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Parkinson: Heilung durch Stammzellen in Sicht

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Heilung in Sicht  

Forscher können Parkinson bremsen

31.08.2017, 11:42 Uhr | Walter Willems, dpa | lk

Parkinson: Heilung durch Stammzellen in Sicht. Forscher konnten mit einer Stammzellentherapie Parkinson bei Makaken lindern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/dietrichherlan)

Forscher konnten mit einer Stammzellentherapie Parkinson bei Makaken lindern. (Quelle: dietrichherlan/Thinkstock by Getty-Images)

Forscher haben es im Experiment mit Affen geschafft, Symptome von Parkinson deutlich abzuschwächen. Die Wissenschaftler aus Japan implantierten ihnen menschliche Stammzellen ins Gehirn. Grund zur Hoffnung auf baldige Linderung der sogenannten Schüttellähmung.

Die Forscher haben experimentell gezeigt, dass eine Stammzelltherapie Parkinson-Symptome ohne gravierende Nebenwirkungen bessern kann. An Makaken demonstrierte das Team aus Japan, dass die Transplantation bestimmter Zelltypen ins Gehirn die Aufnahme des Botenstoffs Dopamin steigert und die Bewegungsfähigkeit erhöht. Hinweise auf Tumore oder andere gravierende Nebenwirkungen fanden die Forscher um Tetsuhiro Kikuchi von der Universität Kyoto bei der Nachbeobachtung nicht, wie sie im Fachblatt "Nature" schreiben.

Nun könne man mit Studien an Menschen starten. Deutsche Experten werten die Untersuchung als Fortschritt bei Stammzellverfahren, vor einer Anwendung am Menschen seien aber noch viele Fragen zu klären.

280.000 Menschen leiden in Deutschland an Parkinson

Bei der Parkinson-Krankheit, die in Deutschland etwa 280.000 Menschen betrifft, sterben im Mittelhirn-Areal Substantia nigra Nervenzellen ab, die Dopamin herstellen – sogenannte dopaminerge Neuronen. Der Dopaminmangel verursacht Symptome wie etwas Muskelsteifheit und Zittern. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber Medikamente oder Therapien wie die Tiefe Hirnstimulation können die Symptomatik über viele Jahre deutlich bessern.

Implantierte Stammzellen übernahmen die Dopaminproduktion

Das Team um Kikuchi testete nun eine Stammzelltherapie an Javaneraffen (Macaca fascicularis), deren dopaminerge Neuronen sie zuvor mit einem Nervengift geschädigt hatten. Für die Behandlung versetzten sie zunächst menschliche Haut- und Blutzellen zurück in den Stammzellzustand. Die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (ipSZ) züchteten sie zu Vorläuferzellen dopaminerger Neuronen. Diese pflanzten sie dann ins Hirnareal Striatum der Primaten ein. Dabei untersuchten sie in erster Linie die Sicherheit und die Wirksamkeit der Transplantation.

Die Auswertung zeigte, dass die Vorläuferzellen in den Affen nicht nur überlebten, sondern ausreiften und die Funktion dopaminerger Nervenzellen übernahmen. Das galt unabhängig davon, ob die Zellen ursprünglich von Parkinson-Patienten oder von gesunden Menschen stammten. Die Bewegungsfähigkeit der Affen besserte sich in den folgenden Wochen, der Effekt war vergleichbar mit dem einer niedrig dosierten medikamentösen Therapie.

Es gab keine Nebenwirkungen wie Hirntumore

Wichtig ist, dass Untersuchungen der Affen in den folgenden zwei Jahren keine Hinweise auf Hirntumore ergaben – dies gilt als Risiko einer Therapie mit embryonalen und auch mit induzierten pluripotenten Stammzellen. "Diese Resultate werden zur Entwicklung medizinischer Verfahren beitragen, die pluripotente Stammzellen zur Therapie unbehandelbarer Nervenkrankheiten nutzen", folgern die Autoren, die Ende kommenden Jahres Patienten für eine klinische Studie rekrutieren wollen.

Das Verfahren ist jedoch sehr teuer

Die gut durchgeführte Untersuchung werde dazu beitragen, dass Stammzelltherapien in den kommenden Jahren klinisch geprüft würden, sagt Andreas Hermann vom Uniklinikum Dresden, der an der Arbeit nicht beteiligt war. Der Neurologe sieht den Ansatz aber eher skeptisch: "Induzierte Stammzellen haben den Vorteil, dass Patienten eigene Körperzellen bekommen könnten und somit keine Immunsuppressiva bräuchten."

Gegen die Anwendung spreche aber unter anderem, dass das Verfahren sehr teuer sei. Hermann spricht von 30.000 bis 40.000 Euro pro Patient nur für die Herstellung der Zelllinie. Die Zukunft liege wahrscheinlich darin, dass man nicht unbedingt Stammzellen des jeweiligen Patienten produziere, sondern vorhandene Zelllinien genau darauf überprüfe, ob sie zum Gewebe des Empfängers passen. Dies ähnelt dem Prozedere bei Organtransplantationen.

Allerdings wisse man aus Transplantationsstudien an Parkinson-Patienten, dass sich auch eingepflanzte Zellen Parkinson-artig verändern können. "Dieser Sachverhalt bleibt unabhängig von der Zellquelle und der neuen Studie ein Problem der Stammzelltherapie. Hermann verweist auf ein weiteres Problem: "Die Studie untersuchte nur zehn Affen, so dass insbesondere das Tumorrisiko nicht abschließend geklärt ist." Um diese Gefahr besser einschätzen zu können, müssten die verwendeten Zelllinien genauer genetisch charakterisiert sein.

Experte schlägt eine Drei-Säulen-Therapie vor

Günter Höglinger vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München sieht das ähnlich. Künftig könnte die Parkinson-Therapie möglicherweise auf drei Säulen basieren, glaubt der Neurologe. Die Besserung der Symptome durch Medikamente oder die Tiefe Hirnstimulation, das Ersetzen geschädigter Nervenzellen durch neue Zellen wie in dieser Studie, aber vor allem auch der Schutz der intakten Neuronen.

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