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Diese Dinge sollten alle über Krebs wissen

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Warum wir mehr über Krebs sprechen sollten

24.06.2017, 16:56 Uhr | Annemarie Munimus, t-online.de

Diese Dinge sollten alle über Krebs wissen. Cancer Cells (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Purestock)

Es gibt über 40 unterschiedliche Arten von Krebs, die verschieden in Bezug auf Symptome, Heilungschancen und Therapieformen sind. (Quelle: Purestock/Thinkstock by Getty-Images)

Etwa jeder vierte Todesfall in Deutschland ist durch Krebs bedingt. Die Angst daran zu erkranken, ist deshalb groß. Dennoch scheint die Krankheit ein Tabuthema zu sein. t-online.de hat Professor Philipp le Coutre, Oberarzt an der Medizinischen Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Berliner Charité zum Thema Krebs und der gesellschaftlichen Herausforderung, die mit der Krankheit verbunden ist, befragt.

Die Zahl der Krebserkrankungen nimmt zu

Laut Robert Koch-Institut nimmt die absolute Zahl an Krebserkrankungen zu. Im Jahr 2013 gab es 483.000 Neuerkrankungen, 2020 werden voraussichtlich 519.000 Menschen die Diagnose Krebs erhalten. Bei 51 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen wird im Laufe des Lebens Krebs diagnostiziert. Etwa jeder vierte Mann und jede fünfte Frau stirbt an der Krankheit. Isoliert betrachtet erschrecken diese Zahlen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass nicht etwa die Menschen anfälliger für die Krankheit würden, oder die Krebsursachen zunähmen. Vielmehr gäbe es einen direkten Zusammenhang mit der Alterung der Bevölkerung. "Wenn man eine Statistik macht, die den Faktor Alter praktisch heraus nimmt, kann man feststellen, dass die Krebserkrankungen etwas abnehmen", sagt le Coutre.

Krebs lässt sich oft nicht verhindern, aber beeinflussen

Zu einem gewissen Anteil ist es zufällig, ob man Krebs bekommt oder nicht, weil bestimmte Krebserkrankungen genetisch bedingt sein können. Angeborene Veranlagungen gibt es für Darmkrebs, Magenkrebs, Prostatakrebs, Gebärmutter- und Brustkrebs. Das bedeutet, dass es keine Vermeidungsstrategie mit Garantie gibt. Dennoch stellt le Coutre fest, dass man mit einem gesunden Lebensstil die Wahrscheinlichkeit für viele Krebserkrankungen reduzieren kann: "Wir gehen davon aus, dass man, wenn man auf eine anständige Lebensweise und auf Prophylaxe sowie Früherkennung achtet, vielleicht bis zu 30 Prozent der Krebserkrankungen in der Bevölkerung reduzieren oder verhindern kann."

Eine Verdrängung dieser Zusammenhänge, sein ein gängiger Irrtum über Krebs. Auch wenn es abgedroschen klingt: Nicht rauchen, wenig Alkohol trinken, viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind der wirkungsvollste Schutz gegen Krebs.

Intensive Krebsforschung trägt jetzt Früchte

Dass es Krebs gibt, wissen die Menschen bereits seit der Antike. Fast ebenso lang wird die Krankheit erforscht. Im 19. Jahrhundert wurde die Forschung durch Wissenschaftler wie Rudolph Virchow schließlich intensiviert. Mit dem Fortschreiten technischer Innovationen in jüngster Zeit hat sich auch in der Krebsforschung viel getan: "Wir tragen jetzt die Früchte von vielen Jahrzehnten intensiver Krebsforschung, in der man jede Krebsart einzeln untersucht hat, um auf molekularer und genetischer Ebene zu verstehen, was genau in den Zellen passiert", berichtet le Coutre. Es gibt heute Therapieformen, die anders als die klassische Chemotherapie, die gesunden Zellen nicht zerstören. Durch die Einführung der sogenannten zielgerichteten Therapien wurden in den letzten 15 Jahren Fortschritte gemacht. 

