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Brustkrebs beim Mann  

Brustkrebs bei Männern wird oft erst spät erkannt

23.07.2010, 10:35 Uhr | apn, dapd

Brustkrebs beim Mann wird oft erst spät erkannt. Brustkrebs: Auch Männer bekommen Brustkrebs. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Brustkrebs: Auch Männer bekommen Brustkrebs. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Sie sind eine vernachlässigte Minderheit: Rund 500 Männer erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs. Im Vergleich zu den rund 55.000 Brustkrebs-Patientinnen fallen die männlichen Patienten kaum ins Gewicht - ihr Anteil liegt bei unter einem Prozent. Gerade weil Brustkrebs zu 99 Prozent Frauen trifft, seien sich Männer und auch viele Ärzte des Problems nicht bewusst, klagt Holm Eggemann von der Universitätsklinik Magdeburg. "Die Männer kommen im Vergleich zu den Frauen meist mit einem höheren Tumorstadium", sagt der Gynäkologe. Ein weiteres Problem: Gerade wegen der geringen Patientenzahl gibt es keine speziellen Therapien für Männer.

"Therapiekonzepte stammen von der Frau"

Die Behandlung von brustkrebskranken Männern basiert auf Studien an Patientinnen mit einem Mammakarzinom. Das Problem: Deren Resultate lassen sich nicht einfach auf das andere Geschlecht übertragen. "Die therapeutischen Konzepte stammen von der Frau, aber die Biologie des Mannes ist eine andere", sagt der Bremer Onkologe Bernhard Wörmann. Dass Peter Jakobi (Name von der Redaktion geändert) an einer typischen Frauenkrankheit litt, kümmert ihn wenig. Aber wenn er bei der regelmäßigen Brustkrebs-Nachsorge im Behandlungsraum der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik den gynäkologischen Stuhl erblickt, fühlt er sich auch nach zwei Jahren noch fremd. "Da komme ich mir vor wie ein Exot", sagt der 60-jährige Fluglotse. Statistisch gesehen ist dieses Gefühl durchaus begründet. Nur etwa einer von 1.000 Männern erkrankt im Lauf seines Lebens an Brustkrebs, aber manche Gruppen sind stärker gefährdet: Wer eine Mutation auf dem Brustkrebsgen BRCA2 trägt, hat ein Erkrankungsrisiko von rund sieben Prozent. Männer mit Klinefelter-Syndrom produzieren vermehrt weibliche Sexualhormone, was ihre Gefährdung bis zu 50-fach erhöht. Auch starkes Übergewicht steigert die Wahrscheinlichkeit.

Diagnose: Brustkrebs

Jacobi zählt zu keiner Risikogruppe. Der Familienvater ist ein drahtiger Marathonläufer, genetisch unauffällig. Trotzdem erkrankte er mit 58 Jahren an Brustkrebs - neun Jahre früher als der Durchschnitt. Typisch war allenfalls das Symptom. "Beim Fernsehen lag die Hand auf meiner Brust", erzählt er. "Da spürte ich unter der Brustwarze einen Knubbel." Der Hautarzt schickte ihn zur Gynäkologin. Die gab nach kurzer Ultraschall-Untersuchung Entwarnung. Dennoch ließ die Geschwulst Jacobi keine Ruhe - zum Glück. Als er einen Monat später ein Brustzentrum aufsuchte, entnahm die Frauenärztin sofort eine Gewebeprobe. Zehn Tage später kam der Befund: Bösartiger Tumor, Durchmesser 1,2 Zentimeter.

Tumor wird bei Männern oft spät entdeckt

Jacobi hatte Glück - doch bei vielen Männern wird der Tumor erst spät entdeckt. "Viele wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen. Durchschnittlich vergeht ein halbes Jahr bis zum Besuch beim Facharzt.", sagt Holm Eggemann. Die Folge: Die meisten Tumoren haben schon einen Durchmesser von über zwei Zentimetern, 60 Prozent haben schon Lymphknoten der Achselhöhlen befallen. Bei fast allen Patienten entfernen Ärzte die Brust. Die weitere Therapie richtet sich nach dem Krebsstadium. Meist folgt eine Bestrahlung, und ob zudem eine Chemotherapie nötig ist, hängt vor allem davon ab, ob der Tumor das Lymphsystem erreicht hat. Aber unabhängig davon verordnen Ärzte fast allen Männern eine Hormontherapie. Der Grund: Bei etwa 95 Prozent der Patienten reagiert der Tumor auf weibliche Sexualhormone wie Östrogen. Bei Frauen beträgt der Anteil etwa 75 Prozent. Die weitaus meisten Männer nehmen daher das Mittel Tamoxifen, das die Östrogenrezeptoren blockiert. Zwar hilft das Mittel: Die Prognose bei Brustkrebs scheint - sofern man den äußerst spärlichen Daten vertraut - für Männer nicht wesentlich schlechter zu sein als für Frauen. Aber Studien zur optimalen Einnahmedauer gibt es bei ihnen nicht.

Hormontherapie für Männer unangenehm

"Wir geben wie bei Frauen fünf Jahre Tamoxifen, aber wir wissen nicht, ob drei oder sechs Jahre besser wären", sagt Wörmann. Nicht einmal die Nebenwirkungen der Hormontherapie sind bei Männern geklärt: Studien deuten darauf hin, dass das Mittel bei ihnen mehr Probleme verursacht als bei Frauen - darunter Hitzewallungen, Knochenschwund, ein erhöhtes Thromboserisiko oder psychische Labilität. Zudem klagen viele Männer, das Mittel beeinträchtige ihr Sexualleben. "Die Hormontherapie war das eigentliche Problem", sagt auch Jacobi. Zusätzlich zu anderen Nebenwirkungen spürte er, wie das sexuelle Verlangen schwand. Schließlich setzte er Tamoxifen nach zwei Jahren vorzeitig ab. Seither normalisiert sich die Libido wieder. Dennoch weiß Jacobi nicht, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat. "Man steckt in einer Zwickmühle", sagt er. "Wenn die Krankheit fortschreitet, bildet sie Metastasen und führt letztlich zum Tod."

Um die Therapie zu verbessern, würden Studien an Männern dringend benötigt. Aber dafür mangelt es nicht nur an Patienten, sondern auch an Geldgebern, wie Gynäkologe Eggemann weiß: "Seltene Erkrankungen werden einfach weniger erforscht."

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