Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Demenz >

Auch Kinder können an Demenz erkranken

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schleichendes Vergessen  

Auch Kinder können Demenz bekommen

23.10.2017, 12:52 Uhr | Larissa Koch, t-online.de | dpa

Auch Kinder können an Demenz erkranken. Nahaufnahme eines Mädchens, dass ernst schaut. (Quelle: moodboard)

Demenz nimmt zu. Auch Kinder können betroffen sein (Symbolbild) (Quelle: moodboard)

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Sogar Kinder können eine solche neurodegenerative Erkrankung des Gehirns erleiden. Hierbei kommt es zu einem schleichenden Degenerationsprozess – schrittweise gehen alle geistigen und körperlichen Fähigkeiten verloren. Die Gesundheitsredaktion von t-online.de hat einen Spezialisten zur Kinderdemenz befragt.

Die NCL-Stiftung mit Sitz in Hamburg fördert Forschungsprojekte zur Neuronalen Ceroid Lipofuszinose (NCL) – einer Demenzerkrankung bei Kindern. 

Dr. Frank Stehr, Vorstand und Sprecher der NCL-Stiftung, hat im Gespräch mit t-online.de erklärt, wie es zu der Erkrankung kommt und wie häufig diese auftritt.

"Demenz ist ein Symptom. Auch bei Menschen mit Alzheimer ist Demenz ein Symptom von mehreren, die im Zuge der Erkrankung auftreten. Es gibt verschiedene kindliche Demenzen. NCL – die Neuronale Ceroid Lipofuszinose ist die häufigste Form von Kinderdemenz", erklärt Dr. Stehr.

Die Erkrankung wurde 1826 von einem norwegischen Kinderarzt erstmals beschrieben. Man kenne schon seit langem Krankheiten, bei denen Demenz bereits im Kindesalter auftrete, erklärt der Experte. "NCL gehört zu den seltenen Krankheiten. Derzeit gehen wir von 700 Fällen in Deutschland aus und weltweit sind es grob geschätzt 70.000." Jedoch sei Kinderdemenz in manchen Ländern noch nicht diagnostiziert worden, weil die Ärzte diese seltene Erkrankung noch nicht kennen würden. Insofern muss von höheren Fallzahlen ausgegangen werden.

Wie kommt es zur Kinderdemenz?

"NCL wird vererbt. Es ist immer ein bestimmtes Gen betroffen. Die Eltern sind Träger. Beide Eltern müssen eine Mutation auf dem NCL-Gen haben. Bei ihnen selbst kommt es aber nicht zum Ausbruch der Krankheit. Wenn ein solches Paar Kinder bekommt, haben diese ein Risiko von 25 Prozent, an NCL zu erkranken." 

Dreizehn verschiedene Formen von NCL seien derzeit beschrieben, erklärt Stehr. Bei der häufigsten Form entwickelten sich die Kinder bis zur Einschulung ganz normal. "Im Alter von fünf, sechs Jahren etwa beginnt die Krankheit mit einer Sehschwäche und die Kinder erblinden dann innerhalb von ein bis drei Jahren. Parallel findet der geistige Abbau statt. Die Kinder bekommen Probleme beim Lesen, Schreiben und Rechnen und vergessen das, was sie gerade gelernt haben", sagt Stehr.

Nervenzellen sterben ab, es kommt zum geistigen Verfall

Weil Nervenzellen abstürben, komme es zur geistigen Rückentwicklung, einem demenziellen Abbau. Hinzu kämen später epileptische Anfälle, motorische Probleme, ein Verlust der Sprachfähigkeit. Die Jugendlichen würden dann zu Pflegefällen, die rund um die Uhr betreut werden müssten. Die Lebenserwartung läge bei höchstens 20 bis 30 Jahren.

"Es gibt aber auch andere Formen, die noch eher auftreten – im Kleinkindalter – und noch schneller verlaufen. Aber die Symptomkombination von Erblinden, Epilepsie, Demenz und motorischen Problemen haben alle, nur teilweise in unterschiedlicher Reihenfolge", ergänzt Stehr. 

