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Schlaganfall: Stents erhöhen Risiko eines erneuten Schlaganfalls

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Gutachten  

Stents erhöhen Risiko eines erneuten Schlaganfalls

10.10.2014, 09:23 Uhr | Nicola Kuhrt, Spiegel Online

Schlaganfall: Stents erhöhen Risiko eines erneuten Schlaganfalls. Gehirn-Stent: Medizinprodukt in der Kritik (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gehirn-Stent: Medizinprodukt in der Kritik (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schlaganfall-Patienten bekommen in Deutschland oftmals einen mit Arzneien beschichteten Stent eingesetzt. Das Röhrchen im Hirn soll eine erneute Attacke verhindern - doch das Gegenteil ist der Fall, wie ein Gutachten ergab.

Nach einem Schlaganfall erhalten Patienten nicht nur Medikamente, oft wird ihnen auch ein mit Arzneien beschichteter Stent in ein Blutgefäß im Gehirn eingesetzt - das ist gängige Praxis in deutschen Krankenhäusern. Das Röhrchen soll eigentlich neue Schlaganfälle verhindern. Doch ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kommt nun zu einem ganz anderen Ergebnis: Stents erhöhen demnach die Gefahr, statt sie zu senken.

Nutzen von Stents nicht genug belegt

Schon länger äußern Mediziner Kritik am Einsatz von Arzneien abgebenden Stents: Sie dienten eher den Geschäftsinteressen der Medizinproduktehersteller als der Gesundheit der Patienten. Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) - das Gremium der deutschen Krankenhäuser, Krankenkassen und Ärzte - fand, dass die Daten, die den Nutzen der Stents belegen sollten, nicht ausreichten - und beauftragte deshalb das IQWiG mit einer Untersuchung.

Das Institut analysierte vier vorherige Studien, die als belastbar galten. In einer zeigte sich etwa, dass 59 Patienten mit Stent einen erneuten Schlaganfall erlitten haben. Unter denjenigen, die nur Medikamente bekommen hatten, waren es dagegen nur 42.

Nach einem Schlaganfall ist das Risiko für weitere Vorfälle erhöht

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn Blutgefäße im Gehirn verengt oder verschlossen sind. Hatten Patienten bereits einen Schlaganfall oder eine Durchblutungsstörung, ist das Risiko hoch, dass es zu weiteren Vorfällen kommt. Deshalb bekommen Betroffene zumeist Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. Zudem können verengte Gefäße erweitert werden.

Dies geschieht häufig mithilfe eines kleinen Ballons und gleichzeitiger Gabe von Medikamenten, die das Blut verdünnen. Da aber dennoch Gefäßverengungen bestehen oder neue auftreten, werden seit rund zehn Jahren zusätzlich kleine Röhrchen aus Drahtnetz, die sogenannten Stents, eingesetzt. Sie sollen die erweiterten Blutgefäße stützen und einen neuerlichen Verschluss verhindern.

Therapienutzen wird neu beraten

Die IQWiG-Studie könnte nun dazu führen, dass diese Praxis ein Ende findet. Kommt das Institut zu dem Schluss, dass der Nutzen einer Therapie nicht hinreichend belegt, dass sie unwirksam oder gar schädlich ist, beschließt der G-BA, dass die Methode nicht mehr zulasten der Krankenkassen erbracht werden darf - was einem Stopp gleichkommt. Im Fall der Stents werde das weitere Vorgehen nun auf Basis der IQWiG-Studie beraten, sagt eine G-BA-Sprecherin Spiegel Online.

Es habe sich einmal mehr gezeigt, dass für potenziell riskante Medizinprodukte hochwertige Studien notwendig seien, erklären die Autoren des IQWiG-Gutachtens. Es komme nicht allein auf das Medizinprodukt an, sondern auch auf die Umstände seiner Anwendung. "Wer verlässliches Wissen über den Nutzen von Stents für die Patienten haben will, muss die gesamte Anwendung mit den Begleitfaktoren untersuchen und nicht nur die Stents selbst", sagt Stefan Sauerland, Leiter des Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren beim IQWiG.

Neue Medizinprodukte oft nicht besser als alte

Der Ärger mit den Stents ist kein Einzelfall. Immer wieder geraten Medizinprodukte in Verruf. Erst Anfang September hatte eine Studie des British Medical Journals gezeigt, dass viele neuartige Modelle von Hüft-und Knie-Implantaten im Vergleich zu älteren, etablierten Modellen keine nachweisbare Verbesserung bringen. Stattdessen sei das Risiko von Brüchen oder erneuten Operationen mit den neuen und zumeist deutlich teureren Modellen erhöht.

Die Medizinprodukte-Industrie wollte bisher von unnötigen Risiken nichts wissen. Man setze sich stets "für ein Höchstmaß an Patientensicherheit und Transparenz des Versorgungsgeschehens ein", erklärte ein Sprecher des Branchenverbands BVmed mit Blick auf die Studie des British Medical Journals. Beim Gelenkersatz müsse aber immer auch berücksichtigt werden, dass der Erfolg eines Eingriffs auch von den Fähigkeiten des Operateurs und später von einem korrekten Verhalten des Patienten abhänge.

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