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Therapie programmiert Zellen zu Krebs-Killern um

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Revolution in der Krebstherapie  

Erstmals Gentherapie gegen Leukämie zugelassen

01.09.2017, 14:08 Uhr | Valentin Frimmer, dpa

Therapie programmiert Zellen zu Krebs-Killern um. Im Rahmen einer Chemotherapie erhält ein Junge eine Infusion gegen Krebs. (Quelle: dpa/Archiv/Matthias Balk)

Im Rahmen einer Chemotherapie erhält ein Junge eine Infusion gegen Krebs. (Quelle: Archiv/Matthias Balk/dpa)

In die Entwicklung von Krebs-Medikamenten steckt die Pharmaforschung viel Geld. Nun ist in den USA ein neues Mittel gegen eine Form von Blutkrebs zugelassen worden. Von dem neuen Behandlungsansatz erwarten sich Mediziner viel.

Das sei ein "historischer Schritt", teilte die US-Arzneimittelbehörde FDA mit. Mit der Kymriah genannten Therapie des schweizerischen Pharmakonzerns Novartis wird eine Form der sogenannten Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) bei jungen Menschen bis 25 Jahre behandelt. Im Fokus stehen zunächst Schwerstkranke, für die es keine andere Behandlungsoption mehr gibt.

Krebszellen erkennen und zerstören

Bei der sogenannten CAR-T-Zell-Therapie werden den Patienten bestimmte Immunzellen entnommen. Ihr Erbgut wir mit Hilfe eines sogenannten viralen Vektors so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und zerstören können. Diese CAR-T-Zellen werden vervielfacht und den Patienten als Infusion wieder verabreicht. Die Therapie hat jedoch oft heftige Nebenwirkungen und soll nur an Spezialzentren zur Verfügung stehen.

"Mit der Möglichkeit, körpereigene Zellen eines Patienten so umzuprogrammieren, dass sie einen tödlichen Tumor angreifen, stoßen wir in neue Dimensionen der medizinischen Behandlung vor", sagte Scott Gottlieb von der FDA.

Durchbruch in der Behandlung von Leukämie

"CAR-Zelltherapien werden die Therapie bestimmter Leukämien revolutionieren, denn sie haben in bisherigen klinischen Prüfungen eindrucksvolle Behandlungserfolge gezeigt", sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Der Onkologe Ugur Sahin (Universität Mainz) betonte: "Das ist eine sehr wichtige Entwicklung und ein Durchbruch in der Behandlung dieser Leukämieform."

Die Therapie soll in den USA nach Angaben von Novartis 475.000 Dollar (403.000 Euro) kosten. Auch bei Lymphdrüsenkrebs oder anderen Blutkrebserkrankungen wie Multiplen Myelomen könnten CAR-T-Zellen dort bald zum Einsatz kommen.

Zulassung noch 2017 in Europa erwartet

In Europa könnte es ebenfalls noch 2017 grünes Licht für eine CAR-T-Zell-Therapie geben. Der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) liegen bereits mehrere Anträge vor. In Deutschland könnte eine solche Therapie mehrere 100.000 Euro kosten. Experten schätzen, dass in Europa jährlich einige Tausend schwerkranke Menschen davon profitieren könnten. "Die Kosten sind sehr hoch. Aber eventuell reicht eine solche Therapie für viele Jahre aus", sagte Cichutek.

Nicht jede Tumorart reagiert auf die manipulierten Zellen 

Auch andere Arten von Krebs, etwa Tumore in Brust, Eierstock, Lunge oder Bauchspeicheldrüse, versuchen Forscher mit Hilfe der aufgerüsteten Immunzellen zu knacken – allerdings bislang mit weniger Erfolg. "Die CAR-T-Zellen sind Hoffnungsträger", sagte PEI-Forscherin Jessica Hartmann. Feste Tumore sind jedoch schwieriger anzugreifen als Blutkrebs, denn CAR-T-Zellen müssen sie zunächst einmal erreichen und sich dann in dem für sie ungünstigen Milieu behaupten. Mehr als 20 verschiedene CAR-T-Zellprodukte werden dazu derzeit klinisch erprobt.

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