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Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet

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Expertenchat zu Herzrhythmusstörungen  

Fragen und Antworten: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

26.10.2015, 11:40 Uhr | t-online.de

Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet. Gerät das Herz aus dem Takt, sollte man sich genau untersuchen lassen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gerät das Herz aus dem Takt, sollte man sich genau untersuchen lassen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Harmloses Stolpern oder gefährliches Flimmern? Herzrhythmusstörungen sind sehr verbreitet: Allein an Vorhhofflimmern leiden in Deutschland 1,8 Millionen Menschen. Für Betroffene ist es schwer zu erkennen, ob die Beschwerden gefährlich sind. Kardiologe Professor Bernd Nowak hat Ihre Fragen zum Thema Herzrhythmusstörungen im Expertenchat beantwortet.

Herzstolpern durch Stress?

Leserin Mia fragte: Kann Herzstolpern auch von Stress / Nervosität oder von einer Schilddrüsenstörung ausgelöst werden? Wenn ja, ist dieses dann gefährlich?

Prof. Dr. Nowak: Ja, das ist möglich. Bei Herzgesunden ist das meistens nicht gefährlich.

Keine Therapiemöglichkeiten bei Extrasystolen?

Leserin Graziella fragte: Ich leide unter Herzrhythmusstörungen und war bereits bei 3 Kardiologen, die keine Therapiemöglichkeit sehen. Es handelt sich um sehr viele Extrasystolen, danach kommt eine längere Pause, dann wieder ein heftiger Schlag. Anscheinend nicht so ernst, doch es stört mich, nachts kann ich deswegen nicht schlafen. Was wäre nun der nächste Schritt? Zum 4. Kardiologen? In die Uniklinik? Oder zum Psychotherapeuten?

Prof. Dr. Nowak: Bei Herzgesunden können an sich harmlose Extrasystolen sehr unangenehm empfunden werden, so wie in Ihrem Fall. Bei starkem Leidensdruck kann eine medikamentöse Therapie erwogen werden. Treten über 10.000 Extrasystolen pro Tag auf besteht unter Umständen auch die Möglichkeit einer Ablationsbehandlung. Bei einer Ablation wird mit Hilfe eines Katheters eine elektrisch leitende Struktur im Herzen verödet, die zur Entstehung der Herzrhythmusstörung beiträgt.

Herzstolpern ohne begleitende Beschwerden

Leser Zell fragte: Ich bin 39 Jahre alt und habe schon immer mal Herzhüpfer gehabt. Seit diesem Jahr habe ich das Gefühl, dass es häufiger mal vorkommt; Dauer ca. 20-30 Minuten. Es tut nicht weh und mir ist dabei nicht schwindelig. Wie gefährlich ist das?

Prof. Dr. Nowak: Das kann ohne eine kardiologische Untersuchung nicht beantwortet werden, vermutlich handelt es sich um harmlose Extrasystolen. Da diese jedoch zugenommen haben, empfehle ich eine kardiologische Kontrolluntersuchung.

Kurzweiliges Herzstolpern im Liegen

Leserin Melusine fragte: Habe vor allem im Liegen zuweilen Herzstolpern, das sich aber schnell wieder beruhigt. Geht einher mit einem Gefühl, wie wenn einem kurz die Luft wegbleibt.

Prof. Dr. Nowak: Zuerst sollten Sie Ihr Herz untersuchen lassen, wahrscheinlich handelt es sich aber um harmlose Extraschläge, wie sie bei jedem Menschen hin und wieder vorkommen. Hier wäre auch ein Langzeit-EKG hilfreich.

Maßnahmen bei Herzstolpern

Leserin Claudia fragte: Welche eigenen Maßnahmen kann ich bei Stolpern ergreifen, um dies zu lindern?

Prof. Dr. Nowak: Das hängt davon ab, um welche Rhythmusstörung es sich handelt. Grundsätzlich Ruhe bewahren, wenn möglich beim Arzt oder im Krankenhaus ein EKG schreiben lassen, um festzustellen um welche Form der Rhythmusstörung es sich handelt.

Worauf verzichten bei Rhythmusstörungen?

Leser Micha fragte: Bei einem 24 Stunden-EKG wurden Rhythmusstörungen festgestellt. Bei Stress ist das auch manchmal spürbar. Auf was sollte ich jetzt am besten achten, worauf eventuell verzichten, bzw. was tun, um das Herz zu trainieren?

Prof. Dr. Nowak: Hierzu wäre es erforderlich genau zu wissen, welche Rhythmusstörungen festgestellt wurden, da es hier viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Regelmäßiges Ausdauertraining ist grundsätzlich wünschenswert, Sie sollten mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob hier etwas Spezielles beachtet werden muss.

OP bei Vorhofflimmern?

Leser Bernd fragte: Hallo, ich habe Vorhofflimmern. Medikamente Pradaxa, Flecainid, Nebivolol. Kann man da auch operativ etwas dagegen machen?

Prof. Dr. Nowak: Ja, es besteht die Möglichkeit einer Vorhofflimmerablation. Hierdurch kann in über 80 % die Häufigkeit des anfallsartigen Vorhofsflimmerns reduziert werden. Hierbei werden mit einem Katheter die Lungenvenen im linken Vorhof elektrisch isoliert, da das anfallsartige Vorhofflimmern in den Lungenvenen entsteht.

