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Brustkrebs: Regierung räumt mangelnde Aufklärung über Mammografie-Screening ein

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Brustkrebs  

Regierung räumt mangelnde Aufklärung über Mammografie-Screening ein

12.08.2014, 09:44 Uhr | cib, Spiegel Online

Brustkrebs: Regierung räumt mangelnde Aufklärung über Mammografie-Screening ein. Mammographie: Viele Frauen sind nicht gut genug über Nutzen und Risiken der Mammographie informiert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Frauen sind nicht gut genug über Nutzen und Risiken der Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs informiert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Frauen wissen häufig nicht, welchen Nutzen und welche Risiken das Mammografie-Screening birgt. Dies musste jetzt die Bundesregierung einräumen: Bei der Aufklärung der Betroffenen gebe es Lücken.

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten in Deutschland alle zwei Jahre einen Brief mit der Betreffzeile "Einladung zur Teilnahme am bundesweiten Programm zur Früherkennung von Brustkrebs". Ziel sei es, so heißt es in dem Einladungsschreiben, möglichst früh erste Anzeichen von Brustkrebs zu entdecken. Eine frühere Erkennung verbessere die Heilungschancen und ermögliche eine schonende Behandlung. Und weiter: "Damit auch Sie an dem Programm teilnehmen können, bieten wir Ihnen folgenden Termin an."

Wie sinnvoll ist das Mammografie-Screening?

Auf die Mammografie, also die Röntgenuntersuchung der Brust, haben alle eingeladenen Frauen einen gesetzlichen Anspruch. Doch wie sinnvoll ist dieses Screening-Programm überhaupt?

UMFRAGE
Gehen Sie regelmäßig zur Mammografie?

Nicht nur über die Frage, wie viele Leben das Screening überhaupt retten kann, wird hitzig debattiert. Befürworter des Programms führen Studien auf, die zeigen, dass Tumoren tatsächlich früher entdeckt - und Frauen dadurch mit weniger belastenden Therapien behandelt werden können, Chemotherapien seltener notwendig sind, und die Prognosen besser.

Kritiker dagegen kontern mit Studien, die zeigen, dass die Untersuchung nicht nur nützen, sondern auch Schaden anrichten kann: nämlich wenn gesunde Frauen einen falschen Befund bekommen, unnötigerweise behandelt werden und ihnen sogar ein Teil oder die gesamte Brust entfernt wird.

Viele Frauen überschätzen Nutzen der Röntgenuntersuchung

Für die meisten Frauen dürfte das Tauziehen um Sinn und Unsinn des Mammografie-Screenings vor allem eines sein: verwirrend. Fest steht, dass viele von ihnen, wie vor Kurzem eine Umfrage der Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung zeigte, den Nutzen der Röntgenuntersuchung massiv überschätzen.

Muss die Bundesregierung besser aufklären?

Ende Juli stellte die Linke deshalb eine Kleine Anfrage im Bundestag. Darin wirft die Fraktion die Frage auf, ob die Bundesregierung daran eine Mitverantwortung trage, da etwa das Merkblatt "Mammographie-Screening in Deutschland - Erfahrungen und Perspektiven" von 2008 nach wie vor zum Download angeboten werde und keinerlei Hinweise zu möglichen negativen Auswirkungen der Teilnahme an der Untersuchung enthalte.

Auch auf dem Internetauftritt mammoprogramm.de der "Kooperationsgemeinschaft Mammographie", die für die Einladung zum Screening sowie die Information der Öffentlichkeit verantwortlich ist, fänden sich überwiegend Erfolgsmeldungen wie "Brustkrebsscreening rettet Leben" oder "Mammographie-Screening auf Erfolgskurs", heißt es in der Linken-Anfrage. Selbst die wenigen Seiten, die über die Nachteile des Screenings aufklärten, würden letztlich ein eindeutig positives Bild vermitteln.

"Der Nutzen des Screenings ist unklarer denn je", sagt Birgit Wöllert, Obfrau der Linksfraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestages. "Es ist eine Frage der Ehrlichkeit, das auch so offen zu sagen. Wie sonst sollen die eingeladenen Frauen die für sie richtige Entscheidung treffen können?"

Infomaterial zur Mammografie soll überarbeitet werden

In seiner Antwort auf die Kleine Anfrage, die "Spiegel Online" vorliegt, räumt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein, dass die Studien, die den Nutzen der Reihenuntersuchung analysiert haben, von den Experten unterschiedlich bewertet würden. Daher sei es schwierig, die Ergebnisse zusammenzufassen und einheitlich zu interpretieren.

Der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA prüfe die wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema. "Dabei hat sich gezeigt, dass die Inhalte des Merkblatts zum Mammografie-Screening an den aktuellen medizinischen Kenntnisstand angepasst werden müssen." Auch der G-BA hatte bereits in einer Pressemitteilung erklärt, dass das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 21. August damit beauftragt werden soll, das Merkblatt sowie die Einladung zum Programm zu überarbeiten.

Früherkennung schützt nicht vor Brustkrebs

Auf die Frage, welche Kenntnisse die Bundesregierung über den Wissensstand in der Bevölkerung im Bezug auf den möglichen Nutzen und Schaden durch die Teilnahme am Mammografie-Screening habe, nennt das BMG eine repräsentative Befragung von 2012. Demnach überbewertet eine große Mehrheit der Teilnehmerinnen den Nutzen des Programms trotz des Merkblattes. "Es zeigten sich bei der Mehrzahl der befragten Frauen deutliche Wissenslücken rund um das Thema Brustkrebs, seine Risikofaktoren sowie die Möglichkeiten und Grenzen" des Screenings.

Das bestätigt auch die aktuelle Umfrage. Demnach ist offenbar jede zweite Frau falsch oder unzureichend informiert. 30 Prozent machen zudem einen schweren Denkfehler: Sie halten die Früherkennungsuntersuchung für eine Vorsorgeuntersuchung und glauben, die Mammografie könne vor Brustkrebs schützen. Und nur wenige Frauen kennen etwa die Risiken durch falsch-positive Befunde.

Frauen müssen Nutzen und Risiken besser abwägen können

Für Jürgen Windeler, Leiter des IQWiG, das sich bald mit der Informationspolitik des deutschen Mammografie-Programms befassen wird, steht fest: "Wir tun gut daran, solche Reihenuntersuchungen regelmäßig zu überdenken", sagte er bereits im Februar in einem Interview. "Es gibt gute Argumente dafür, dass das Screening ein bisschen etwas bringt. Und es gibt gute Argumente dafür, dass es nicht viel bringt. Wichtig ist für mich, dass wir bei dieser extremen Nähe von Nutzen und Nichtnutzen die Frauen adäquat und sorgfältig aufklären."

Um Frauen die Entscheidung für oder gegen ein Mammografie-Screening zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst (KID) eine Informationsseite zu diesem Thema erstellt. Angeboten wird auch eine telefonische Beratung unter der Nummer 0800 - 420 30 40.

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