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Syphilis: Begünstigen Dating-Apps die Ausbreitung?

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Steigende Infektionen  

Warum ist Syphilis auch hier auf dem Vormarsch?

19.04.2017, 13:13 Uhr | dpa/tmn

Syphilis: Begünstigen Dating-Apps die Ausbreitung?. Syphilis kann lebensbedrohlich sein. Doch warum steigt die Zahl der Infektionen wieder? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/jarun011)

Syphilis kann lebensbedrohlich sein. Doch warum steigt die Zahl der Infektionen wieder? (Quelle: jarun011/Thinkstock by Getty-Images)

Lange Zeit ging die Zahl der Syphilisfälle zurück. Das hat sich vor ein paar Jahren wieder geändert. Nicht selten bemerken Betroffene nicht einmal, dass sie sich angesteckt haben. Das kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Doch woran liegt es, dass die Zahlen steigen? Eine mögliche Erklärung: Durch Dating-Apps haben mehr Leute teils ungeschützen Sex.

Jährlich steigende Syphilisinfektionen

Syphilis ist aus dem Bewusstsein vieler Deutscher verschwunden. Vielleicht stecken sich auch deshalb seit 2010 wieder mehr Menschen in Deutschland mit dem Erreger an. Im Jahr 2015 waren laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) 6834 Menschen betroffen – knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sind Dating-Apps schuld?

Die steigende Anzahl der Syphilisinfektionen liegt Experten zufolge auch an der eigenen Sorglosigkeit. Einige ziehen Sex ohne Kondom schlichtweg vor – auch wenn sie nicht mit ihrem langjährigen Partner schlafen, sagt Prof. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit.

Er sieht auch in Dating-Apps und -Chats wie beispielsweise Tinder, eine mögliche Ursache für den Anstieg. "Das ist eine Möglichkeit, die es früher nicht gab und die viel mehr sexuelle Kontakte ermöglicht." Und weil die späteren Sexpartner vorher erst mal miteinander chatten, haben sie häufig das Gefühl, sich bereits zu kennen. Dadurch falle es leichter, das Kondom wegzulassen.

Lehmann vermutet noch etwas anderes: Seit einigen Jahren kann HIV mit Medikamenten so behandelt werden, dass die Virusmenge im Körper sehr gering ist. So können Betroffene ihren Partner bei ungeschütztem Sex nicht mehr anstecken. "Seitdem werden weniger Kondome verwendet, und die Zahl der Syphilisfälle und die anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen steigt", sagt Lehmann.

Syphilis trifft eher Männer

Statistisch gesehen sind vor allem Männer gefährdet, die Sex mit Männern haben: Laut RKI steckten sich knapp 85 Prozent der Betroffenen bei sexuellen Kontakten zwischen Männern an. Aber egal ob hetero- oder homosexuell – Syphilis trifft ohnehin eher Männer. Der Anteil der betroffenen Frauen lag 2015 bei 6,2 Prozent.

Wie steckt man sich an?

Die Syphiliserreger – Treponema pallidum Bakterien – werden in der Regel beim Sex übertragen, entweder durch Geschlechtsverkehr oder Oralverkehr, erklärt Brockmeyer. Über winzige Verletzungen gelangt der Erreger in den Körper. "Die Wahrscheinlichkeit, sich bei ungeschütztem Sex mit einem Betroffenen anzustecken, liegt bei etwa 60 Prozent", sagt Brockmeyer.

Das Tückische: Hat man sich angesteckt, bemerkt man es – wenn überhaupt – erst viel später. Symptome treten nämlich zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung auf, erklärt Clara Lehmann, Expertin der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Syphilis verläuft in drei Stadien

1. Wird die Krankheit nicht behandelt, bildet sich zunächst ein Syphilisgeschwür – oft an den Geschlechtsorganen oder am Mund. "Das heilt nach ein paar Wochen von selbst wieder ab", sagt Lehmann.

2. Der Erreger verteilt sich unbemerkt im ganzen Körper. In diesem zweiten Stadium bekommen die Erkrankten meistens einen Hautausschlag, oft sind auch die Entzündungswerte im Blut erhöht, sie bekommen Fieber und fühlen sich allgemein krank. "Auch das heilt wieder ab, und Betroffene merken oft nicht, dass sie Syphilis haben."

3. Im dritten Stadium, das ohne Behandlung mehrere Jahre nach der Infektion eintreten kann, schädigt der Erreger im schlimmsten Fall große Gefäße wie die Bauchaorta, sodass sie platzt. Durch die Erkrankung kann auch Nervengewebe im Gehirn oder Rückenmark abgebaut werden. Mögliche Folgen sind Psychosen oder Demenz, wie Lehmann erklärt. Mediziner sprechen in solchen Fällen von der Neurosyphilis, die hierzulande allerdings nicht so häufig vorkommt.

Spritze gegen Syphilis

Damit es so weit gar nicht erst kommt, muss eine Syphilisinfektion frühzeitig behandelt werden. Meist genügt eine Penizillinspritze in den Gesäßmuskel, sagt Brockmeyer. Etwa sieben Tage später ist der Erkrankte nicht mehr ansteckend. In schweren Fällen spritzt der Arzt das Penizillin direkt in eine Vene.

Wie kann man sich schützen?

Bunte Kondome (Quelle: Sonya Schönberger/dpa-tmn)Kondome schützen nicht nur vor HIV, sondern auch vor Syphilis (Quelle: Sonya Schönberger/dpa-tmn)

Idealerweise steckt man sich aber natürlich gar nicht erst mit Syphilis an. Beim Sex sollten deshalb stets Kondome zum Einsatz kommen, erklärt Christine Winkelmann, Leiterin des Fachreferats Prävention von HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Sie betont aber: "Die Nutzung von Kondomen reduziert das Risiko einer Ansteckung zwar, stellt aber keinen 100-prozentigen Schutz dar." Wichtig ist auch, Syphilisgeschwüre bei einem anderen nicht zu berühren. Und nicht zuletzt gilt: Wer sich angesteckt haben könnte, sollte sich testen lassen. Das ist beim Arzt, aber auch in Gesundheitsämtern oder bei der Aids-Hilfe möglich.

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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