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Mammografie führt selten zu Fehldiagnosen bei Brustkrebs

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Brustkrebs-Früherkennung  

Falschdiagnosen nach der Mammografie sind selten

13.07.2016, 12:17 Uhr | Ulrike von Leszczynski, dpa, t-online.de

Mammografie führt selten zu Fehldiagnosen bei Brustkrebs. Mammografie-Screening: Hier hat ein Arzt auf der Röntgenaufnahme einen kleinen Tumor in der Brust entdeckt. (Quelle: dpa/Jan-Peter Kasper)

Hier hat ein Arzt bei der Auswertung der Mammographie einen kleinen Tumor in der Brust entdeckt. (Quelle: Jan-Peter Kasper/dpa)

Viele Frauen sind verunsichert über Nutzen und Risiken des Mammografie-Screenings zur Früherkennung von Brustkrebs. Viele fürchten Fehl- und Überdiagnosen. Die gibt es – aber sie sind selten, wie eine aktuelle Auswertung belegt. Auf der anderen Seite erhöht die Mammografie die Wahrscheinlichkeit, dass Krebs sehr früh entdeckt wird.

Bei der Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland kommt es nur selten zu Falschdiagnosen. Insgesamt werde bei 6 von 1000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren durch systematische Röntgenuntersuchungen Brustkrebs entdeckt, teilt die "Kooperationsgemeinschaft Mammographie" mit. Insgesamt erhielten dabei nur drei Prozent der regelmäßigen Teilnehmerinnen eine falsche Tumordiagnose. Damit liege Deutschland bei den falsch-positiven Befunden unter dem Grenzwert von fünf Prozent, den die Europäischen Leitlinien empfehlen. Die neuen Ergebnisse beruhen auf dem jüngsten Qualitätsbericht des Screenings für das Jahr 2013.

Träger der "Kooperationsgemeinschaft Mammographie" sind die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Nach Anfangsverdacht: Entwarnung für zwei Drittel der Frauen 

Von rund 2,9 Millionen untersuchten Frauen, die der Einladung zum Screening folgten, erhielten nach den jüngsten Zahlen 17.430 die Diagnose Brustkrebs. Allerdings wurden zuvor fast 129.000 Frauen erneut eingeladen, weil mindestens ein geschulter Arzt den Befund auffällig fand. "Das Mammografie-Screening steht immer wieder wegen vermeintlich vieler Falschdiagnosen in der Kritik", sagt Vanessa Kääb-Sanyal, Leiterin der Geschäftsstelle der "Kooperationsgemeinschaft Mammographie". Ärzte im Screening müssten jedoch jedem begründeten Verdacht nachgehen, um kein Karzinom zu übersehen.

Die Aufforderung zur Abklärung ist für viele Frauen ein Schock. Bei zwei Dritteln von ihnen konnten Ärzte 2013 aber schon nach kurzer Zeit durch weitere Untersuchungen, zum Beispiel mit Ultraschall, Entwarnung geben. Bei rund 35.000 Frauen blieb der Verdacht jedoch weiter bestehen. Nur ihnen wurde eine Biopsie, die Entnahme einer Gewebeprobe durch eine Mini-Operation, empfohlen. Rund die Hälfte erhielt danach die Diagnose Brustkrebs.

Bis zu 80 Prozent der Krebserkrankungen werden entdeckt

Beim Screening würden heute 75 bis 80 Prozent der Brustkrebserkrankungen entdeckt, erläutert Corinna Heinrich, Sprecherin der Kooperationsgemeinschaft. Dass es nicht 100 Prozent sein können, liege vor allem daran, dass Tumore auch zwischen den Untersuchungen im Abstand von zwei Jahren wachsen können. Und sie könnten auch übersehen werden.

Bei Frauen sind Karzinome in der Brust die häufigste Krebsart - und entsprechend gefürchtet. Nach den jüngsten Zahlen für 2012 gab es in Deutschland rund 70.000 Neuerkrankungen. 17.750 Frauen starben an Brustkrebs.

