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Klaustrophobie: Definition, Ursachen, Symptome und Therapie

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Krankhafte Raumangst  

Klaustrophobie: Ursachen, Symptome und Therapie

05.08.2016, 10:57 Uhr | hm (CF)

Klaustrophobie: Definition, Ursachen, Symptome und Therapie. Verschiedene Forschungsansätze erklären sich die Raumangst entweder lerntheoretisch oder psychoanalytisch. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verschiedene Forschungsansätze erklären sich die Raumangst entweder lerntheoretisch oder psychoanalytisch. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Angst im Fahrstuhl zu fahren oder vor engen Räumen: Was umgangssprachlich oft als Platzangst bezeichnet wird, heißt eigentlich Klaustrophobie. Erfahren Sie hier mehr über die Raumangst.

Rätselhafte Raumangst: Was ist Klaustrophobie?

Bei Klaustrophobie handelt es sich um eine Angsterkrankung. Betroffene fürchten sich vor engen und geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel Fahrstühlen. Für einige Klaustrophobiker können auch größere Räume zum Problem werden, wenn sich dort viele Menschen dicht aneinandergedrängt aufhalten und dadurch ein Gefühl von Enge entsteht. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort "claustrum", zu deutsch Käfig, Verschluss, Riegel, ab.

Verwechslungsgefahr: Klaustrophobie, Platzangst, Agoraphobie

Häufig wird im Deutschen auch von Platzangst als Synonym für Klaustrophobie gesprochen. Auch wenn diese Bezeichnung sehr verbreitet ist, ist sie grundlegend falsch und bezeichnet in der Medizin das exakte Gegenteil, nämlich die Angst vor großen Plätzen, die sogenannte Agoraphobie. Der korrekte deutsche Begriff für Klaustrophobie ist Raumangst. Um einen klaustrophobischen Anfall zu erleiden, müssen sich Betroffene aber nicht zwingend in einem engen Raum befinden. Bei ausgeprägter Raumangst reicht allein die Vorstellung einer entsprechenden Situation, beispielsweise dem Steckenbleiben in einer vollen U-Bahn, um Angst bis hin zur Panik bei Betroffenen auszulösen.

In welchen Situationen Klaustrophobie bei Betroffenen auftritt und auch in welcher Ausprägung, ist eine sehr individuelle Angelegenheit. So fürchten manche von Klaustrophobie Betroffene nur ganz bestimmte Situationen wie Fahrstuhlfahrten oder Tunneldurchquerungen, andere wiederum haben mit allem, was ihnen das Gefühl von Enge gibt, ein massives Problem. Kommt zu der Enge noch Dunkelheit hinzu, beispielsweise in Tunneln, verstärkt sich die Raumangst meist noch.

Welche Ursachen gibt es für Klaustrophobie?

Über die Ursachen von Klaustrophobie herrscht nach wie vor keine Einigkeit unter Medizinern. Generell gilt, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit eine Person eine Klaustrophobie entwickelt. Neben dem weit verbreiteten lerntheoretischen Ansatz, bei dem davon ausgegangen wird, dass es sich bei der Raumangst um ein erlerntes Verhalten handelt, existieren auch psychoanalytische und neurobiologische Ansätze. Bei lerntheoretischer Betrachtung wird davon ausgegangen, dass sich die Raumangst in mehreren Schritten entwickelt.

Lerntheoretischer Ansatz: Klaustrophobie als erlerntes Verhalten

Betroffene erlernen die Klaustrophobie demnach, nachdem sie sich einmal in einer kritischen Situationen befunden haben, beispielsweise mit dem Fahrstuhl steckengeblieben sind. Haben sie in dieser Situation Angstsymptome wie Zittern oder Schwitzen an sich selbst festgestellt, die nicht rational zu erklären sind, werden diese als potenzielle Gefahr wahrgenommen und verstärken dadurch die Angst zusätzlich.

Dadurch geraten Betroffene in einen Teufelskreis: Die Symptome bestätigen den Klaustrophobiker darin, dass ein Fahrstuhl eine potenzielle Gefahrenquelle ist – auch wenn sie gar nicht mit dem eigentlichen Steckenbleiben zusammenhängen, sondern sich beispielsweise auf vorangegangenen Stress zurückführen lassen. Dennoch wird im Gehirn eine Verknüpfung zwischen "Fahrstuhlfahren" und "Gefahr" hergestellt. Diese führt dazu, dass Fahrstühle künftig gemieden werden und sich die Klaustrophobie so manifestieren kann. Bei manchen Betroffenen weitet sich die Angst im Verlauf der Krankheiten auf ähnliche Situationen aus, beispielsweise auf das U-Bahnfahren.

Klaustrophobie-Ursachen nach psychoanalytischen und neurobiologischen Ansätzen

Andere Lehrmeinungen sehen die Ursachen für Klaustrophobie auch in der jeweiligen körperlichen Disposition. Beim neurobiologischen Ansatz wird beispielsweise davon ausgegangen, dass Raumangst auch vererbt werden kann. Vertreter dieser Lehrmeinung gehen davon aus, dass das autonome Nervensystem bei von Angststörungen Betroffenen von Geburt an labiler und leichter erregbar ist als bei anderen Menschen. Daher empfinden sie schneller Angst. Daneben ist in der Neurobiologie auch die Zusammensetzung der Botenstoffe im Gehirn von Bedeutung. Gerät diese aus der Balance, könnte das eine Ursache für Klaustrophobie sein.

Ein komplett anderer Ansatz wird in psychoanalytischen Theorien verfolgt. Hier wird die Ursache für Klaustrophobie wie auch für andere Angststörungen in inneren Konflikten gesehen, die sich nach außen verlagern. Vertreter dieses Ansatzes gehen davon aus, dass die Furcht vor engen Räumen symbolhaft für eine unbewusste Fantasie steht, die durch die Klaustrophobie an die Oberfläche drängt. Der enge Raum selbst würde dem Klaustrophobiker demnach in Wahrheit gar keine Angst einflößen.

