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Amerikaner erleidet Leberschaden nach Energydrink-Exzess

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Fallbericht  

Leberschaden nach Energydrink-Exzess

08.11.2016, 08:46 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Amerikaner erleidet Leberschaden nach Energydrink-Exzess. Leberschaden: Ein Mann aus Florida hatte täglich mehrere Dosen von Energydrinks geleert. Das ging auf die Leber. (Quelle: imago/Blickwinkel)

Ein Mann aus Florida hatte täglich mehrere Dosen von Energydrinks geleert. Die Folge war ein Leberschaden. (Quelle: Blickwinkel/imago)

Gelbe Haut, brauner Urin: Mit Bauchschmerzen sucht ein 50-Jähriger Rat in einer Klinik. In seinem Blut liegen einige Vitaminwerte weit über dem Messbereich. Dabei hat der Mann doch nur Energy-Drinks getrunken.

Zunächst schiebt es der Mann auf einen harmlosen Infekt: Er fühlt sich schlapp, hat Bauchschmerzen und keinen Appetit. Dann bemerkt der 50-Jährige, dass sich seine Haut und die Augen langsam gelb verfärben. Als sein Urin plötzlich dunkelbraun ist, ist er alarmiert.

Der Mann geht mit seinen Beschwerden in die Notaufnahme des University of Florida College of Medicine in Gainesville (US-Bundesstaat Florida). Dort erzählt er, dass er seit Jahren keinen Arzt konsultiert habe, es sei ihm stets gut gegangen. Deswegen nehme er weder verschreibungspflichtige noch frei verkäufliche Medikamente.

Viren, Drogen, Ernährung?

Weil eine Gelbfärbung von Haut und Augen immer auf eine Störung in der Leber hinweisen kann, fragen ihn die Ärzte nach seinen Trinkgewohnheiten. Alkohol trinke er kaum, sagt der Mann, er rauche auch nicht und konsumiere keine Drogen. Als Bauarbeiter habe er allerdings einen körperlich sehr anstrengenden Tag. Seit drei Wochen trinke er daher vier bis fünf Energydrinks täglich, um die Arbeitsstunden durchzuhalten. Ansonsten habe sich nichts verändert.

Auch eine Infektion könnte seine Leber geschädigt haben: Sowohl die verschiedenen Hepatitis-Viren als auch das Ebstein-Barr-Virus oder Cytomegalieviren können zu Entzündungen in dem Stoffwechselorgan führen, das wichtige Entgiftungsfunktionen übernimmt. Von einer Infektionskrankheit weiß der Patient nichts, er habe kein riskantes Sexualverhalten und auch noch nie eine Bluttransfusion bekommen.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt den Ärzten, die über ihren Patienten im Fachmagazin "BMJ Case Reports" berichten, neben der starken Gelbfärbung der Haut und der Augen die deutlich vergrößerte Leber auf, die unterhalb des rechten Rippenbogens hervorragt.

Hepatitis-C-Infektion ohne Symptome

Die Laborwerte zeigen, dass mehrere Leberenzyme erhöht sind, die vor allem für einen Leberzellschaden sprechen. Auch der Gallenfarbstoff Bilirubin ist zu hoch, was die Gelbfärbung erklärt. Daneben sind Vitamin B 12 und Folsäure so hoch, dass das Labor diese Werte gar nicht mehr genau bestimmen kann.

Außerdem hat sich der Patient offenbar unbemerkt mit Hepatitis-C-Viren infiziert, denn die Mediziner finden Antikörper gegen die Erreger in seinem Blut. Diese erklären allerdings nicht die akuten Beschwerden, sondern sprechen eher für eine schon etwas länger zurückliegende Infektion. In bis zu neun von zehn Fällen einer Hepatitis-C-Infektion - in Deutschland gibt es mehr als 400.000 Infizierte - entwickelt sich daraus eine chronische Erkrankung, die zu einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs führen kann. Mittlerweile ist die Infektion jedoch heilbar.

Trotz all der Analysen tappen die Ärzte weiterhin im Dunkeln. Weil auch eine Überdosierung mit Paracetamol zu einer Leberschädigungführen kann, suchen sie nach der Arznei im Blut ihres Patienten - werden aber nicht fündig.

Auch andere Parameter wie das Bluteiweiß Albumin und die Gerinnungswerte sind normal, und die Nieren arbeiten offenbar problemlos. Die Mediziner schließen zudem bestimmte Autoimmunerkrankungen sowie Stoffwechselerkrankungen wie die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson aus.

Vermeintlich gesund: Energydrinks

Als nächstes entnehmen die Ärzte Gewebeproben aus der Leber und untersuchen diese mikroskopisch. Sie finden akute Entzündungsreaktionen und innerhalb der Leber aufgestaute Gallenflüssigkeit - nicht jedoch den Grund dafür.

Nachdem die Ärzte vieles ausgeschlossen haben, erhärtet sich ein Verdacht: Die Energydrinks sind schuld an den Beschwerden des Mannes. Dafür sprechen die stark erhöhten Vitamin-B12- und Folsäurewerte.

Viele Hersteller mischen Vitamin-Komplexe in ihre Getränke und verpassen ihren Produkten so ein gesundes Image. Geworben wird damit, dass etwa Stoffe vom Vitamin-B-Komplex und Folsäure eine zentrale Rolle im Gehirn spielten und Müdigkeit und Erschöpfung verringerten.

Energydrinks stehen auch wegen ihres hohen Koffeingehalts immer wieder in der Kritik. Vor allem Jugendliche greifen häufig zu, teils mit fatalen Folgen.

In den vom Patienten konsumierten Getränken war auch die Konzentration von Vitamin B3, auch Niacin genannt, besonders hoch. Es ist bekannt dafür, in hohen Dosierung toxisch für die Leber zu sein.

Nahrungsergänzungsmittel überflüssig

Denn auch zu viele Vitamine können dem Körper schaden, weil sie sich anhäufen.

Laut den Autoren des Fallberichts führen Gesundheitsexperten aus den USA rund 23.000 Notfälle in Rettungsstellen auf Nahrungsergänzungsmittel zurück. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) urteilt: "Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich normal ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht."

Mit Fisch, Leber, Käse, Ei, Milch und bestimmten Gemüsearten nimmt man normalerweise ausreichend B-Vitamine und Folsäure zu sich. Eine Ausnahme bilden Schwangere, die die Stoffe zusätzlich zu sich nehmen sollten.

Trotz der heftigen Störung seiner Leberfunktion, hat der Patient Glück: Allein der Verzicht auf die Getränke macht ihn wieder gesund. Seine Übelkeit und die Bauchschmerzen verschwinden, schon nach ein paar Tagen fühlt er sich wieder wohl. Die Leberwerte erholen sich, seine Haut und die Augen nehmen wieder ihre ursprüngliche Farbe an und der Urin sieht wieder normal aus. 

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