Deshalb ist das Mammografie-Screening umstritten

Das Mammografie-Screening, das zwischen 2005 und 2009 flächendeckend in Deutschland eingeführt wurde, ist mit Blick auf Kosten und Nutzen nicht unumstritten. Denn sichere Ergebnisse, ob Frauen durch das Verfahren wirklich einen Überlebensvorteil haben, können frühestens nach zehn Jahren vorliegen. Dafür wären Teilnehmeraten von 70 Prozent wünschenswert, in Deutschland liegen sie im Moment bei 57 Prozent. Oft haben Frauen Angst vor der Untersuchung - sie ist nicht ganz schmerzlos.

Vorteil: Tumore werden im Frühstadium entdeckt

Nach den Statistiken des Robert Koch-Instituts (RKI) stiegen die Brustkrebs-Neuerkrankungsraten in Deutschland seit 2005 zunächst sprunghaft an. Seit 2009 sind sie leicht rückläufig. Das deute darauf hin, dass in der ersten Phase des Programms viele Tumore deutlich früher entdeckt wurden als ohne Screening, heißt es im RKI-Zentrum für Krebsregisterdaten.

Fest steht auch schon, dass Tumore in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen durch das Screening in einem früheren und kleineren Stadium entdeckt werden als vor Beginn der Reihenuntersuchung. Das kann die Chancen erhöhen, dass Frauen bei Operationen ihre Brust behalten können und der Krebs noch nicht gestreut hat.

Bessere Überlebenschancen bei Brustkrebs 

Trotz gestiegener Erkrankungszahlen sterben heute weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren, heißt es beim RKI. Die Überlebenschancen hätten sich vor allem durch Fortschritte in der Therapie deutlich verbessert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden beim Screening aber auch einige Tumore diagnostiziert, die sonst lebenslang unerkannt geblieben wären und keine Beschwerden verursacht hätten. Kritiker sprechen deshalb von Überdiagnosen.

Strahlenrisiko contra Krebsrisiko

Das Strahlenrisiko bei der Röntgenuntersuchung wird heute von Experten wegen moderner Geräte als deutlich geringer eingeschätzt als noch vor 20 Jahren. Doch die Frage bleibt, ob die Vorteile der Untersuchung das Risiko überwiegen, vorwiegend gesunde Frauen überhaupt Röntgenstrahlung auszusetzen.

Fakten zur Mammografie

Jede Frau muss für sich abwägen, ob sie für die Möglichkeit der Früherkennung und von Brustkrebs und damit besseren Heilungschancen das Risiko einer Überdiagnose und unnötigen Behandlung in Kauf nimmt. Bei der Entscheidung helfen womöglich diese Zahlen aus dem offiziellen Merkblatt, das der Gemeinsame Bundesausschuss zum Mammografie-Screening herausgibt:

  • Von 1000 Frauen, die zum Mammografie-Screening eingeladen sind, werden statistisch gesehen 35 innerhalb der folgenden zehn Jahre an Brustkrebs erkranken.
  • Von 1000 Frauen erhalten 970 nach der Mammografie einen unauffälligen Befund (kein Krebsverdacht).
  • Bei 30 von 1000 Frauen ergibt die Mammografie einen Anfangsverdacht auf Brustkrebs.
  • Bei 24 dieser 30 Frauen mit auffälligem Befund erweist sich der Verdacht nach weiteren Untersuchungen als unbegründet.
  • Bei sechs dieser 30 Frauen wird tatsächlich Krebs festgestellt. 
  • Wenn 1000 Frauen zehn Jahre lang am Screening teilnehmen, werden eine bis zwei von ihnen vor dem Tod an Brustkrebs bewahrt.
  • Von 1000 Frauen, die zehn Jahre lang am Screening teilnehmen, erhalten fünf bis sieben eine Überdiagnose und werden unnötig behandelt. Bei ihnen werden bei der Mammografie Tumore und Zellveränderungen entdeckt, die womöglich nie Probleme bereitet hätten.

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