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Multiple Sklerose hat viele Gesichter

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Unheilbare Immunerkrankung  

Multiple Sklerose - die Krankheit der tausend Gesichter

21.05.2015, 13:05 Uhr | dpa

Multiple Sklerose hat viele Gesichter. Die MS-Patientin Maria Eifrig beim "Multiple Sklerose Sonntags-Café", wo sich Betroffene der Krankheit und ihre Angehörigen treffen. (Quelle: dpa)

Die MS-Patientin Maria Eifrig beim "Multiple Sklerose Sonntags-Café", wo sich Betroffene der Krankheit und ihre Angehörigen treffen. (Quelle: dpa)

Maria Eifrig hat Multiple Sklerose (MS). Vor sechzehn Jahren bekam die 59 Jahre alte Programmiererin die Diagnose - seitdem durchzucken Spastiken ihren Körper. Dank ihres elektrischen Rollstuhls ist sie viel beweglicher geworden, doch noch lässt sich die Krankheit, die das Nerven- und Immunsystem angreift, nicht heilen.

Trotzdem zeigt sich Maria Eifrig angesichts ihres Rollstuhls lebensfroh und dankbar: "Ich kann mich mit ihm aufrichten, ja sogar stehen. Ich mache sogar Sport damit", sagt sie stolz.

Selbst Tippen am Computer wird zur Belastung

Mit Sport meint Eifrig aber nicht das, was Gesunde beim Joggen oder Fußballspielen machen. Ihr Training besteht darin, sich mit Hilfe ihres schwenkbaren Rollstuhls aufzurichten und möglichst viele Muskelgruppen zu bewegen. Maria strahlt. Für sie ist selbst das Tippen am Computer körperlich anstrengend.

Nicht jeder Betroffene sitzt im Rollstuhl

"Die meisten Menschen denken, dass MS automatisch in den Rollstuhl führt, das ist natürlich Quatsch", sagt eine Besucherin des MS-Sonntags-Cafés, wo sich MS-Patienten und Angehörige treffen, um ihre Geschichte zu teilen. Ein Blick in die Runde gibt der Besucherin Recht. MS hat den Beinamen "Krankheit der 1000 Gesichter". An diesem Tag sind Besucher aus dem ganzen Münsterland gekommen. Christoph Carstensen (50) hat die Diagnose mit 27 Jahren erhalten. Nur wenn es ganz blöd läuft, sitzt er mal im Rollstuhl. Er nutzt auch einen Stock oder Rollator als Gehhilfe. Es geht aber auch ganz ohne.

Das beweist auch die Krankengeschichte des 54-jährigen Thomas Nienhaus, der seit 21 Jahren mit der Krankheit lebt. Pro Jahr treten bei ihm zwei Schübe auf. Seine Therapie mit Interferon aber schlägt gut an.

Behandlung birgt teilweise lebensbedrohliche Risiken

Das ist für die Mediziner bei MS immer die Schwierigkeit: Wie wirkt ein Mittel? Und wenn es wirkt, welche Nebenwirkungen kann es haben? Bei Multiple Sklerose entzünden sich Teile des Nervensystems im Rückenmark oder Gehirn, doch kaum ein Fall gleicht dem anderen, wie Experten betonen.

"Wir wollen diese Erkrankung bestmöglich kontrollieren. Aber die Patienten müssen für sich entscheiden, ob sie bereit sind, zum Beispiel eine tödliche Virus-Infektion im Gehirn zu riskieren. Das Risiko dafür ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen 1:100 und 1:10 000", sagt Professor Heinz Wiendl von der Uniklinik Münster. Dann könnte die sehr wirksame Therapie tödlich enden. Der Grund: Das Medikament schwächt das Immunsystem.

Heilungschancen in zehn oder zwanzig Jahren

Nach Wiendls Meinung macht die Forschung gerade in dieser Frage aktuell große Fortschritte. "Mit Hilfe von bestimmten Biomarkern im Blut können wir das Risiko für einen Patienten besser einschätzen", sagt Wiendl. Damit wird die Frage, welches Medikament ist für welchen Patienten das richtige, einfacher zu beantworten. Als Wissenschaftler und Vorsitzender der Stiftung Neuromedizin will er diese Entwicklung vorantreiben. Wiendl glaubt: "In 10, vielleicht 20 Jahren sind wir soweit."

MS ist kein Todesurteil mehr

"Die MS-Diagnose ist längst kein Todesurteil mehr. Neuen Patienten kann sehr effizient geholfen werden und sie können mit MS sehr lange leben", sagt Professor Burkhard Becher von der Universität Zürich. Für die in Deutschland rund 200.000 Betroffenen ist das ein großer medizinischer Fortschritt.

Nach Bechers Meinung ist die Forschung aber sehr weit weg von einer endgültigen Heilung der MS und bei der Entwicklung eines Impfstoffes sieht er ebenfalls schwarz. Klar sei dennoch, dass über 100 ermittelte MS-Risikogene für die Steuerung des Immunsystems verantwortlich sind. Daher sei die Krankheit in erster Linie eine Immunerkrankung, die im zweiten Schritt zu Schäden im Gehirn führt. Becher forscht in der Schweiz am Institut für Experimentelle Immunologie.

Wirksame Medikamente haben tägliche Injektionen ersetzt

Becher nutzt gerne das Bild von der Karies. "Beim Gang zum Zahnarzt haben Sie anschließend auch nicht den Karies besiegt. Aber der Arzt konnte Ihnen mit einer Behandlung den Schmerz nehmen, in dem er zum Beispiel ein Loch mit einem Ersatzstoff gefüllt hat." Vergleichbar sei das auch bei der MS. Als großen Fortschritt bezeichnet der Forscher, dass Patienten nicht mehr wie früher täglich Injektionen über sich ergehen lassen müssen. Wirksame Medikamente gibt es heute als Tabletten oder monatlichen Injektionen.

"Die Zukunft gehört den Forschern, denen die sogenannte Neuroprotektion gelingt, wenn also zerstörtes Gewebe wieder hergestellt werden kann", sagt Becher. Bislang sei das aber noch nicht einmal im Ansatz gelungen, weshalb er vor falschen Hoffnungen warnt.

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