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Chronische Erschöpfung wieder in den Griff bekommen

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Chronisches Fatigue-Syndrom  

Dauermüdigkeit kann krankhaft sein

15.01.2016, 07:39 Uhr | Martin Faber, dpa-tmn

Chronische Erschöpfung wieder in den Griff bekommen. Permanente Müdigkeit kann den Alltag erheblich einschränken. (Quelle: dpa)

Permanente Müdigkeit kann den Alltag erheblich einschränken. (Quelle: dpa)

Die Konzentration versagt, die Muskeln schmerzen: Klassische Erschöpfungssymptome kennt wohl jeder. Oft stecken ein ereignisreicher Tag oder Stress dahinter. Ist man ständig müde, kann das jedoch auf eine Krankheit hinweisen: das Chronische Fatigue-Syndrom.    

Mit Medikamenten lassen sich die Beschwerden lindern. Betroffene müssen aber auch lernen, ihre Energiereserven schonend einzuteilen. 

"Mein Mann musste mich füttern"

Jede noch so kleine Bewegung war für sie eine Qual. Edelgard Klasing aus Dortmund konnte weder auf einem Stuhl sitzen, noch einen Löffel halten oder ihre Arme heben. Sie war ständig erschöpft und hatte starke Schmerzen in den Armen und Beinen. "Mein Mann musste mich füttern. Ich bin zur Toilette gekrochen, weil ich einfach nicht die Kraft dazu hatte." Mehr als ein halbes Jahr war die damals 35-Jährige bettlägerig. Dabei hätte sie entsprechend ihrer offiziellen Diagnose Pfeiffer'sches Drüsenfieber spätestens nach drei Monaten wieder gesund sein müssen. "Ich hatte keine Zukunftshoffnung mehr." Bis ein Arzt bei ihr das Chronische Erschöpfungssyndrom feststellte, auch Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) genannt.

Erschöpfung lähmt Konzentration und Muskeln

Laut Bundesgesundheitsministerium sind etwa 300.000 Menschen in Deutschland davon betroffen. CFS kann als Diagnose infrage kommen, wenn das Leistungsniveau eines Menschen weniger als 50 Prozent beträgt. "Dabei muss die Leistungsminderung schon mindestens sechs Monate angehalten haben", sagt der Immunologe Wilfried Bieger aus München. Neben einer lähmenden Erschöpfung leiden CFS-Betroffene auch an Konzentrations-, Gedächtnis- und Schlafstörungen. Zudem haben sie häufig Gelenk-, Hals-, Kopf- und Muskelschmerzen.

CFS wird oft mit Depressionen verwechselt

Da diese Symptome recht unspezifisch sind, wird CFS oft mit anderen Krankheitsbildern verwechselt. Von krankheitsbedingten Erschöpfungszuständen unterscheidet CFS sich aber deutlich: "Betroffene müssen sich nach einer körperlichen Anstrengung unverhältnismäßig lange erholen", erklärt Bieger. Auch mit einer Depression kann man CFS nicht gleichsetzen. "Depressiven fehlt der innere Antrieb für Handlungen, aber sie könnten diese körperlich umsetzen", erklärt Bieger. CFS-Betroffene können das nicht.

Bis zur Diagnose kann es Jahre dauern

Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt. "Wahrscheinlich handelt es sich um eine Überaktivierung des Immunsystems", sagt Joachim Strienz, Facharzt für Innere Medizin. In der Folge werden vermutlich Mitochondrien geschädigt, die die Körperzellen mit Energie versorgen.

Da Erschöpfungszustände auch bei anderen Krankheitsbildern auftreten, ist CFS eine Ausschlussdiagnose. "Wenn also im Nerven-, Immun- oder Hormonsystem weder eindeutige Krankheitsbilder noch schwere Eisen- und Vitaminmängel entdeckt werden und es dennoch zu einer erhöhten Immunaktivierung kommt, ist CFS ein möglicher Befund", sagt Bieger. "Erschwerend kommt hinzu, dass wir die unspezifischen Symptome der Patienten nicht eindeutig objektivieren können." Die Diagnose zieht sich deshalb oft über Jahre hin.

Nur die Symptome sind behandelbar

Es gibt keine spezielle Therapie von CFS. "Vielmehr versuchen wir, Unregelmäßigkeiten und Mangelzustände auszugleichen, die wir bei den vorhergehenden Untersuchungen festgestellt haben, etwa im Blutbild oder bei den Leber- und Nierenwerten", sagt Bieger. "Letztlich behandelt das aber nur die Symptome von CFS, nicht die Ursachen." 

Hoffnung macht ein Medikament, das eigentlich bei der Behandlung von Lymphknotenkrebs zum Einsatz kommt. "In einer norwegischen Studie wurden Patienten mit Rituximab behandelt, die sowohl Lymphknotenkrebs als auch CFS hatten. Der Krebs wurde geheilt, und auch die Symptome von CFS waren verschwunden", sagt Strienz. In weiteren Studien wird die Wirksamkeit überprüft - das Medikament ist in Deutschland bislang nicht zur Behandlung von CFS zugelassen.

Energie vorausschauend einteilen

Um ihre Erschöpfung dauerhaft in den Griff bekommen, müssen Betroffene lernen, mit ihren begrenzten Energiereserven schonend umzugehen. "Schon bei kleinen alltäglichen Tätigkeiten lohnt es sich, Energie einzusparen", sagt die Betroffene Klasing, die heute Vorsitzende des Bundesverbands der Patientenorganisation "Fatigatio" ist. Auch hilft es, sich einen Plan über anstehende Ereignisse und Aufgaben zu machen. "Wenn ich also übermorgen einen wichtigen Termin habe, weiß ich schon heute, dass ich morgen meinen Energieverbrauch zurückschrauben muss und auch am Tag nach dem Termin nicht in die Vollen gehen kann."

Dank ihrer Disziplin kann Klasing heute gut mit CFS leben. Die inzwischen 57-Jährige kann wieder arbeiten, einkaufen und Freunde besuchen. "Zwar nicht mehr so häufig wie früher, aber das Leben geht jetzt nicht mehr an mir vorbei, sondern ich kann es wieder miterleben."

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