Zahl der erwachsenen Alzheimerpatienten beinahe verdoppelt 

Während Kinder nur selten unter Demenzerkrankungen leiden, nimmt die Erkrankung bei der Nervenzellen im Gehirn abgebaut werden, bei Erwachsenen deutlich zu. Die häufigste Demenzerkrankung ist Morbus Alzheimer.

Und die Zahl der Alzheimerpatienten in deutschen Kliniken hat sich binnen 15 Jahren fast verdoppelt. 2015 wurden 19.049 Patienten wegen der Erkrankung stationär behandelt – 2001 waren es erst 10.306 Fälle, wie das Statistische Bundesamt im September 2017 mitteilte. Dies entsprach einem Anstieg von 85 Prozent. Im Jahr 2000 hätten die Krankenhäuser sogar nur 8132 Alzheimerpatienten versorgt.

In Deutschland haben 1,6 Million Menschen Demenz. Die häufigste Form der Demenz ist Morbus Alzheimer. Die Erkrankung beginnt mit Gedächtnislücken und Sprachproblemen. Die Kranken werden orientierungslos und können sich nicht mehr erinnern. Schließlich verlieren sie ihre Selbstständigkeit und erkennen ihre Angehörigen nicht mehr. Jahr für Jahr erhalten in Deutschland rund 300.000 Menschen die Diagnose Demenz oder Alzheimer.

1906 beschrieb der Nervenarzt Alois Alzheimer die Erkrankung erstmals.

FRAGEN UND ANTWORTEN:

Was ist Alzheimer?

Ungefähr zwei Drittel der 1,6 Millionen Demenzkranken leiden laut Deutscher Alzheimergesellschaft an Alzheimer. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde.

Welche Symptome zeigen sich?

Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Im weiteren Verlauf werden die gewohnten Handlungen immer schwieriger. Der Patient vergisst häufiger Worte, wird orientierungslos und kann sich nicht mehr erinnern. Einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen werden unmöglich. Schließlich verliert der Patient seine Selbstständigkeit und erkennt seine Angehörigen nicht mehr. Die Störungen des Denk- und Urteilsvermögens lassen ein normales Alltagslebens immer schwieriger werden. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

Was löst die Krankheit aus?

Die genauen Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Das Gehirn von Alzheimerkranken weist typische Eiweißablagerungen auf. Fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge schädigen die Nervenzellen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Übertragungsstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. In 90 Prozent der Fälle wirken genetische Faktoren, Alterungsprozesse und Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse zusammen. In sehr wenigen Fällen gibt es eine rein erbliche Veranlagung.

Wer ist betroffen?

Zwar kann die Krankheit auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, das Alter ist aber unbestritten der größte Risikofaktor für Alzheimer. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 80 Jahre, fast 70 Prozent sind zudem Frauen.

Gibt es Aussicht auf Heilung?

Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Durch eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten kann der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit aber um etwa ein Jahr hinausgezögert werden. Auch Verhaltens-, Musik- oder Erinnerungstherapien können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Forschung konzentriert sich nicht nur auf Therapien, sondern auch auf die Früherkennung. Denn die Krankheit wird meist erst erkannt, wenn die geschädigten Hirnzellen unwiederbringlich verloren sind. Eine verlässliche Methode zur Früherkennung würde die Chance erhöhen, den Krankheitsverlauf zumindest zu verzögern.

Kann man Alzheimer vorbeugen?

Experten empfehlen geistige, körperliche und soziale Aktivitäten zur Verringerung des Risikos, an Alzheimer zu erkranken. Empfohlen wird auch eine ausgewogene sowie fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes. Untersuchungen zeigten, dass die Zunahme der Erkrankungen in manchen Ländern nicht mehr so groß ist wie erwartet. Als Grund dafür werden eine gesündere Lebensweise und rege Hirnaktivität vermutet.

Was sind die Prognosen für die Zukunft?

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Demenzkranken Schätzungen zufolge auf etwa drei Millionen nahezu verdoppeln, sofern kein Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Top-Produkte aus der TV-Show "Die Höhle der Löwen"
jetzt entdecken bei Rakuten.de
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017