Betablocker gegen Extrasystolen

Leserin Anke S. fragte: Ich habe Extrasystolen, die mir sehr Angst machen. Sind diese, wenn kardiologisch abgeklärt, wirklich immer harmlos, auch wenn sie sehr heftig sind? Kann man außer Betablockern noch etwas dagegen tun?

Prof. Dr. Nowak: Extrasystolen sind praktisch immer harmlos. Sofern jedoch mehr als 10.000 Extrasystolen pro Tag auftreten, muss auch über weitere Maßnahmen (Rhythmusmedikamente oder Katheterablation) nachgedacht werden. Neben der Einnahme von Betablockern muss auf eine ausreichende Elektrolytzufuhr geachtet werden. Hier sollten die Blutsalze vorher mit einer Blutentnahme bestimmt werden.

Unterschied zwischen Vorhofflimmern und Rhythmusstörungen?

Leser Hans F. fragte: Ich habe schon viele Jahre Herzrhythmusstörungen. Deshalb war ich auch schon öfters beim Kardiologen. Ich hatte nun auch Vorhofflimmern. Das wurde auch mit Cardio behandelt. Was ist nun der Unterschied zwischen Vorhofflimmer und Rhythmusstörung?

Prof. Dr. Nowak: Vorhofflimmern stellt eine Form der verschiedenen Herzrhythmusstörungen dar. Es handelt sich somit um eine Untergruppe der Herzrhythmusstörungen. Umfangreiches Informationsmaterial hierzu können Sie bei der Deutschen Herzstiftung erhalten.

Wassereinlagerungen durch Herztabletten

Leser Eckhardt fragte: Ich habe Wasser in den Fußknöcheln (von den Herztabletten). Was kann ich tun?

Prof. Dr. Nowak: Sie müssen dies mit Ihrem Hausarzt besprechen, entweder müssen die Tabletten gewechselt werden oder es müssen zusätzliche Entwässerungsmedikamente gegeben werden.

Rasender Puls und häufige Aussetzer

Leserin Monika St. fragte: Ich habe es häufig, dass mein Puls ganz schnell rast. Habe nach langer Zeit herausgefunden: Wenn ich dann etwas Kaltes trinke, wird er wieder normal. Ich nehme morgens 1 Tabl . Bisoprolol. Habe auch häufig Aussetzer. Ich habe auch alle Untersuchungen gemacht (Langzeitecho, Belastungs-EKG), es ist nichts festgestellt worden.

Prof. Dr. Nowak: Diese Beschwerden deuten auf ein sogenanntes gutartiges Herzrasen hin, welches meistens durch eine "kreisende Erregung" im Herzen ausgelöst wird. Es kann versucht werden, das Herzrasen mit einem Eventrecorder zu dokumentieren. Wenn auch dies nicht gelingt, kann eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt werden. Derartige Rhythmusstörungen können in den meisten Fällen durch eine Katheterablation geheilt werden.

Was sind Extrasystolen?

Leser Andreas fragte: Ein Arzt hat bei mir Extrasystole diagnostiziert. Was ist das eigentlich?

Prof. Dr. Nowak: Extrasystolen sind harmlose Fehlzündungen des Herzens, bei denen es zu einem vorzeitigen Herzschlag kommt. Danach tritt meist eine kurze sogenannte kompensatorische Pause auf. Daher empfinden dies viele Menschen als Stolpern oder auch als kurzen Herzaussetzer. Dies ist in den allermeisten Fällen harmlos. Diese zusätzlichen Impulse können aus jeder Herzmuskelzelle stammen.

Herz gerät nach Kaffeegenuss aus dem Takt

Leser Dieter fragte: Ich trinke gerne um die Mittagszeit eine große Tasse Kaffee. Seit längerem beobachte ich, dass mein Herz nach dem Kaffee trinken aus dem Takt gerät; zudem werde ich statt wacher recht müde. Insgesamt fühle ich mich dann schlapp. Wie kann das sein? Sollte ich ganz auf Kaffee verzichten?

Prof. Dr. Nowak: Kaffee kann in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen begünstigen. Es erscheint sinnvoll, wenn Sie den Kaffee einmal einige Tage weglassen und beobachten, ob sich eine Veränderung ergibt.

Vorhofflimmerablation von Dauer?

Leserin Vici fragte: Ich habe eine Vorhofflimmerablation machen lassen und zwar mit Erfolg und voller Zufriedenheit. Wie hoch ist das Risiko eines erneuten Vorhofflimmerns?

Prof. Dr. Nowak: Nach erfolgreicher Vorhofflimmerablation besteht über die nächsten Jahre in über 80 Prozent der Patienten ein stabiler Sinusrhythmus. Bei den übrigen Patienten kann es vereinzelt wieder zu Vorhofflimmerepisoden kommen. In diesen Fällen muss dann ein zweiter Ablationseingriff überlegt werden.

Gesunde, mediterrane Ernährung sinnvoll

Leser Bernd fragte: Hat die Ernährung Einfluss auf das Vorhofflimmern?

Prof. Dr. Nowak: In der Regel nicht. Grundsätzlich ist jedoch eine gesunde, mediterrane Ernährung für Patienten mit Herzerkrankung sinnvoll.  Mediterrane Ernährung meint: viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, viel Fisch. Allerdings kann zum Beispiel übermäßiger Alkoholkonsum das Auftreten von Vorhofflimmerepisoden begünstigen.

Prof. Dr. Bernd Nowak (Quelle: Cardioangologisches Centrum Bethanien, Frankfurt)Prof. Dr. Bernd Nowak

Professor Nowak ist Internist und Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien, Frankfurt a. M. und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung.

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