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Inkontinenz: Abnehmen hilft gegen Blasenschwäche

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Tabuthema Inkontinenz  

Harninkontinenz nicht einfach hinnehmen

26.05.2017, 11:27 Uhr | Sabine Meuter, dpa-tmn

Inkontinenz: Abnehmen hilft gegen Blasenschwäche. Betroffene hoffen darauf, dass das unwillkürliche Wasserlassen niemand bemerkt. (Quelle: Inga Kjer)

Betroffene hoffen darauf, dass das unwillkürliche Wasserlassen niemand bemerkt. (Quelle: Inga Kjer)

Husten, Lachen oder schwere Taschen tragen – für Menschen, die unter Harninkontinenz leiden, können solch gewöhnliche Tätigkeiten bereits unangenehm sein. Dass die Hose allmählich nass wird, nehmen sie oft stillschweigend hin. Für Betroffene ist das Thema nicht selten tabu. Dabei lohnt es sich, mit dem Arzt darüber zu sprechen. 

Harninkontinenz kann in vielen Fällen gelindert, mitunter sogar geheilt werden. "Wichtig ist, dass zunächst eine genaue medizinische Diagnose erstellt wird", sagt Ricarda Bauer, Oberärztin der Urologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Schlaffe Beckenbodenmuskulatur kann Ursache sein

Es gilt, zwischen einer Belastungs- und einer Dranginkontinenz zu unterscheiden. "Daneben gibt es aber auch Mischformen", erläutert Bauer. Von einer Belastungskontinenz ist die Rede, wenn sich der Harnröhren-Verschluss zum Beispiel beim Lachen oder bei körperlicher Anstrengung unkontrolliert öffnet. Ursache hierfür ist häufig eine erschlaffte Beckenbodenmuskulatur.

Eine Dranginkontinenz liegt vor, wenn die Blasenmuskulatur überaktiv ist und eine übervolle Blase signalisiert, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist. Diese Form der Inkontinenz ist häufig auf Bandscheibenvorfälle, einen Schlaganfall oder auf neurologische Erkrankungen zurückzuführen.

Schwangerschaft und Wechseljahre machen Frauen Probleme

"Frauen sind von einer Harninkontinenz häufiger betroffen als Männer", sagt der Hannoveraner Gynäkologe Christian Albring. Denn bei Frauen wurde in vielen Fällen der Beckenboden während der Schwangerschaft oder durch vaginale Geburten überdehnt und überlastet. "Es kann aber auch sein, dass es im Zuge der Wechseljahre zu einem Östrogenmangel kommt, der ein Schrumpfen der Blasen- und Harnröhrenschleimhaut und damit eine Undichtigkeit mit sich bringt", sagt Albring. Männer können nach der chirurgischen Entfernung der Prostata aufgrund einer Krebserkrankung harninkontinent werden, wie Bauer erläutert.

Oft hilft Abnehmen

"Je früher Frauen mit unwillkürlichem Harnverlust mit ihrem Gynäkologen sprechen, desto besser", betont Albring. Falls die Patientin übergewichtig ist, sollte sie abnehmen. "Damit allein kann Harninkontinenz häufig beseitigt werden." Bei einem Hormonmangel ist eine Hormonersatztherapie eine Möglichkeit. Von Bedeutung ist aber auch, mit gezielten gymnastischen Übungen den Beckenboden zu trainieren.

Auch Männer profitieren von einem trainierten Beckenboden

Ein Beckenboden-Training hilft aber nicht nur Frauen, sondern auch Männern. Ein solches Training sollten Betroffene unter Anleitung eines spezialisierten Physiotherapeuten aufnehmen. Wichtig ist, sich an dessen Anweisungen und den vorgegebenen Trainingsumfang zu halten. "Mit richtig ausgeführten Übungen können Betroffene die Funktion der Beckenbodenmuskulatur deutlich verbessern", sagt Almut Köwing, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie, Proktologie im Deutschen Zentralverband für Physiotherapie in Köln.

Tritt nach etwa sechs Monaten mit regelmäßigem Training keine Besserung ein, dann sollten Betroffene mit dem Arzt über andere Therapiewege sprechen. Mitunter kann Frauen ein Pessar helfen, erklärt Albring. Dieses soll die Harnröhre und die Blase bei körperlicher Aktivität stützen. Aber auch eine Operation ist möglich: Infrage kommt etwa die Einlage eines Kunststoffbandes unter der mittleren Harnröhre. "Erst dann und nur dann, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind und der unkontrollierbare Harnverlust nicht vermieden werden kann, sind sehr saugfähige und geruchsneutralisierende Binden eine Option", erklärt Albring.

Inkontinenzhilfen: Wann die Krankenkasse zahlt

Einen Teil der Kosten für Inkontinenzhilfen übernehmen die Krankenkassen. Jedoch nur, wenn Betroffene eine ärztliche Verordnung haben, informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Darin sollten folgende Angaben nicht fehlen:

  • die Diagnose
  • die Bezeichnung des verordneten Artikels
  • die benötigte Menge

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen für medizinische Einlagen monatlich zwischen 14 und 28 Euro pro Kunde – je nach Betrag, den sie mit den Apotheken oder Sanitätshäusern vereinbart haben. Patienten müssen sich an den Kosten beteiligen – mit 10 Prozent oder maximal 10 Euro pro Monat. Seit März gelten neue Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Sie sollen eine bessere Versorgung mit Inkontinenzhilfen sicherstellen. So gilt unter anderem: Vertragspartner müssen über eine Telefonhotline und einen Bringdienst verfügen, sowie die Einlagen unverzüglich in neutralen Kartons ohne Aufdruck liefern.

Nur bei Harndrang zur Toilette gehen

Wer als Frau eine spätere Inkontinenz vorbeugen will, könnte nach Angaben von Albring überlegen, eine Schwangerschaft nicht mit einer natürlichen Geburt, sondern mit einem Kaiserschnitt zu beenden, wenn ein großes Kind erwartet wird. Außerdem sollte man Übergewicht vermeiden. "Das senkt die Gefahr für eine spätere, dauerhafte Inkontinenz ganz erheblich", betont Albring. Für wichtig hält es Köwing auch, in jungen Jahren den Zusammenhang zwischen Kontinenz und Beckenbodenmuskulatur zu erfahren. "Dazu gehört etwa, nur dann zur Toilette zu gehen, wenn tatsächlich ein Harndrang besteht."

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