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Alternative Krebstherapien von Heilpraktikern können tödlich sein

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Nach Todesfällen in Krebsklinik  

Alternative Therapien können Krebs verschlimmern

05.08.2016, 14:00 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, dpa, t-online.de

Alternative Krebstherapien von Heilpraktikern können tödlich sein. Das Gebäude des "biologischen Krebszentrums" Bracht. (Quelle: dpa)

Das Gebäude des "biologischen Krebszentrums" Bracht. (Quelle: dpa)

Wer Krebs hat, greift oft nach allem, was Heilung verspricht. Kein Wunder, dass auch alternative Krebstherapien dazu gehören. In einer Krebsklinik, die das anbietet, sind jetzt mehrere Todesfälle aufgetreten. Wir haben eine Krebsexpertin gefragt, was sie von "alternativen Krebsheilern" hält.

Drei Menschen sind vor kurzem nach der Behandlung im "Klaus-Ross-Zentrum" für alternative Krebstherapie im nordrhein-westfälischen Brüggen-Bracht gestorben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Krefeld laufen.

Behörden: Patienten des Krebszentrums Brügge-Bracht in Gefahr

Die Behörden sind besorgt um die Gesundheit weiterer Kranker, die dort behandelt wurden. Sie riefen alle Patienten des Krebszentrums Brüggen-Bracht auf, sich zu melden. Polizeiberichten zufolge hatte eine 43-jährige Brustkrebspatientin am 30. Juli mit Kopfschmerzen ein Krankenhaus in Mönchengladbach aufgesucht, nachdem sie in Brüggen-Bracht behandelt worden war. Später sei sie verwirrt und nicht mehr ansprechbar gewesen und gestorben.

3-Bromopyruvat: Eingesetztes Mittel hat keine Zulassung

Im Zuge der alternativen Krebsbehandlung soll angeblich das Mittel 3-Bromopyruvat (3BP) zum Einsatz gekommen sein. Die Klinik wirbt auf ihrer Homepage mit der Verwendung des Wirkstoffes. Das Mittel soll den Zuckerstoffwechsel hemmen, so dass Krebszellen zugrunde gehen. Es handelt sich um ein organisches Molekül, das durch ein Brom-Atom ergänzt wird.

Doch zu diesem Wirkstoff gibt es bisher nur wenige Informationen. Hinweise auf die Wirksamkeit des Medikaments beschränken sich auf Tierversuche und Versuche im Reagenzglas.

Wirkstoff kann noch nicht bewertet werden

"Es handelt sich hierbei um einen Stoff, der sich im Augenblick noch in der experimentellen Grundlagenforschung befindet", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) der Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. "Studien am Menschen fehlen bislang. Einzig der Einsatz bei einem jungen Mann mit Leberzellkrebs im Rahmen eines individuellen Heilversuchs ist bekannt. Dieser starb allerdings während der Behandlung. Eine Bewertung des Wirkstoffs anhand dieses einen Behandlungsversuchs ist jedoch nicht möglich."

"Heiler" spielen mit dem Leben der Patienten

Warum der Heilpraktiker seinen Patienten das Mittel verabreichte, obwohl er nicht abschätzen konnte, wie es wirkt, ist unklar. Laut der Krebsexpertin kommt es immer wieder vor, dass ungeprüfte Wirkstoffe vorzeitig zum Einsatz kommen. Dabei spielen die vermeintlichen Heiler mit dem Leben der Patienten. "Der Heilpraktiker hat hier nicht nur seine Sorgfaltspflicht verletzt. Er hat auch falsche Hoffnungen geweckt", sagt Weg-Remers.

Alternative Heilmethoden: Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt

Die Bandbreite alternativer Heilmethoden reicht von pflanzlichen Präparaten und Organextrakten wie einem Leber-Milz-Präparat vom Schwein, über Nahrungsergänzungsmittel, Hyperthermie und Entspannungstechniken bis hin zu Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin.

Mistelextrakte sind die bei Krebsbehandlungen am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamente - und zugleich eine der umstrittensten Therapien. Ob die Mistel gegen Krebs wirkt, lässt sich trotz umfangreicher Forschung nicht zweifelsfrei beantworten. Es gibt Hinweise, dass sich Patienten damit allgemein besser fühlen und ihre Lebensqualität während einer Chemotherapie weniger leidet.

Doch wie gehen Krebspatienten am besten mit dem Angebot alternativer Heilmethoden um? Laut der Krebsexpertin ist hier Vorsicht geboten. "Von alternativen Heilmethoden sprechen Mediziner immer dann, wenn Therapien zum Einsatz kommen, deren positive Wirkung in Studien nicht belegt werden konnte", sagt Weg-Remers. "Auch mögliche Risiken für die Gesundheit sind häufig nicht erforscht."

Todesfälle nach alternativen Therapien

Manche alternative Krebstherapien bergen ein hohes Risiko, etwa der Einsatz des Wirkstoffs Amygdalin (auch Vitamin B17), das in Aprikosenkernen enthalten ist. Bei der Verabreichung seien Todesfälle bekannt geworden, so Weg-Remers.

Die Expertin rät, der Schulmedizin nicht leichtfertig den Rücken zu kehren, sonst laufe man Gefahr, mögliche Heilungschancen zu vergeben. Man solle den Behandlungsmaßnahmen vertrauen, die ausreichend getestet wurden und die sich bewährt haben. Alles andere stelle ein nicht überschaubares Risiko dar.

Funktioniert eine "Krebsdiät"?

Eine Krebsdiät, mit der man Tumoren heilen könnte, gibt es nicht. Die Vorstellung, man könne einen Tumor durch Fasten oder kohlenhydratfreie Nahrung "aushungern", sei naiv, sagt Weg-Remers. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft rät Patienten von einer kohlenhydratarmen oder -freien Ernährung ab. Es habe bislang für keine Diät überzeugend gezeigt werden können, "dass sie Krebserkrankungen aufhalten und die Überlebenszeit verlängern könnte". Eine strenge Krebsdiät könnte sogar den oft ohnehin schlechten Ernährungszustand von Patienten verschlimmern.

Alternativen nur in Kombination mit der Schulmedizin

Ob naturheilkundliche Therapien möglicherweise ergänzend zu der Hauptbehandlung durchgeführt werden können, wie Homöopathie oder pflanzliche Medikamente, sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. "Im Idealfall sollten Patienten mit den behandelnden Ärzten sprechen, wenn sie ergänzend alternative Methoden anwenden möchten", sagt Weg-Remers. "Auf keinen Fall sollte man auf eigene Faust handeln. Auch weil alternative Behandlungen die schulmedizinische Therapie beeinflussen können."

Schlechtere Heilungschancen

So könne etwa Johanniskraut die Wirkung einer Chemotherapie herabsetzen und Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine oder Antioxidantien die Wirksamkeit der Strahlungstherapie negativ beeinflussen.

Wann Patienten skeptisch werden sollten

Skeptisch werden sollten Patienten immer dann, wenn der "Heiler" Gesundheitsversprechen macht oder gar rät, der Schulmedizin den Rücken zu kehren. Auch wenn ein Medikament angeblich gegen alle Krebsarten in allen Stadien helfe, sei Skepsis angebracht, so die Expertin. Ebenfalls aufmerksam solle man werden, wenn Unterlagen zur Wirksamkeit fehlen oder der "Heiler" sich weigere, sich mit dem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen. Auch Bargeldzahlungen oder Vorauskasse seien ein Grund zur Vorsicht.

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