochenlang keine Beschwerden, dann kam es mehrmals wöchentlich zu dem kritischen Flimmern. Zu dem Schritt, einen Kardiologen aufzusuchen, konnte sich der Experte nicht durchringen: "Aufgrund meiner langen Ausbildung kannte ich mich mit Vorhofflimmern sehr gut aus. Andererseits ist man in eigener Sache selten der beste Arzt. Das wusste ich und rate Kollegen deshalb immer, sich nicht selbst zu behandeln. Für mich traf ich aber eine andere Entscheidung. Da ich schlichtweg nicht herzkrank sein wollte, verzichtete ich zunächst auf eine weitere Herzdiagnostik."

Meinertz reduzierte seinen Salzkonsum, verzichtete auf seine Pfeife, trank kaum noch Alkohol und nahm einige Kilos ab.  Mit diesen Maßnahmen und mit Hilfe blutdrucksenkender Medikamente schaffte er es zwar, seinen Blutdruck zu normalisieren. Doch das Vorhofflimmern blieb. Über die Jahre nahmen die Beschwerden weiter zu.

Medikamente halfen nur kurzfristig

Er entschloss sich, nun doch Medikamente gegen das Vorhofflimmern einzunehmen. Es funktionierte, mehrere Monate war er beschwerdefrei. Dann erhöhte er die Dosis, weil die Wirkung des Medikaments wieder nachließ. Doch dadurch stand er immer öfter kurz vor der Bewusstlosigkeit: "Mehrfach musste ich mich sogar im Sitzen am Tisch festhalten. Offensichtlich führte die Erhöhung des Medikaments zu einem vorübergehenden Herzstillstand", erklärt Meinertz.

Er wechselte das Medikament. Doch auch diese Maßnahme half nur kurzfristig. "Es war absehbar, demnächst würde einer dieser Flimmerepisoden nicht mehr von selbst enden." Die Vermutung bewahrheitete sich. Kurz darauf litt der Arzt über Stunden hinweg an dem Vorhofflimmern und bat schließlich seinen Oberarzt um die Durchführung eines Elektroschocks, um seinen Herzrhythmus wieder einzupendeln. Doch auch der Erfolg dieser und weiterer Behandlungen war nur von kurzer Dauer. Am Ende kam der Herzspezialist um insgesamt drei Eingriffe nicht herum. Bei der sogenannten Vorhofflimmerablation wird das für die Herzrhythmusstörung verantwortliche Herzmuskelgewebe verödet. Heute ist Meinertz beschwerdefrei – seit fast zehn Jahren. Medikamente braucht er keine mehr.

Heute würde Meinertz früher zu einem Kollegen gehen

Auf die Frage, was er aus heutiger Sicht anders machen würde, sagt Meinertz: "Rückwirkend betrachtet, würde ich mich frühzeitiger in medikamentöse Behandlung begeben. Aber damals waren die Medikamente auch noch riskanter als sie es heute sind." Es sei nicht einfach gewesen, sich einzugestehen, selbst betroffen zu sein – und das als Arzt, sagt Meinertz. Es sei immer leichter, sich um die Erkrankungen anderer zu kümmern als um seine eigenen. "Dass ich mich so lange vor meiner Erkrankung versperrt habe, war zum größten Teil Selbstschutz", gibt der Experte zu.

Herzstillstand im Tierpark

Eine weitere, beeindruckende Geschichte erlebte der Herzexperte mit einer 27-jährigen Mutter. Bei ihr blieb auf einem Ausflug mit ihrer Familie plötzlich das Herz stehen. Unter Herzdruckmassage und Beatmung wurde die Patientin in die nahegelegene Universitätsklinik gebracht. Das EKG zeigte keine Aktivität des Herzens. "Die Ärzte setzten ihr eine Schrittmachersonde in die rechte Herzkammer ein, um das Organ zu stimulieren", erinnert sich Meinertz. "Trotzdem musste sie regelmäßig wiederbelebt werden, was aufgrund der starken Schüttelkrämpfe und des Sauerstoffmangels erschwert wurde."

Die Ärzte schafften es kaum, den Kreislauf der Patientin aufrecht zu erhalten und auch die Niere gab ihre Funktion auf. Sie musste an die Dialyse, damit das Blut gereinigt wird. "Es bestand ein Multiorganversagen, von dem auch die Lunge nicht verschont blieb", sagt Meinertz. "Eine begleitende Lungenentzündung und eine Blutvergiftung erschwerten die Sauerstoffaufnahme zusätzlich."

Ärzte hatten keine Erklärung für die Symptome

Die Patientin schwebte zehn Tage zwischen Leben und Tod. Das Dramatische war, dass die Ärzte keine Erklärung für die Ursache des Zustandes der Patientin hatten. "Nur eines war sicher. Am Anfang stand der elektrische Herzstillstand. Dies war ungewöhnlich. Auch weil jegliches Kammerflimmern ausblieb", erklärt der Herzexperte. "Ich hatte noch nie eine solche Situation bei einer so jungen Patientin erlebt." Die Experten entschließen sich, den Herzschrittmacher fest zu implantieren und der Zustand der Betroffenen verbessert sich.

Patientin verhielt sich so, als sei nichts gewesen

"Für uns war es ein Wunder, dass die Patientin nach fast drei Wochen tiefer Bewusstlosigkeit mit Sauerstoffminderversorgung des Gehirns und nach einem künstlichen Koma allmählich wieder aufwachte", erinnert sich Meinertz. "Sie schlug die Augen auf und nahm die Umwelt wahr, als sei nichts gewesen. Unfassbar!" Auch im Nachhinein bleibt das Krankheitsbild ungeklärt. Meinertz nimmt an, dass die Blutvergiftung mit Beteiligung des Herzens der Auslöser war, sicher wissen tut er es nicht. "Beim Verlassen der Klinik wirkte sie so, als sei sie immer gesund gewesen."

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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