Zittern, Schwitzen, Herzrasen: Typische Symptome bei Klaustrophobie

Wer unter Klaustrophobie leidet, reagiert in engen Räumen oder in großen Menschenmassen, die das Gefühl von Enge vermitteln, mit körperlichen Anzeichen von Angst, die bis zur Panik anwachsen kann. Typische Orte und Situationen, die bei Klaustrophobie Angst auslösen können, können diese Orte sein:

  • Fahrstühle
  • U-Bahnen und Züge
  • Flugzeuge
  • enge Gänge 
  • MRT-Untersuchungen in geschlossenen "Röhren"
  • Solarien
  • Toiletten
  • volle Räume, beispielsweise bei Konzerten oder in Kinosälen

Allein die Vorstellung, in einem engen Raum gefangen zu sein, löst bei vielen Klaustrophobikern typische Angstsymptome aus. Hierzu zählen Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Übelkeit, Magenkrämpfe sowie Enge in der Brust bis hin zur Angst, zu ersticken. Klaustrophobiker fürchten in den angstauslösenden Situationen, die Kontrolle zu verlieren und sich im Notfall nicht retten zu können, weil beispielsweise kein Fluchtweg existiert. Betroffene haben in engen Räumen Angst, zu sterben, zu ersticken oder zumindest ohnmächtig zu werden. Ein verbreitetes Klaustrophobie-Symptom ist auch die Angst, verrückt zu werden. Obwohl Betroffenen bewusst ist, dass ihre Ängste nicht angemessen sind, können Menschen mit Klaustrophobie diese Symptome nicht selbstständig verhindern.

Klaustrophie-Diagnose und Therapie

Obwohl die Ursachen für Klaustrophobie noch immer nicht eindeutig geklärt sind, lässt sich die Erkrankung recht erfolgreich behandeln. Dafür ist zunächst eine gesicherte Diagnose erforderlich. Dem Gesundheitsportal "Onmeda" zufolge wird der behandelnde Arzt oder Psychologe zunächst ermitteln, wann die Angstsymptome auftreten, wie ausgeprägt sie sind und ob sie an bestimmte Situationen oder Orte gebunden sind. Wichtig bei der Diagnose ist zudem, wie lange die Symptome anhalten. Hilfreich für die Diagnose kann es sein, wenn der Betroffene zuvor ein sogenanntes Angsttagebuch führt, in dem er Situationen und Details zu den Symptomen festhält.

Je detaillierter der Betroffene das Auftreten sowie Dauer und Stärke der Symptome schildern kann, desto zuverlässiger kann der behandelnde Experte feststellen, ob tatsächlich eine reine Klaustrophie dahinter steckt oder möglicherweise eine andere Angsterkrankung. Da die typischen Symptome der Klaustrophobie auch bei diversen anderen Erkrankungen, beispielsweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, ist zudem eine körperliche Untersuchung notwendig. So können organische Ursachen ausgeschlossen werden.

Verschiedene Therapieansätze: Verhaltenstherapie und Selbsthilfe

Bei Klaustrophobie ist eine Therapie nicht immer erforderlich. Betroffene, die nur unter schwach ausgeprägter Raumangst leiden, können ihre Furcht oftmals überwinden und sich der Situation aussetzen. Sie leiden zwar unter Angst, sind aber beispielsweise durchaus in der Lage, Fahrstuhl oder U-Bahn zu fahren, wenn die Situation es zwingend erfordert. Wird die Raumangst allerdings zu einer starken Belastung oder Einschränkung im Alltag, ist eine Therapie sinnvoll.

Häufig kommt zur Behandlung von Klaustrophobie eine Verhaltenstherapie zum Einsatz. Dabei zeigt der Therapeut dem Betroffenen Denkmuster auf, die zu der Raumangst geführt haben. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird versucht, dem Patienten bewusst zu machen, welche Denkmuster seine Angst aufrechterhalten. Bei erfolgreicher Therapie lernen Betroffene, dieses Denken abzulegen.

Eine andere verhaltenstherapeutische Maßnahme ist das sogenannte Expositionsverfahren, im Volksmund besser bekannt als Konfrontationstherapie. Dabei wird der Betroffene vom Therapeuten der angstauslösenden Situation ausgesetzt. Oft geschieht dies schrittweise. So wird beispielsweise ein Fahrstuhl zunächst nur angesehen. Im weiteren Verlauf der Therapie stellt sich der Betroffene dann zunächst möglicherweise nur bei geöffneter Tür hinein, bis er letztendlich damit fährt. Ziel ist, dass der Patient durch das gezielte und wiederholte Aussetzen angstauslösender Situationen, die Angst verliert und auch in seinem Gehirn die Verknüpfung der Angst mit klaustrophobischen Situationen gelöst wird.

Für andere Klaustrophobiker ist es bereits hilfreich, sich in Selbsthilfegruppen über ihre Angststörung auszutauschen. Manche Betroffenen haben gute Erfahrungen mit dem Erlernen von Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung oder autogenem Training gemacht. Diese Techniken können in Situationen, in denen die Klaustrophobie auftritt, angewendet werden, um ruhiger zu bleiben und die typischen Symptome zu vermeiden.

Wenn Sie vermuten, unter Klaustrophobie, Agoraphobie oder möglicherweise einer anderen Angststörung zu leiden, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Arzt konsultieren. Dieser kann Ihnen helfen, die Symptome zuzuordnen, und Sie gegebenenfalls an einen Facharzt weiterleiten.

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