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Prostatakrebs: PSA-Test zu Unrecht in Verruf geraten

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"Urologieskandal"  

PSA-Test wegen fehlerhafter Studie in Verruf geraten

09.06.2016, 08:04 Uhr | Andrea Goesch

Prostatakrebs: PSA-Test zu Unrecht in Verruf geraten. Der PSA-Test war lange Zeit in Verruf geraten - zu Unrecht. Denn sein fragwürdiges Image beruht auf einer fehlerhaften Auswertung von Daten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der PSA-Test war lange Zeit in Verruf geraten - zu Unrecht. Denn sein fragwürdiges Image beruht auf einer fehlerhaften Auswertung von Daten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

  • US-Studie von 2009 riet von PSA-Tests im Rahmen der Krebsfrüherkennung ab
  • Eine neue Studie zeigt: Bei der Auswertung der Daten wurden damals Fehler gemacht
  • PSA-Tests hätten vielen Männern, die später an heilbarem Prostatakrebs erkrankt sind, das Leben retten können
  • Experten fordern daher eine Neubewertung des Bluttests

In den vergangenen Jahren ist der PSA-Test in die Kritik geraten: Überdiagnosen, geschürte Ängste und klingelnde Kassen - daran denken viele Männer, wenn ihr Urologe diese Früherkennungsmethode empfiehlt. Schuld daran ist vor allem eine Studie, die vor sieben Jahren in den USA durchgeführt wurde. Sie riet von dem Bluttest ab. Doch jetzt zeigt sich: Die Untersuchung enthielt gravierende Fehler. Viele Männer, die den Empfehlungen folgten, hätten durch eine frühzeitigige Krebsdiagnose mittels eines PSA-Tests gerettet werden können.

Der Fachwelt jedoch schien das Vorgehen der damaligen Studie plausibel: Über 76.000 Männer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen hatten regelmäßig einen PSA-Test durchführen lassen, die anderen in der Kontrollgruppe angeblich nicht. Nach sieben Jahren verglich man die Sterbequote der an Prostatakrebs erkrankten Männer miteinander. Dabei zeigte sich, dass der PSA-Test nicht dazu beitrug, die Mortalität zu senken. 

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Krankenkasse bezahlt nur Tastuntersuchung

Die Gesundheitsbehörden in den USA reagierten prompt und der Bluttest wurde aus dem flächendeckenden Krebsscreening entfernt. Auch in Deutschland entbrannte eine heftige Diskussion. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung wird hierzulande bei Männern ab 45 Jahren lediglich das rektale Abtasten der Prostata von der Krankenkasse bezahlt - dabei werden jedoch nur Tumoren ab einer bestimmten Größe entdeckt. 

Doch die Vorbehalte gegen den PSA-Test sind unberechtigt. Das belegt eine aktuelle Untersuchung zweier Urologen am New York Presbyterian Hospital. Nachdem sie die Studie von 2009 noch einmal gründlich analysiert hatten, stellten sie fest: Ein Großteil der Personen in der Kontrollgruppe ließ einen PSA-Test dennoch durchführen, obwohl ihnen das der Arzt nicht riet. Bei neun von zehn Männern war dies der Fall, schreiben Jonathan E. Shoang und Jim C. Hu im New England Journal of Medicine".

Fataler Fehler kostete viele Männer das Leben

Dieser wichtige Faktor wurde in der Auswertung der Studie von 2009 übersehen. So entstand ein falsches Bild und die Bedeutung des PSA-Tests wurde unterbewertet. Besonders in den USA reagierten viele Mediziner zurückhaltend in Bezug auf die Empfehlung des PSA-Tests an ihre Patienten.

Ein fataler Fehler, der verhindert, dass viele heilbare Prostatkrebserkrankungen frühzeitig erkannt werden", sagt Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU). "Die Auswirkungen der fehlerhaften Studie sind in jedem Fall negativ. Die unter Umständen tödlichen Folgen werden sich erst nach einigen Jahren in vollem Ausmaß zeigen." 

"Größter Wissenschaftsskandal der Urologie"

Prof. Michael Stöckle vom Universitätsklinikum des Saarlandes spricht in diesem Zusammenhang sogar vom "größten Wissenschaftsskandal der Urologie". Im Interview mit der "Welt" fordert er eine Neubewertung des PSA-Tests. Die Vorbehalte der USA gegenüber dem Bluttest hätten sich auch negativ auf den Umgang mit ihm in anderen Ländern ausgewirkt. Das sei auf Kosten der Krebsfrüherkennung gegangen.

Bühmann sieht das ähnlich. Er warnt nachdrücklich vor einer zu späten Diagnose des Krebses: Viele Tumore könnten über viele Jahre hinweg beobachtet werden, ohne dass ein operativer Eingriff wirklich notwendig sei. "Hat der Krebs erst einmal gestreut, ist er nicht mehr heilbar", so  der Arzt.

"PSA-Test ist bester Tumormarker in der Medizin"

"Jeder erfahrene Urologe weiß, wie wichtig der PSA-Test bei der Krebsfrüherkennung ist", sagt Bühmann. Auf den PSA-Test verzichten sollten Männer daher auf keinen Fall: "Der PSA-Test ist der beste Tumormarker in der Medizin", betont Bühmann. Dadurch können Leben gerettet werden. Dass Krankenkassen die Kosten (ca. 20 Euro) nicht übernehmen, kann tödliche Auswirkungen haben." Im Grunde genommen müsse kein Mann an Prostatakrebs sterben. Allerdings gibt es zwei Voraussetzungen: "Er geht regelmäßig zur Krebsvorsorge und die Krankenkassen übernehmen die hierfür notwendigen Maßnahmen."

So wird der Test durchgeführt

Für den PSA-Test wird mittels einer Blutprobe der Wert des Prostataspezifischen Antigens gemessen. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff, der nur von der Prostata gebildet wird und der in verschiedenen Situationen vermehrt im Blut zu finden ist. Das ist zum Beispiel bei einer benignen (gutartigen) Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) oder einer harmlosen Entzündung der Prostata, auch Prostatitis genannt, der Fall.

Ein PSA-Wert allein hat keine Aussagekraft

Auch wenn Männern im Alter von 40 Jahren in den meisten Fällen noch kein Prostatakarzinom droht, rät Bühmann seinen Patienten dennoch, ab diesem Alter mit dem PSA-Test zu beginnen. Aus einem einfachen Grund: "Ein Messwert allein sagt noch nichts über das Krebsrisiko des Patienten aus", weiß der Urologe. "Es ist daher sinnvoll, einen Basiswert zu ermitteln und diesen in den kommenden Jahren mit weiteren Ergebnissen zu ergänzen."

Es seien der Verlauf und die Anstiegsgeschwindigkeit, die zählten, nicht der Wert an sich. Nicht der Wert an sich. "Es kann durchaus sein, dass ein Mann mit einem Wert von 15 keinen Prostatakrebs hat, ein Mann mit einem Wert von drei aber schon - das ist individuell verschieden." Wichtig sei die richtige Interpretation dieser Werte.

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