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Herz-OP nehmen zu: Verbraucherzentralen kritisieren Profitgier

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Zu viele Geldanreize  

Verbraucherzentralen kritisieren "Profitgier" bei Herz-Operationen

22.07.2014, 16:11 Uhr | AFP, dpa

Herz-OP nehmen zu: Verbraucherzentralen kritisieren Profitgier. Die Zahl der Herz-Operationen ist in den letzten Jahren stark gestiegen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Zahl der Herz-Operationen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Herz-Operationen sind mittlerweile Routineeingriffe geworden. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen jedoch sind viele solcher Eingriffe vermeidbar. Grund dafür sei die Profitgier der Kliniken. "Es gibt finanzielle Interessen der Krankenhäuser, die für planbare, große Eingriffe wirken", erklärt die Gesundheitsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ilona Köster-Steinebach. Das gelte auch für die steigende Zahl von Herz-OPs.

"Es stellt sich daher die Frage, ob mit einer Operation immer die beste Behandlungsoption gewählt wird", sagt Köster-Steinebach. Alternativen könnten im Fall der Herz-Eingriffe Medikamente sein, aber auch mehr Bewegung, Gewichtsverminderung und Physiotherapie.

Krankenhäuser nehmen mehr OPs an Herzkranzgefäßen vor

Zu den Krankenhausbehandlungen in Deutschland wurde im Rahmen des Krankenhausreports 2014 der Barmer GEK eine Studie durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen die zahlreichen Herz-OPs gegen Verstopfung von Herzkranzgefäßen. Im vergangenen Jahr unterzogen sich Patienten in mehr als 330.000 Fällen im Krankenhaus einem solchen Eingriff oder einer Bypass-Operation. Obwohl in den vergangenen Jahren tendenziell weniger Menschen wegen Erkrankungen der Herzkranzgefäße im Krankenhaus waren, wurden bestimmte Operationen deutlich öfter vorgenommen.

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Der Report führt den Anstieg der Operationen zum Teil darauf zurück, dass heute auch Patienten mit koronarer Herzkrankheit behandelt werden, die früher aufgrund ihres Alters oder weiterer Erkrankungen gar nicht für eine Behandlung in Frage kamen. Zudem würden auch zunehmend Menschen mit anderen Herzerkrankungen behandelt.

Steigende Zahlen bei der Herzklappenchirurgie

Köster-Steinebach führt als weiteres Beispiel für die stark steigenden Operationszahlen die Herzklappenchirurgie an. 2008 habe es 11.700 solcher Eingriffe gegeben. Davon seien 11.200 klassische Operationen mit Öffnung des Brustkorbs gewesen. Bis 2012 sei die Zahl der Herzklappen-OPs auf 19.200 stark gestiegen. Die Zahl der klassischen Eingriffe sei aber um 1200 gesunken. Dafür habe es mehr als 9000 solcher Eingriffe nach einer neueren Methode gegeben, nach der eine Ersatzklappe zusammengefaltet per Katheter eingeführt wird.

Diese neuere Variante sei zwar weniger belastend etwa für ältere Patienten, berge jedoch das Risiko schwerer Nebenwirkungen, so Köster-Steinebach. Insofern seien Zweifel angebracht, ob der Anstieg medizinisch wirklich gerechtfertigt sei. Patienten, denen Ärzte zu einem planbaren, großen Eingriff raten, sollten darauf achten, dass ihnen auch Behandlungsalternativen erläutert werden, sagt die Gesundheitsexpertin. Sie sollten die Frage klären, was der Verzicht auf eine Operation bedeuten würde, und eine zweite Arzt-Meinung einholen.

Verbesserung der Lebensqualität nicht dokumentiert

Köster-Steinebach führt auch das Beispiel bestimmter Stents an, die verstärkt gegen Gefäßverengung am Herzen zum Einsatz kämen. Die Zahl der Eingriffe mit solchen beschichteten Stents stieg seit 2005 demnach um 224 Prozent. Im Gegenzug sanken die Eingriffe mit unbeschichteten Gefäßstützen sowie die Zahl der Bypass-Operationen am offenen Herzen deutlich.

Viele dieser Eingriffe würden nicht zur Senkung der Sterblichkeit, sondern für mehr Lebensqualität gemacht, sagt die Expertin. "Das Problem ist nun aber, dass niemand die erzielte Lebensqualität beziehungsweise deren Verbesserung nach den Eingriffen untersucht."

An die Gesundheitspolitik appelliert Köster-Steinebach, die finanziellen Anreize für Kliniken weg von großen, planbaren Operationen hin zu Notfall- und Grundversorgung zu verschieben.

Neue Impulse für die geplante Krankenhausreform

Die Barmer GEK nimmt für sich in Anspruch, aufgrund ihrer Ergebnisse auch Hinweise für die geplante Krankenhausreform geben zu können. Das Projekt wird derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit von den Bundes- und Landesregierungen sowie Vertretern der Koalitionsfraktionen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe ausgehandelt.

Köster-Steinebach wandte sich dagegen, die von der Koalition erwogenen Abschläge für Kliniken bei vergleichsweise schlechteren Leistungen umzusetzen. "Das bringt betroffenen Patienten im Nachhinein nicht viel", sagte sie. Bei schlechten Leistungen sollten Kliniken die entsprechenden Behandlungen vielmehr rasch verbessern oder gar nicht mehr anbieten.

Laut einem aktuellen Gutachten, das Hamburger und Berliner Forscher erstellt hatten, steigt an Deutschlands Krankenhäusern die Zahl der Behandlungen Jahr für Jahr um rund 220.000 bis 340.000 - bei nahezu gleicher Bevölkerungsgröße.

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