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Brustkrebs-Screening bleibt weiterhin umstritten

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Gefahr der Überdiagnose  

Nutzen von Brustkrebs-Screening bleibt umstritten

02.09.2015, 16:59 Uhr | Andrea Goesch

Brustkrebs-Screening bleibt weiterhin umstritten. Eine Mammografie wird mit Hilfe von hochaufflösenden Röntgengeräten erstellt. Für die Krebsfrüherkennung kann das Vorteile haben, führt aber oft auch zu Überdiagnostik. (Quelle: dpa)

Eine Mammografie wird mit Hilfe von hochaufflösenden Röntgengeräten erstellt. Für die Krebsfrüherkennung kann das Vorteile haben, führt aber oft auch zu Überdiagnostik. (Quelle: dpa)

Das Früherkennungsprogramm für Brustkrebs ist schon seit einiger Zeit in die Kritik geraten. Einige Experten zweifeln am Nutzen des flächendeckenden Mammografie-Screenings, zu dem Frauen im Alter von 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre von ihrer Krankenkasse eingeladen werden. Eine aktuelle Studie an der Harvard University in Cambridge kommt ebenfalls zum Schluss, dass die Röntgenuntersuchung weit überschätzt werde. Sie rette deutlich weniger Leben als angenommen. Dafür steige die Gefahr der Überdiagnosen.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Studie im Fachmagazin "JAMA Internal Medicine". Unter der Leitung von Charles Harding wurden medizinische Daten von 16 Millionen amerikanischer Frauen ab 40 Jahren untersucht und mit Daten aus dem Krebsregister verglichen. Alle Frauen hatten in den Jahren 1998 und 1999 eine Mammografie durchführen lassen.

Bessere Diagnostik, aber die gleiche Sterberate

Die Forscher betrachteten, wie häufig die Frauen weiterhin zur Mammographie gingen, sie verglichen dies mit der Zahl der Brustkrebsdiagnosen und den Sterberaten. Ergebnis: Je häufiger eine Röntgenuntersuchung der Brust durchgeführt wurde, umso mehr Brustkrebs-Diagnosen gab es. Allerdings sank die Sterberate trotz vermehrter Screenings nicht. Das bedeutet: Die Teilnahme am Screening hatte keinen relevanten Einfluss auf die Überlebenschancen der Frauen.

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Die Gefahr der "weit verbreiteten Überdiagnostik"

Als Ursache hierfür vermuten die Forscher eine "weit verbreitete Überdiagnostik“. Viele der kleinen Tumoren mit einer Größe unter zwei Zentimetern, die durch das Screening entdeckt wurden, hätten womöglich nie Probleme bereitet, da sie nicht weiter gewachsen wären oder sich gar zurückgebildet hätten. Daher raten die Forscher dazu, den Nutzen und die Risiken der Untersuchung gut gegeneinander abzuwägen.

Expertin: Frühe Diagnose verbessert die Heilungschancen

Bedeutet das, dass Frauen auf die Untersuchung, die in Deutschland nach wie vor von den Krankenkassen befürwortet wird, besser verzichten sollten? Nicht unbedingt, sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg. "Je früher ein Tumor in der Brust erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen." Die Behandlung sei weniger belastend für die Patientin und die Chance, dass die Brust erhalten bleibt, sehr viel höher.

Das von den Krankenkassen angebotene Screening-Programm habe hohe Qualitätsanforderungen. Die Untersuchung müsse von qualifizierten Ärzten in speziellen Röntgenzentren durchgeführt werden. Diese verfügten über digitale Geräte, die technisch auf neuestem Stand sind und präzise Bilder lieferten.

Überflüssige OPs sind nicht ausgeschlossen

Doch das Verfahren hat auch Nachteile, räumt Weg-Remers ein. Denn was für einige Patientinnen tatsächlich von Nutzen ist, ist für andere möglicherweise ein Schaden. Die hochauflösenden Röntgengeräte bergen nämlich auch die Gefahr der Überdiagnose. "So kann es vorkommen, dass kleinste, millimetergroße Tumoren, die sich möglicherweise unbehandelt von selbst zurückbilden würden, erkannt und unnötigerweise operiert werden", so die Expertin.

Brustkrebs-Screening als "individuelle Entscheidung"

Zudem seien Mammografien, die alle zwei Jahre durchgeführt würden, kein Garant dafür, dass sich in der Zwischenzeit nicht doch ein Krebs entwickle, betont die Expertin. Mediziner sprechen hier von "Intervallkarzinomen". Nicht zu unterschätzen sei auch die psychische Belastung, die eine Frau im Fall einer positiven Diagnose ausgesetzt sei. Bei einem sehr aggressiven Krebs, der nicht mehr heilbar ist, kann das unter Umständen bedeuten, dass die restliche Lebenszeit der Patientin unnötig beschwert wird.

Aus diesen Gründen spricht der KID ratsuchenden Frauen keine generelle Empfehlung für das Mammografie-Screening aus. "Ob eine Patientin die Untersuchung durchführen lässt, ist eine individuelle Entscheidung", sagt Weg-Remers. Wichtig jedoch sei, sich ausreichend über die Untersuchungsmethode zu informieren und die Nutzen und Risiken für sich abzuwägen.

Für Risikopatientinnen gelten andere Regeln

Einen Sonderfall stellen Frauen dar, die aufgrund einer genetischen Veranlagung ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs haben. Das ist bei Frauen der Fall, die krankheitsauslösende Veränderungen, also Mutationen, in den Hochrisiko-Genen BRCA1 beziehungsweise BRCA2 in sich tragen. "Diesen Patientinnen empfehlen wir ein intensiviertes Früherkennungsprogramm", sagt Weg-Remers. Es setze alternsmäßig früher als das herkömmliche Verfahren an und umfasse regelmäßige Mammografien und andere bildgebende Verfahren. Ob eine Frau zu dieser Zielgruppe gehört, lässt sich mithilfe eines Bluttests feststellen.

Durch Abtasten werden Tumore später erkannt

Für Frauen, die sich gegen eine Mammografie entscheiden, stellt das regelmäßige Abtasten der Brüste eine Alternative dar. Es kann selbst erfolgen oder aber vom Gynäkologen im Rahmen der Krebsvorsorge durchgeführt werden. "Allerdings sind viele Tumoren in der Regel erst ab einem Durchmesser von circa einem Zentimeter fühlbar", gibt Weg-Remers zu bedenken. Dadurch werden sie auf diesem Wege oft nicht im Frühstadium erkannt. Bei besonders aggressiven, invasiven Karzinomen kann dies möglicherweise schon zu spät sein.

Um Frauen die Entscheidung für oder gegen ein Mammografie-Screening zu erleichtern, hat der KID eine Informationsseite zu diesem Thema erstellt. Angeboten wird auch eine telefonische Beratung unter der Nummer 0800 - 420 30 40.

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