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Rätselhafte Krankheit: Kleptomanie nach Schönheits-OP

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Ein rätselhafter Patient  

Kleptomanie nach Schönheits-OP

11.04.2016, 08:58 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Rätselhafte Krankheit: Kleptomanie nach Schönheits-OP. Eine junge Frau stiehlt in Supermarkt einen Lippenstift. (Quelle: imago/blickwinkel)

Eine junge Frau stiehlt in Supermarkt einen Lippenstift. (Quelle: blickwinkel/imago)

Kurz nach der Brustvergrößerung und Bauchstraffung wird eine Brasilianerin unvermittelt zur Kleptomanin. Wie kann das sein? 

Der Eingriff soll die Frau verschönern, stattdessen aber beschert er ihr ungeahnte Probleme: Die 40-Jährige lässt sich in einer Klinik der brasilianischen Stadt Curitiba Bauchfett absaugen und die Haut straffen. Die Chirurgen vergrößern ihre Brüste und straffen ihre Oberarme.

Zunächst sieht alles nach einem Erfolg aus, Komplikationen gibt es bei dem Eingriff scheinbar nicht. Als die Patientin aber aus der Narkose erwacht, ist sie desorientiert und weiterhin schläfrig. Sie leidet unter Gedächtnisstörungen und bleibt vorerst apathisch im Bett liegen.

Nach Schönheits-OP im Kernspintomografen 

Weil das untypisch ist und sich die Ärzte Sorgen machen, ziehen sie Neurologen zu Rate, die zunächst Bilder vom Kopf der Frau im Kernspintomografen (MRT) machen. Darauf erkennen die Radiologen, dass es im Bereich der sogenannten Basalganglien zu einer Minderdurchblutung und dadurch zu Nervenzellschäden gekommen ist. Dieses Areal ist für viele unterschiedliche Funktionen zuständig wie etwa die Koordination von Bewegungen, Handlungen – und auch für die Unterdrückung von Impulsen.

MRT-Schnittbild: Die betroffenen Regionen stellen sich in der mittleren linken Bildhälfte als weiße Flecken dar (Quelle: BMJ 2016)MRT-Schnittbild: Die betroffenen Regionen stellen sich in der mittleren linken Bildhälfte als weiße Flecken dar (Quelle: BMJ 2016)

In einer anschließenden Szintigrafie entdecken die Ärzte, dass zusätzlich auch der Frontalbereich des Gehirns auf beiden Seiten zu wenig durchblutet wird, der unter anderem daran beteiligt ist, Handlungen zu planen und Probleme zu lösen.

Szintigrafie-Bilder vom Gehirn der Patientin zeigen eine Minderdurchblutung (gelb) in verschiedenen Bereichen. (Quelle: BMJ 2016 )Szintigrafie-Bilder vom Gehirn der Patientin zeigen eine Minderdurchblutung (gelb) in verschiedenen Bereichen. (Quelle: BMJ 2016 )

Der Neurologe Fabio Nascimento, der die Patientin betreut hat, schreibt auf Anfrage von Spiegel Online: "Die wahrscheinlichste Ursache ist, dass das Gehirn der Patientin während oder kurz nach dem Eingriff nicht ausreichend durchblutet war. Das führte zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, was das Gehirn geschädigt und zu einem Funktionsverlust geführt hat." Vermutlich gab es Probleme während der Narkose, bei der Patienten künstlich beatmet werden müssen.

Unwiderstehlicher Wunsch zu stehlen

Aber nach einigen Tagen stabilisiert sich der Zustand der Frau, und die Ärzte entlassen sie nach Hause. So wie vor dem chirurgischen Eingriff fühlt und verhält sie sich dennoch nicht: Immer wieder kommt in ihr der unwiderstehliche Wunsch auf, etwas zu stehlen. Und das tut sie auch: Nascimento berichtet etwa von einer Situation, in der die Patientin in einen Laden geht, um ein Geburtstagsgeschenk für die Freundin ihrer Tochter zu kaufen. "Dort fühlte sie einen ununterdrückbaren Impuls, den Gegenstand zu stehlen, obwohl sie mehr als genug Geld dabei hatte, um ihn zu bezahlen", berichtet der Arzt später. "Sie nahm es vom Regal, steckte es in ihre Tasche und verließ den Laden."

Allerdings erwischt ein Mann vom Sicherheitsdienst sie dabei – und lässt sie von der Polizei in Gewahrsam nehmen.

Kleptomanie verschwindet nach einigen Wochen

Die Patientin zeigt mit ihrem Verhalten die wesentlichen Symptome einer Kleptomanie, die als zwanghaftes oder pathologisches Stehlen definiert und im Katalog der psychiatrischen Diagnosen aufgelistet wird. Psychiater sprechen von einer Störung der sogenannten Impulskontrolle, weil die Betroffenen wider besseres Wissen dem Drang zu stehlen nicht standhalten können. Dazu zählt häufig auch, dass die Betroffenen die gestohlenen Dinge gar nicht brauchen und ihr Verhalten als untypisch oder "nicht mit ihrer Wesensart, ihrer Erziehung und ihren sozialen Normvorstellungen vereinbar" bezeichnen, schreibt der Psychiater Volker Faust in einem Aufsatz über Kleptomanie.

Die Polizisten lassen die Patientin erst wieder gehen, nachdem sie ihnen ihre gesamte Krankengeschichte erzählt hat. Zudem muss sie belegen, dass es sich bei ihrem Verhalten um eine psychiatrische Störung infolge eines Gehirnschadens handelt, der nach der Operation aufgetreten ist. So begründen es ihre Ärzte im "BMJ Case Reports". Ähnliche Fälle seien in der Literatur bislang nur höchst selten beschrieben worden.

Insgesamt hat die Frau Glück, denn die kleptomanische Störung bleibt nur einige Wochen – und verschwindet danach von allein wieder.

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