Eine zweite bahnbrechende Erkenntnis auf dem Gebiet der Krebsforschung ist, dass das Immunsystem ein weiterer wichtiger Faktor ist: "Man hat festgestellt, dass man das Immunsystem gewissermaßen 'entblinden' kann, so dass es anfängt die Krebszellen als fremd zu erkennen und sich selbst gegen diese Fremdzellen richtet." 

Diese Entwicklungen führen dazu, dass sich in den letzten 30 Jahren die Überlebensaussichten von Krebspatienten deutlich verbessert haben. Die Mehrheit der Krebspatienten lebt heute noch fünf Jahre nach der Diagnosestellung. Die Heilungschancen unterscheiden sich jedoch stark nach Art des Tumors und Alter der Patienten.

Es fehlt ein gesellschaftlicher Diskurs über die Kostennutzenrechnung

Krebsbehandlungen sind oft sehr teuer. Das hängt auch mit den Investitionen zusammen, die in die Forschung und Entwicklung von Medikamenten gesteckt werden. Gleichzeitig treten viele Tumorerkrankungen bei älteren Menschen auf. Die Frage, welche Krebsbehandlung sich 'lohnt' und finanziell von der Allgemeinheit getragen werden sollte, steht im Raum. Le Coutre fordert einen Diskurs darüber: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion nicht nur darüber, was unser Gesundheitssystem leisten kann, sondern auch, was es leisten soll. Das können nicht nur Ärzte, Pflegepersonal und Patienten entscheiden." Zudem müsse jeder Einzelne für sich die Entscheidung treffen, welche Behandlung er bei schwerer Krankheit möchte, im Wissen, dass er nicht geheilt werden kann. "Wichtig sind Aufklärung und ein Bewusstsein darüber, was die Medizin leisten kann und was man selbst vom eigenen Leben erwartet."

Krebspatienten sprechen oft nicht über ihre Krankheit

Der Onkologe stellt fest, dass die Tabuisierung der Themen Krebs und Tod dazu beitrage, dass sich Krebspatienten oftmals zurückziehen und nicht offen über ihre Erkrankung reden, weil sie eine Stigmatisierung befürchten. "Viele Patienten haben Angst, dass sie nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft angesehen werden." Wenn mehr Menschen offen über das Thema sprächen, werde damit auch der gesellschaftliche Dialog angeregt. In den letzten Jahren könne man jedoch eine positive Entwicklung beobachten, auch weil Prominente und Politiker öffentlich über ihre Krankheit sprechen und damit das Bewusstsein verändern. 

Die Pharmaindustrie nimmt Einfluss 

Es mag zunächst überraschen, doch der Mediziner hält den Einfluss der Pharmaindustrie in der Krebsforschung für notwendig: "Es gibt heutzutage Substanzen, die sehr teuer in ihrer Entwicklung und im Herstellungsprozess sind. Die klinischen Studien, die dafür nötig sind, sind ohne die Pharmaindustrie im Prinzip nicht durchführbar." Ein rigides Prüfungssystem in Deutschland teste jedoch sehr genau, welche Substanzen zugelassen und auf den Markt kommen könnten. 

Gleichzeitig gebe es immer wieder Unvereinbarkeiten zwischen dem patientenorientierten Handeln von Ärzten und Pflegern auf der einen Seite und der Pharmaindustrie auf der anderen Seite. Denn die Firmen seien gegenüber ihren Stakeholdern verpflichtet und müssten Gewinne erzielen. "Das ist ein Spannungsfeld, das immer da ist und das immer wieder diskutiert werden muss."

Medizinischer Sachverstand hilft mehr als Empathie

Natürlich mache es einen Unterschied, ob man die eigenen Angehörigen behandele, oder jemanden, zu dem man keinen privaten Kontakt habe. Eine gewisse Distanz zu den Patienten sei gut und sinnvoll. Distanz solle in diesem Zusammenhang jedoch nicht mit emotionaler Kälte verwechselt werden. Laut le Coutre erwarten Krebspatienten Sachverstand und Verständnis von ihrem Arzt. "Sie wollen spüren und merken, dass man sich individuell mit ihnen beschäftigt. Man hilft einem Patienten nicht, wenn man ausschließlich Empathie und Emotionen zeigt".


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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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